> Gedichte und Zitate für alle: Johann Wolfgang Goethe: Die Aufgeregten- 1.Akt 5.Szene

2019-08-22

Johann Wolfgang Goethe: Die Aufgeregten- 1.Akt 5.Szene





Fünfter Auftritt

BREME (allein). 

Daß auch das Unglück just diese
Nacht geschehen mußte! Ich hatte alles klüglich
eingerichtet, meine Einteilung der Zeit als ein echter
Praktikus gemacht. Bis gegen Mitternacht hatten
wir zusammen geschwatzt, da war alles ruhig;
nachher wollte ich meine Tasse Kaffee trinken,
meine bestellten Freunde sollten kommen zu der
geheimnisvollen Überlegung. Nun hat's der Henker!
Alles ist in Unruhe. Sie wachen im Schloß,
dem Kinde Umschläge aufzulegen. Wer weiß, wo
sich der Baron herumdrückt, um meiner Tochter
aufzupassen. Beim Amtmann seh' ich Licht, bei
dem verwünschten Kerl, den ich am meisten
scheue. Wenn wir entdeckt werden, so kann der
größte, schönste, erhabenste Gedanke, der auf mein
ganzes Vaterland Einfluß haben soll, in der Geburt
erstickt werden. (Er geht ans Fenster). Ich höre jemand
kommen; die Würfel sind geworfen, wir
müssen nun die Steine setzen; ein alter Soldat darf
sich vor nichts fürchten. Bin ich denn nicht bei dem
großen unüberwindlichen Fritz in die Schule gegangen?




D.Falk: Goethe aus näherm persönlichen Umgange dargestellt

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