> Gedichte und Zitate für alle: J.W.v.Goethe. Der Bürgergeneral Achter Auftritt

2019-08-15

J.W.v.Goethe. Der Bürgergeneral Achter Auftritt





Achter Auftritt

Märten. Hernach Schnaps.

MÄRTEN. Ein Glück, daß er ihn nicht vermutet! Das hätte schöne Händel gesetzt! Am
Fenster. Wie er läuft! Er ist schon am Berge. Nun kann mein General wieder aus dem
Hinterhalte hervorkommen. Es ist doch kurios, daß jetzt die schlimmsten Leute immer in
die Höhe kommen! Man liest's in allen Zeitungen. Der da oben taugt nun ganz und gar
nichts, und kommt zu solchen Ehren! Wer weiß, was noch daraus wird! Es sind gefährliche Zeiten; man weiß gar nicht mehr, wen man um sich hat. Auf alle Fälle will ich ihm schmeicheln. Er nutzt mir wohl wieder. Mein General!

SCHNAPS an der Bodentüre. Es fällt Heu herunter. Ist er fort?

MÄRTEN. Schon weit weg.

SCHNAPS mit Heu bedeckt. Ich komme schon.

MÄRTEN. Ihr seht verzweifelt aus, General Schnaps.

SCHNAPS auf der Leiter sich reinigend. Das ist im Felde nicht anders; man kann nicht
alles sauber haben.

MÄRTEN. Kommt nur herunter.

SCHNAPS. Ist er wirklich fort?

MÄRTEN. Schon weit weg. Er war besorgt, Ihr möchtet indessen zu Rösen schleichen, und
lief, als wenn es hinter ihm brennte.

SCHNAPS herunterkommend. Vortrefflich! Nun schließt mir aber die Haustür zu.

MÄRTEN. Das sieht verdächtig aus.

SCHNAPS. Besser verdächtig als ertappt. Schließt zu, Vater Martin. Mit wenig Worten sag
ich Euch alles.

MÄRTEN gehend. Nun gut.

SCHNAPS. Wenn jemand pocht, pack ich ein und schleiche mich zur Hintertür hinaus; und
Ihr macht, was Ihr wollt.



Kanzler von Müller: Unterhaltungen mit Goethe

Personen und Inhalt


Keine Kommentare: