> Gedichte und Zitate für alle: Johann Wolfgang Goethe: Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand (2)

2019-08-30

Johann Wolfgang Goethe: Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der eisernen Hand (2)






Zweiter Aufzug

Bamberg. Ein Saal

Der Bischoff und Adelheid spielen Schach. Liebetraut mit einer Zitter, Hofdamen, Hofleute um ihn
herum.

LIEBETRAUT (spielt und singt).
Berg auf und Berg ab, und Tahl aus und Tahl ein, Es reiten die Ritter Tal Ta!
Und blauen sich Bäulen, und hacken sich klein.
Es fliegen die Splitter Ta! Ta! Ein Ritter auf seiner Prinzessin Geheis, Beut Drachen und Teufeln den Krieg Dara ta! Wir schonen das Blut und wir spaaren den Schweis, Gewinnen auf ander und andere Weis Im Feld und der Liebe den Sieg Dara ta!
ADELHEID. Ihr seyd nicht bey euerm Spiel, Schach dem König.
BAMBERG. Es ist noch Auskunft.
ADELHEID, Lang werdet ihr's nicht mehr treiben. Schach dem König!
LIEBETRAUT. Das Spiel spielt ich nicht wenn ich ein groser Herr wäre, und verböt's am Hofe und im ganzen Land,
ADELHEID. Es ist wahr, das Spiel ist ein Probierstein des Gehirns.
LIEBETRAUT. Es ist nicht darum. Ich wollte lieber das Geheul der Todtenglocke und ominöser Vögel, lieber das Gebell des knurrischen Hofhundes Gewissen durch den süsesten Schlaf hören, als von Läufern, Springern, und andern Bestien das ewige Schach dem König.
BAMBERG. Wem wird das einfallen?
LIEBETRAUT. Einem zum Exempel der schwach wäre und ein starck Gewissen hätte, wie das denn meistens beysammen ist. Sie nennens ein königlich Spiel, und sagen es sey für einen König erfunden worden, der den Erfinder mit einem Meer von Überfluss belohnte. Wenn's wahr ist so ist mir's als wenn ich ihn sähe. Er war minorenn, an Verstand oder an Jahren, unter der Vormundschaflft seiner Mutter oder seiner Frau, hatte Milchhaare im Bart, und Flachshaare um die Schläfe. Er war so gefällig wie ein Weidenschössling, und spielte gern mit den Damen und auf der Dame, nicht aus Leidenschafft, behüte Gott, nur zum Zeitvertreib. Sein Hofmeister zu tähtig ein Gelehrter, zu unlencksam ein Weltmann zu seyn, erfand er das Spiel in usum delphini, das so homogen mit
seiner Majestät war, und so weiter.
ADELHEID. Ihr solltet die Lücken unsrer Geschichtsbücher ausfüllen. Schach dem König und nun ists aus.
LlEBETRAUT. Die Lücken der Geschlechtsregister, das wäre profitabler. Seitdem die Verdienste unsrer Vorfaahren  mit ihren Portraits zu einerley Gebrauch dienen, die leeren Seiten nehmlich unsrer Zimmer und unsers Carackters zu tapezieren. Seitdem ieder seinen Stammbaum in die Wolcken zu treiben sucht, da wäre was zu verdienen.
BAMBERG. Er will nicht kommen, sagtet ihr.
ADELHEID. Ich bitt euch schlagts euch aus dem Sinn.
BAMBERG. Was das seyn mag?
LIEBETRAUT. Was? die Ursachen lassen sich herunter beten wie ein Rosenkranz. Und er ist in eine Art von Zerknirschung gefallen, von der ich ihn schon wieder curiren wollte.
BAMBERG. Tuht das, reitet zu ihm.
LIEBETRAUT. Meine Commission?
BAMBERG. Sie soll unumschränckt seyn. Spaare nichts wenn du ihn zurück bringst.
LIEBETRAUT. Darf ich euch auch hineinmischen, Gnädige Frau?
ADELHEID. Mit Bescheidenheit.
LIEBETRAUT. Das ist weitläufige Commission. Mit Schüler Bescheidenheit? Die wird roth wenn sie euch den Fächer aufhebt. Mit Hofmannsbescheidenheit? die erlaubt sich einen Lach wenn ihr roth werdet. Mit Liebhaber Bescheidenheit? Für ihre Lippen ist eure Hand ein Paradies, eure Lippen der Himmel. Bräutigams Bescheidenheit residirt auf euerm Mund und wagt eine Descente auf den Busen, wo denn Soldaten Bescheidenheit gleich Posto fasst, und sich von da nach einem Canapee umsieht.
ADELHEID. Ich wolte ihr müsstet euch mit euerm Witz rasiren lassen, dass ihr nur fühltet wie schartig er ist. Kennt ihr mich so wenig oder seyd ihr so iung um nicht zu wissen, in welchem Ton ihr mit Weislingen von mir zu reden habt?
LIEBETRAUT. Im Ton einer Wachtelpfeife, denck ich.
ADELHEID. Ihr werdet nie klug werden.
LIEBETRAUT. Dafür heiss ich Liebetraut. Wisst ihr wann Rolands Verstand nach dem Mond reiste?
ADELHEID. Wie er Angelicken bey Medorn fand.
LIEBETRAUT. Nein wie er Angelicken traute. Wäre sein Verstand nicht vorher weg gewesen er wäre nie rasend geworden, da er sie in treulosen Umständen sah. Merckt das, gnädge Frau, wenn ihr mir alle fünf Sinne absprechen wollt, nennt mich nur bey meinem Nahmen.
BAMBERG. Geht, Liebetraut, nehmt das beste Pferd aus unserm Stall, wählt euch Knechte, und schafft mir ihn her.
LIEBETRAUT. Wenn ich ihn nicht herbanne, so sagt: eine alte Frau die Warzen und Sommerflecken vertreibt, verstehe mehr von der Sympatie als ich.
BAMBERG. Was wirds viel helfen, der Berlichingen hat ihn ganz eingenommen. Wenn er auch herkommt, so wird er wieder fort wollen.
LIEBETRAUT. Wollen das ist keine Frage, aber ob er kann. Der Händedruck eines Fürsten, und das Lächlen einer schönen Frau, halten fester als Ketten und Riegel. Ich eile, und empfele mich zu Gnaden.
BAMBERG. Reisst wohl.
ADELHEID. Adieu.
(Liebetraut ab.)
BAMBERG. Wenn er einmal hier ist, verlass ich mich auf euch.
ADELHEID. Wollt ihr mich zur Leimstange brauchen?
BAMBERG. Nicht doch.
ADELHEID. Zum Lockvogel denn?
BAMBERG, Nein, den spielt Liebetraut. Ich bitt euch versagt mir nicht, was mir sonst niemand gewähren kann.
ADELHEID. Wir wollen sehn. (Ab)

Jaxthausen

Hans von Selbiz, Gottfried.

SELBIZ. Jedermann wird euch loben dass ihr denen von Nürnberg Vehd angekündigt habt.
GOTTFRIED. Es hätte mir's Herz abgefressen, wenn ich ihnen nicht sollte an Hals gekommen seyn. Schon Jahr und Tag gehts mit mir herum. So lang wird's sein dass Hans von Lidwach verschwunden ist. Kein Mensch wusste wo er hingekommen war, und mir gings so nah dass mein ehmahliger Camerad im Gefängnis leiden sollte, denn wahrscheinlicher Weisse lebte er. Und unter allem
Elend geht keins über das Gefängnis.
SELBIZ. Ihr könnt davon sagen.
GOTTFRIED. Und mein's zu Hailbronn war noch ritterlich Gefängniss, ich dürft auf meinen Eyd herumgehen, von meinem Haus in die Kirche. Der arme von Lidwach in welchem Loch mag er steckenl Denn es ist am Tage, die von Nürnberg haben ihn weggeschleppt, im Marckgräfischen
ist einer niedergeworfen worden, der bekendt, er hab ihn an ihre Knechte verrahten. Sein Bekenttnis
in der Urfehde hat mir der Marckgraf auf mein Bitten zugesandt. Und obgleich viele bisher feindlich bös getahn haben, und geschworen sie wollten die Türcken aus Jerusalem beissen, wenn sie an Hansens von Littwach Unfall schuld hätten; so ist doch ietzt da es zur Sache kommt niemand als der getreuherzige Gottfried von Berlichingen, der der Katze die Schelle anhängen mag.
SELBIZ. Wenn ihr meine zwey Hände brauchen könnt, sie stehn euch zu Diensten.
GOTTFRIED. Ich zählte auf euch! wollte Gott, der Burgemeister von Nürenberg, mit der güldnen Ketten um den Hals kam uns in Wurf, er sollt sich verwundern.
SELBIZ. Ich höre Weisungen ist wieder auf eurer Seite Tritt er zu uns?
GÖTZ. Noch nicht; es hat seine Ursachen, warum er uns noch nicht öffentlich Vorschub tun darf; doch ists eine Weile genug, daß er nicht wider uns ist. Der Pfaff ist ohne ihn, was das Meßgewand ohne den Pfaffen.
SELBITZ. Wann ziehen wir aus?
GÖTZ. Morgen oder übermorgen. Es kommen nun bald Kaufleute von Bamberg und Nürnberg aus der Frankfurter Messe. Wir werden einen guten Fang tun.
SELBITZ. Wills Gott. (Ab.)

Bamberg. Zimmer der Adelheid

Adelheid. Kammerfräulein.

ADELHEID. Er ist da! sagst du. Ich glaub es kaum.
FRÄULEIN. Wenn ich ihn nicht selbst gesehn hätte, würd ich sagen: ich zweifle.
ADELHEID. Den Liebetraut mag der Bischof in Gold einfassen, er hat ein Meisterstück gemacht.

FRÄULEIN. Ich sah ihn, wie er zum Schloß hereinreiten wollte, er saß auf einem Schimmel. Das Pferd scheute, wie's an die Brücke kam, und wollte nicht von der Stelle, Das Volk war aus allen Straßen gelaufen, ihn zu sehn. Sie freuten sich über des Pferds Unart. Von allen Seiten ward er gegrüßt, und er dankte allen. Mit einer angenehmen Gleichgültigkeit saß er droben, und mit Schmeicheln und Drohen bracht er es endlich zum Tor herein, der Liebetraut mit, und wenig Knechte.
ADELHEID. Wie gefällt er dir?
FRÄULEIN. Wie mir nicht leicht ein Mann gefallen hat. Er glich dem Kaiser hier (deutet auf Maximilians Porträt), als wenn er sein Sohn wäre. Die Nase nur etwas kleiner, ebenso freundliche lichtbraune Augen, ebenso ein blondesschönes Haar, und gewachsen wie eine Puppe. Ein halbtrauriger Zug auf seinem Gesicht—ich weiß nicht --gefiel mir so wohl!
ADELHEID. Ich bin neugierig, ihn zu sehen.
FRÄULEIN. Das war ein Herr für Euch.
ADELHEID. Närrin!
FRÄULEIN. Kinder und Narren—Liebetraut kommt.
LIEBETRAUT. Nun, gnädige Frau, was verdien ich?
ADELHEID. Hörner von deinem Weibe. Denn nach dem zu rechnen, habt Ihr schon manches Nachbars ehrliches Hausweib aus ihrer Pflicht hinaus geschwatzt.
LIEBETRAUT. Nicht doch, gnädige Frau! Auf ihre Pflicht, wollt Ihr sagen; denn wenns ja geschah, schwätzt ich sie auf ihres Mannes Bette.
ADELHEID. Wie habt Ihrs gemacht, ihn herzubringen?
LIEBETRAUT. Ihr wißt zu gut, wie man Schnepfen fängt; soll ich Euch meine Kunststückchen noch dazu lehren? — Erst tat ich, als wüßt ich nichts, verstund nichts von einer Aufführung, und setzt ihn dadurch in den Nachteil, die ganze Historie zu erzählen. Die sah ich nun gleich von einer ganz andern Seite an als er, konnte nicht finden- nicht einsehen - und so weiter. Dann redete ich von
Bamberg allerlei durcheinander, Großes und Kleines, erweckte gewisse alte Erinnerungen, und wie ich seineEinbildungskraft beschäftigt hatte, knüpfte ich wirklich eine Menge Fädchen wieder an, die ich zerrissen fand. Er wußte nicht, wie ihm geschah, fühlte einen neuen Zug nach Bamberg, er wollte—ohne zu wollen. Wie er nun in sein Herz ging und das zu entwickeln suchte und viel zu sehr mit sich beschäftigt war, um auf sich achtzugeben, warf ich ihm ein Seil um den Hals, aus drei mächtigen
Stricken, Weiber-, Fürstengunst und Schmeicheleigedreht, und so hab ich ihn hergeschleppt.
ADELHEID. Was sagtet Ihr von mir?
LIEBETRAUT. Die lautre Wahrheit. Ihr hättet wegen Eurer Güter Verdrießlichkeiten—hättet gehofft, da er beim Kaiser so viel gelte, werde er das leicht enden können.
ADELHEID. Wohl.
LIEBETRAUT. Der Bischof wird ihn Euch bringen.
ADELHEID. Ich erwarte sie. (Liebetraut ab.) Mit einem Herzen, wie ich selten Besuch erwarte.

Im Spessart

Berlichingen. Selbitz. Georg (als Reitersknecht).

GOTTFRIED. Du hast ihn nicht angetroffen, Georg!
GEORG. Er war Tags vorher mit Liebetraut nach Bamberg geritten, und zwei Knechte mit.
GOTTFRIED. Ich seh nicht ein, was das geben soll.
SELBITZ. Ich wohl. Eure Versöhnung war ein wenig zu schnell, als daß sie dauerhaft hätte sein sollen. Der Liebetraut ist ein pfiffiger Kerl; von dem hat er sich beschwätzen lassen.
GOTTFRIED. Glaubst du, daß er bundbrüchig werden wird?
SELBITZ. Der erste Schritt ist getan.
GOTTFRIEDIch glaubs nicht. Wer weis wie nötig es war an Hof zu gehn, vielleicht ist man ihm noch schuldig, wir wollen das beste dencken.
SELBIZ. Wollte Gott er verdient es, und tähte das beste.
GOTTFRIED. Reit ietzt auf Kundschafft, Georg, es ist eine schöne Übung für dich, in diesen Fällen lernt ein Reutersmaim Vorsichtigkeit und Muth verbinden. (Ab)

Bamberg

Bischoff, Weisungen.

BISCHOFF. Du willst dich nicht länger halten lassen?
WEISUNGEN. Ihr werdet nicht Verlangen dass ich meinen Bund brechen soll.
BISCHOFF. Ich hätte verlangen können, du solltest ihn nicht eingehn. Was für ein Geist regierte dich? Könnt ich dich ohne das nicht befreyen? Gelt ich so wenig am Kayserlichen Hofe?
WEISLINGEN. Es ist geschehen, verzeiht mir wenn ihr könnt
BISCHOFF. Hatt ich das um dich verdient? Gesetzt du hättest versprochen, nichts gegen ihn zu unternehmen. Gut. Die Vehde mit ihm war immer eine von meinen kleinsten Besorgnissen, triebst du sie nicht selbst am stärcksten? Hält ich nicht alles gegeben, um dich loszukriegen, und um in Ruh mit ihm zu kommen? Und er  sich lässt weisen. Aber neinl  Du verbindest dich gar mit ihm, wie ich wohl merke, du wirst mein Feind! -Verlass mich, Adelbert. Aber ich kann nicht sagen du tuhst wohl.
WEISLINGEN. Lebt wohl, gnädger Herr.
BISCHOFF. Ich geb dir meinen Seegen. Sonst wenn du gingst, sagt ich auf wiedersehn. Jetzo! Wollte Gott wir sähn einander nie wieder.
WEISLINGEN. Es kann sich vieles ändern.
BAMBERG. Es hat sich leider schon zu viel geändert. Vielleicht seh ich dich noch einmal als Feind vor meinen Mauern, die Felder verheeren, die ihren blühenden Zustand dir ietzo dancken.
WEISUNGEN. Nein, gnädger Herr.
BAMBERG. Ihr könnt nicht Nein sagen. Würtenberg hat einen Alten Zahn auf mich. Berlichingen  ist sein Augapfel, und ihr werdet inskünftige das schwarze drinn seyn. Geht, Weisung! Ich hab euch nichts mehr zu sagen. Denn ihr habt vieles zu nichte gemacht. Gehet.
WEISUNGEN. Und ich weis nicht was ich sagen soll.
(Bamberg ab.)
FRANZ (tritt auf). Adelhaid erwartet euch. Sie ist nicht wohl, und doch will sie euch ohne Abschied nicht lassen.
WEISUNGEN. Komm.
FRANZ. Gehn wir denn gewiss?
WEISLINGEN. Noch diesen Abend.
FRANZ. Mir ist als ob ich aus der Welt sollte.
WEISUNGEN. Mir auch, und noch dazu als wüst ich nicht wohin. (Ab.)

Adelhaidens Zimmer

Adelhaid. Fräulein.

FRÄULEIN. Ihr seht blass, gnädige Frau.
ADELHAID. Ich lieb ihn nicht, und ich wollt doch er blieb. Siehst du, ich könnte mit ihm leben, ob ich ihn gleich nicht zum Mann haben mögte.
FRÄULEIN. Glaubt ihr dass er geht?
ADELHAID. Er ist zum Bischoff, um Lebewohl zu sagen.
FRÄULEIN. Er hat darnach noch einen schweerem Stand.
ADELHAID. Wie meinst du?
FRÄULEIN. Was fragt ihr, gnädge Frau, ihr habt sein Herz geangelt und wenn er sich losreissen will, verblutet er.

Adelhaid. Weislingen.

WEISLINGEN. Ihr seyd nicht wohl, gnädge Frau?
ADELHAID, Das kann euch einerley seyn. Ihr verlasst uns, verlasst uns auf immer. Was fragt ihr ob wir leben oder sterben.
WEISUNGEN. Ihr verkennt mich.
ADELHAID. Ich nehm euch, wie ihr euch gebt.
WEISUNGEN. Das Ansehn trügt.
ADELHAID. So seyd ihr ein Camäleon.
WEISLINGEN. Wenn ihr in mein Herz sehen könntet.
ADELHAID. Schöne Raritäten würden mir vor die Augen kommen.
WEISLINGEN. Gewiss! denn ihr würdet euer Bild drinne finden.
ADELHAID. In irgend einem Winckel bey den Portraits ausgestorbener Familien. Ich bitt euch, Weislingen, Bedenckt ihr redt mit mir. Falsche Worte gelten zum höchsten wenn sie Masken unsrer Tahten sind; ein vermummter der kenntlich ist spielt eine armseelige Rolle. Ihr läugnet eure Handlungen nicht und redet das Gegenteil, was soll man von euch halten?
WEISLINGEN. Was ihr wollt. Ich binn so geplagt mit dem was ich binn, dass mir wenig bang ist für was man mich nehmen mag,
ADELHAID. Ihr kommt Abschied zu nehmen.
WEISLINGEN. Erlaubt mir eure Hand zu küssen, und ich will sagen: Lebt wohl; Ihr erinnert mich! Ich bedachte nicht! Ich binn euch beschweerlich, gnädge Frau!
ADELHAID. Ihr legts falsch aus. Ich wollte euch forthelfen. Denn ihr wollt fort—
WEISLINGEN. O, sagt: ich muss. Zöge mich nicht die Ritterpflicht, der heilige Handschlag—
ADELHAID. Geht! geht! Erzählt das iungen Mädgen die den Teuerdanck lesen und sich so einen Mann wünschen. Ritterpflicht! Kinderspiel.
WEISLINGEN, Ihr denckt nicht so.
ADELHAID. Bey meinem Eyd ihr verstellt euch. Was habt ihr versprochen?  und wem? Einem Manne der seine Pflicht gegen den Kayser und das Reich verkennt, in eben dem Augenblick da er durch eure Gefangennehmung in die Strafe der Acht verfällt, Pflicht zu leisten. Die nicht gültiger seyn kann als ein ungerechter gezwungener Eyd. Entbinden nicht unsre Gesetze von solchen Schwüren? Macht das Kindern weis die den Rübezahl glauben, stecken andre Sachen dahinter. Ein Feind des Reichs zu werden, ein Feind der bürgerlichen Ruh und Glückseeligkeit. Ein Feind des Kaysers. Geselle eines Räubers, du Weislingen mit deiner sanften Seele.
WEISUNGEN. Wenn ihr ihn kenntet.
ADELHAID. Ich wollt ihm Gerechtigkeit widerfahren lassen. Er hat eine hohe, unbändige Seele. Eben darum wehe dir, Weislingen. Geh und bilde dir ein, Geselle von ihm zu seyn. Geh und lass dich beherrschen, du bist freundlich, gefällig, liebreich.
WEISUNGEN. Er ists auch.
ADELHAID. Aber du bist nachgebend und er nicht. Unversehens, wird er dich wegreissen und dann fahre wohl, Freyheit. Du wirst ein Sclave eines Edelmanns werden, da du Herr von Fürsten seyn könntest.—Doch es ist Unbarmherzigkeit, dir deinen künftigen Stand zu verleiden.
WEISLINGEN. Hättest du gefühlt wie liebreich er mir begegnete.
ADELHAID. Das kostet ihn so viel, als einen Fürsten ein Kopfnicken, und ging vielleicht iust so von Herzen. Und im Grund wie hätt er dich anders behandeln sollen? Du rechnest ihm zur Gefälligkeit was Schuldigkeit war.
WEISLINGEN. Ihr redet von euerm Feind.
ADELHAID. Ich redete für euere Freiheit—und weiss überhaupt nicht was ich für ein Interesse dran nahm. Lebt wohl.
WEISLINGEN. Erlaubt mir noch einen Augenblick. (Er nimmt ihre Hand und schweigt.)
ADELHAID. Habt ihr mir noch was zu sagen?
WEISLINGEN (nach einer Pause beängstet). Ich muss fort.
ADELHAID (mit Verdruss). So geht.
WEISLINGEN. Gnädge Frau! Ich kann nicht.
ADELHAID (spöttisch). Ihr müsst.
WEISLINGEN. Soll das euer letzter Blick seyn?
ADELHAID. Geht. Ich binn kranck, sehr zur ungelegnen Zeit.
WEISLINGEN. Seht mich nicht so an.
ADELHAID. Willst du unser Feind seyn und wir sollen dir lächlen? Geh.
WEISUNGEN. Adelhaid.
ADELHAID. Ich hass euch.
FRANZ (kommt). Der Bischoff lässt euch rufen
ADELHAID. Gehtl Geht!
FRANZ. Er bittet euch eilend zu kommen.
ADELHAID. Geht! Geht!
WEISLINGEN. Ich nehme nicht Abschied. Ich seh euch
noch einmal. (Ab.)
ADELHAID. Noch einmal. Wir wollen dafür seyn. Margarethe, wenn er kommt, weisst ihn ab. Wenn er noch zu gewinnen ist, so ists auf diesen Weeg. (Ab.)

Weisungen. Franz.

WEISLINGEN. Sie will mich nicht sehn!
FRANZ. Es wird Nacht, soll ich die Pferde satteln?
WEISLINGEN. Sie will mich nicht sehn!
FRANZ. Wann befehlen Ihro Gnaden die Pferde?
WEISLINGEN. Es ist zu spät, wir bleiben hier. (Franz ab.)
WEISLINGEN. Du bleibst hier! Und warum? Sie noch einmal zu sehen! Hast du ihr was zu sagen!—Man sagt Hunde heulen und zittern auf Kreutzwegen, für Gespenstern, die dem Menschen unsichtbaar vorbeyziehn. Sollen wir den Tieren höhere Sinnen zuschreiben? Und doch—das führt zum Aberglauben! Mein Pferd scheute wie ich zum Schloss Tohr hereinwollte, und stund unbeweglich. Vielleicht dass die Gefahren die meiner warteten, in scheuslichen Gestalten mir entgegen eilten, mit einem höllischen Grinsen, mir einen fürchterlichen Willkomm boten, und mein edles Pferd zurücke scheuchten. Auch ist mirs so unheimlich wohin ich trete. Es ist mir so bang
als wenn ich von meinem Schutzgeiste verlassen, feindseeligen Mächten überliefert wäre. Tohr—Hier liegt dein Feind, und die reinste Himmelsluft würde zur beklemmenden Atmosphäre um dich her.

Jaxthausen

Elisabeth. Marie.

MARIE. Kann sich mein Bruder entschliessen den Jungen in's Kloster zu thun?
ELISABETH. Er nuss. Dencke nur selbst, welche Figur würde Carl dereinst als Ritter spielen.
MARIE. Eine recht edle, erhabne Rolle.
ELISABETH. Vielleicht in Hundert Jahren wenn das Menschengeschlecht recht tief herunter gekommen seyn wird. Jetzo da der Besitz unsrer Güter so unsicher ist, müssen wir Männer zu Hausvätern haben. Carl wenn er eine Frau nahm, könnte sie nicht mehr Frau seyn als er.
MARIE. Mein Bruder wird mitunter ungehalten auf mich seyn, er gab mir immer viel Schuld an des Knabens Gemüthsart.
ELISABETH. Das war sonst. Jetzo sieht er deutlich ein, dass es Geist beym Jungen ist, nicht Beyspiel. Wie ich so klein war, sagte er neulich, Hundert solche Tanten hätten mich nicht abgehalten Pferde in die Schwemm zu reiten, und im Stall zu residiren. Der Junge soll in's Kloster.
MARIE. Ich kann es nicht ganz billigen. Sollte denn in
der Welt kein Platz für ihn seyn?
ELISABETH. Nein, meine liebe. Schwache passen an keinen Plaz in der Welt, sie müssten denn Spitzbuben seyn. Deswegen bleiben die Frauen wenn sie gescheut sind zu Hause, und Weichlinge kriechen ins Kloster. Wenn mein Mann ausreit, es ist mir gar nicht bang. Wenn Carl auszöge, ich würde in ewigen Ängsten seyn. Er ist sichrer in der Kutte als unter dem Harnisch.
MARIE. Mein Weislingen ist auch sanfter Natur, und doch hat er ein edles Herz.
ELISABETH. Ja! ia! Danck ers meinem Mann dass er ihn noch bey Zeiten gerettet hat. Dergleichen Menschen sind gar übel dran, selten haben sie Stärcke der Versuchung zu wiederstehn, und niemals Krafft sich vom Übel zu erlösen.
MARIE. Dafür beten wir um beydes.
ELISABETH. Nur dann reflecktirt Gott auf ein Gebet, wenn all unsre Kräfte gespannt sind, und wir doch das weder zu tragen noch zu heben vermögen was uns aufgelegt ist. In dem Falle wovon wir sprechen, gähnt meistenteils eine missmutige Faulheit ein halbes Seufzergen. Lieber Gott, schaff mir den Apfel dort vom Tisch her! Ich mag nicht aufstehn. Schafft er ihn nicht, nun so ist ein Glück dass wir keinen Hunger haben. Noch einmal gegähnt, und dann eingeschlafen.
MARIE. Ich wünschte ihr gewöhntet euch an, von heiligen Sachen anständiger zu reden.

Bamberg

Adelhaid. Weislingen.

ADELHAID. Die Zeit fängt mir an unerträglich lang zu werden. Reden mag ich nichts, und ich schäme mich zu spielen. Langeweile, du bist ärger als ein kaltes Fieber.
WEISLINGEN. Seyd ihr mich schon müde?
ADELHAID. Euch nicht so wohl, als euern Umgang. Ich wollte ihr wärt wo ihr hin wolltet, und ich hätt euch nicht gehalten.
WEISLINGEN. Das ist Weibergunst. Erst brütet sie mit Mutterwärme unsre liebsten Hoffnungen an, dann gleich einer unbeständigen Henne verlässt sie das Nest, und übergiebt ihre schon keimende Nachkommenschafft dem Todt und der Verwesung.
ADELHAID. Deklamirt wider die Weiber. Der unbesonnene Spieler zerbeist und zerstampft die Karten die ihn unschuldiger Weise verliehren machten. Aber lasst mich euch was von Mansleuten erzählen. Was seyd denn ihr um von Wanckelmuth zu sprechen. Ihr die ihr selten seyd, was ihr seyn wollt, niemals was ihr seyn solltet. Könige im Festtags Ornat, vom Pöbel beneidet, was gab
eine Schneiders Frau drum eine Schnur Perlen um ihren Hals zu haben, von dem Saum eures Kleids den eure Absätze verächtlich zurückstosen.
WEISLINGEN. Ihr seyd bitter.
ADELHAID. Es ist die Antistrophe von euerm Gesang. Eh ich euch kannte, Weislingen, ging mirs fast wie der Schneiders Frau. Der Ruf hundertzüngig, ohne Metapher gesprochen, hatte euch so Zahnarztmäsig herausgestrichen dass ich mich überreden lies zu wünschen, möchtest du doch diese Quintessenz des männlichen Geschlechtes, diesen Phönix Weislingen zu Gesichte kriegen. Ich ward
meines Wunsches gewährt.
WEISLINGEN. Und der Phönix ward zum ordinairen Haushahn.
ADELHAID. Nein, Weislingen, ich nahm Anteil an euch.
WEISLINGEN. Es schien so.
ADELHAID. Und war. Denn würcklich ihr übertrafft euem Ruf. Die Menge schätzt nur den Wiederschein des Verdienstes. Wie mirs denn geht dass ich über die Leute nicht dencken kann die mich interessiren. So lebten wir eine Zeitlang neben einander, ohne zu mercken was ich an euch vermisste. Endlich gingen mir die Augen auf. Ich sah statt des acktiven Manns, der die Geschaffte eines Fürstentums belebte, der sich und seinen Ruhm dabey nicht vergass, der auf hundert grosen Unternehmungen, wie auf übereinander gewalzten Bergen, zu den Wolcken hinauf gestiegen war: Den seh ich auf einmal iammernd wie einen krancken Poeten, melankolisch wie ein gesundes
Mädgen, und müssiger als einen alten Junggesellen. Anfangs schrieb ich's euerm Unfall zu, der euch noch neu auf dem Herzen lag, und entschuldigt euch so gut ich konnte. Jetzt da es von Tag zu Tag schlimmer mit euch zu werden scheint, müst ihr mir verzeihen wenn ich euch meine Gunst entreisse, ihr besitzt sie ohne Recht, ich schenckte sie einem andern auf Lebenslang, der sie euch nicht übertragen konnte.
WEISLINGEN. So lasst mich los.
ADELHAID. Noch ein Paar Worte so sollt ihr Abschied haben! Ich dacht: es ist Gährung. Wehe dem Berlichingen, dass er diesen Sauerteig herein warf. Ich dacht: er hat sich neue, noch unentwickelte Kräffte gefühlt da er sich an einem grosen Feind mas, es arbeitet ietzo in seiner Seele, die äussere Ruhe ist ein Zeichen der innern Würcksamkeit.
WEISLINGEN. Du hast dich nicht geirrt, es arbeitete hier und bläht sich noch.
ADELHAID, Die Fäulniss arbeitet auch. Aber zu welchem Zweck! Wenn es das ist, was ich fürchte, so lass mich keinen Zeugen abgeben, ich würde der Natur fluchen dass Sie ihre Kräffte so misbraucht.
WEISLINGEN. Ich will euch aus den Augen gehn.
ADELHAID. Nicht, biss alle Hoffnung verlohren ist. Die Einsamkeit ist in diesen Umständen gefährlich. Armer Mensch. Ihr seyd so missmutig wie einer dem sein erstes Mädgen untreu wird, und eben darum geb ich euch nicht auf. Gebt mir die Hand, verzeiht mir was ich aus Liebe gesagt habe.
WEISLINGEN. Zauberinn.
ADELHAID. War ich's ihr solltet ein anderer Mann seyn. Schämt euch, wenn's die Welt sähel Um einer elenden Ursache Willen. Die ihr euch gewiss nicht selbst gestehn mögt. Wie ich ein klein Mädgen war, ich weis es noch auf einen Punckt, machte mir meine Mutter ein schönes Hofkleid, war rosenfarbnes. Ich machte der Fürstinn von Anhalt die Aufwartung, da war eine Fräulein die hatte ein Kleid an, war feuerfarb. Das hätt ich auch haben mögen, und weil ich meins hatte achtet ichs geringer, und ward unleidsam, und wollte mein rosenfarbnes Kleid nicht anziehen weil ich kein feuerfarbnes hatte. Seht das ist euer Fall. Ich dachte du hast gewiss das schönste Kleid, und wie ich andre sah die mir gleich waren, das neckte mich. Weisling, ihr wolltet der erste sein, und der einzige. Das geht in einem gewissen Kreis. Aber unglücklicher Weise kamt ihr hinaus, fandet wie die Natur mit viel Gewichtern ihre Maschine treibt. Und das ärgerte euch. Spielt nicht das Kind. Wenn er die
Geige spielt, wollen wir die Flöte blasen, eine Virtuosität ist die andre werth.
WELSLINGEN. Hilf ihr, mein Genius! Adelhaid! Da Schicksaal hat mich in eine Grube geworfen, ich seh den Himmel über mir, und seufze nach Freiheit. Deine Hand.
ADELHAID. Du bist befreyt, denn du willst. Der elendste Zustund ist: nichts wollen können. Fühle dich, und du bist alles was du warst. Kannst du leben, Adelbert und einen mächtigen Nebenbuhler blühen sehn? Frisst nicht die magerste Ähre seines Wohlstandes deine Fettsten? Indem sie ringsumher verkündet, Adelbert wagt nicht mich auszureissen. Sein Daseyn ist ein Monument
deiner Schwäche. Auf! Zerstörs da es noch Zeit ist. Leben und leben lassen ist ein Sprüchelgen für Weiber. Und man nennt dich einen Mann.
WEISLINGEN. Und ich will seyn. Wehe dir, Gottfried! wenn das Glück meiner Adelhaid Nebenbuhlerinn ist. Alte Freundschafft, Gefälligkeit, und die alte Frau Menschenliebe, hatten meine Entschliessungen mit Zauberformeln niedergeschläffert, du hast den Zauber aufgelösst. Und nun, gleich entfesselten Winden über das ruhende Meer! du sollst an die Felsen, Schiff, und von da in Abgrund, und wenn ich mir die Backen drüber zersprengen sollte.
ADELHAID. So hör ich euch gem.
WEISLINGEN. Der Kayser hält einen Reichstag zu Augsburg. Ich will hin und du sollst sehen, Adelhaid, ob ich nicht mehr binn als der Schatten eines Manns.
ADELHAID. Mich däucht ich sehe einen auferstandnen verklärten Heiligen in dir. In deinen Augen glüht ein Feuer, das deine Feinde verzehren wird. Komm, Adelbert, zum Bischoflf. Komm! Victoria ist ein Weib, sie wirfft sich dem Tapfersten in die Arme. (Ab)

Im Spessart

Gottfried, Selbiz. Georg.

SELBIZ. Ihr seht es ist gegangen wie ich gesagt habe.
GOTTFRIED. Nein, nein, nein.
GEORG. Glaubt ich berichte euch mit der Wahrheit. Ich taht wie ihr befahlt, borgte von einem Pfälzer den Rock und das Zeichen. Und damit ich doch mein Essen und Trincken verdiente, geleitete ich Reineckische Bauern nach Bamberg.
SELBIZ. In deiner Verkappung, das hätte dir übel gerahten können.

GEORG. So denck ich auch hinten drein. Ein Reutersmann der das vorausdenckt, wird keine weite Sprünge machen. Ich kam nach Bamberg, und gleich im Wirtshaus hört ich erzählen, Weislingen und der Bischofif seyen ausgesöhnt, und man redete viel von einer Heurath mit der Wittwe des von Walldorff.
GOTTFRIED. Gespräche!
GEORG, Ich sah ihn wie er sie zu Tafel führte, sie ist schön, bey meinem Eyd sie ist schön, wir bückten uns alle, sie danckte uns allen, er nickte mit dem Kopf, sah sehr vergnügt, sie gingen vorbey, und das Volck murmelte: ein schönes Paar.
GOTTFRIED. Das kann seyn.
GEORG. Hört weiter. Da er des andern Tags in die Messe ging, passt ich meine Zeit ab. Er war allein mit einem Knaben, ich stund unten an der Treppe und sagte leise zu ihm: Ein Paar Worte von euerm Berlichingen. Er ward bestürzt, ich sah das Geständniss'seines Lasters in seinem Gesicht, er hatte kaum das Herz mich anzusehen, Mich einen schlechten Reutersjungen.
SELBIZ. Das machte, sein Gewissen war schlechter als dein Stand.
GEORG. Du bist Pfalzgräfisch, sagte er. Ich bring einen Gruss vom Ritter Berlichingen, sagt ich, und soll fragen —Komm morgen früh, sagte er, an mein Zimmer, wir wollen weiter reden.
GOTTFRIED. Kamst du?
GEORG. Wohl kam ich, und musst im Vorsal stehn, lang lang. Endlich führt man mich hinein, er schien böse. Mir wars einerley. Ich tratt zu ihm und sagte meine Commission, er taht feindlich böse, wie einer der nicht mercken lassen will dass er kein Herz hat. Er verwunderte sich dass ihr ihn durch einen Reuters Jungen zur Rede setzen liesst. Das verdross mich. Ich sagte: es gab nur zweyerley Leut, Ehrliche und Schurcken, und dass ich ehrlich wäre, sah er daraus dass ich Gottfried von Berlichingen
diente. Nun fmg er an allerley verkehrtes Zeug zu schwäzen, das darauf hinausging: Ihr hättet ihn übereilt, er sey euch keine Pflicht schuldig, und wollte nichts mit euch zu tuhn haben.
GOTTFRIED. Hast du das aus seinem Munde?
GEORG. Das und noch mehr.
GOTTFRIED. Es ist genug. Der wäre nun verlohren. Treu und Glauben, du hast mich wieder betrogen. Arme Marie! wie werd ich dirs beybringen?
SELBIZ. Ich wollte lieber mein ander Bein dazu verliehren als so ein Hundsfut seyn. (Ab.)

Inhalt
2.Akt
3.Akt
4.Akt
5.Akt



D.Falk: Goethe aus näherm persönlichen Umgange dargestellt

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