> Gedichte und Zitate für alle: Ludwig G. T. Kosegarten: Trost der Ewigkeit (11)

2019-08-08

Ludwig G. T. Kosegarten: Trost der Ewigkeit (11)




Trost der Ewigkeit

Umschatte mich mit deinem Engelflügel,
Gedank' der Ewigkeit!
Ich seh' in dir, wie in krystallnem Spiegel
Vergolten all' mein Leid.

Wonach ich rang mit tausend Inbrunstthränen,
Wird dort von mir erweint.
Wonach ich schmachtete mit ew'gem Sehnen,
Umarmt mich dort, wie Freund.

Was mir verborgen blieb im Reich des Wahren,
Wird dort mir offenbart.
Was ich verlor in längst verschiednen Jahren,
Wird dort mir aufbewahrt.

Da werd' ich euch, ihr Guten, wieder schauen,
Die ich mir angekies't,
Und die ihr mich in dieses Lebens Grauen
Allein zurücke ließt.

Da werd' ich dich, Verklärte, wieder küssen,
Die mir das Schicksal nahm.
Ich werde vor den Engeln, Braut! dich grüßen,
Und du mich Bräutigam!

Da werd' ich dich, der Welten Urgebilde,
Dich, ursprungloses Schön,
In aller deiner Lieb' und Treu und Milde
Ganz und gewandlos sehn.

Mein Saitenspiel, das hie von Erdendingen
Nur matt und irdisch klang,
Wird da gewaltig durch die Himmel klingen,
Wie Sphären Hochgesang.

Homer und David werden mein sich freuen,
Ihr goldnes Harfenspiel
Mir reichen, mich zum Himmeldichter weihen
Am palmbekränzten Ziel. – – –

O laß mich nicht, mein Theurer, Süßer, Lieber!
Gedank' der Ewigkeit!
Verwehe du, wird meine Seele trüber,
Verwehe du mein Leid!

Wenn mich in finstern allzu finstern Stunden
Mein alter Kummer faßt,
So geuß du Oehl und Wein in meine Wunden,
Und schaff' mir wieder Rast.

Und lieg' ich einst – o wär' es bald! zu sterben,
So säus'l' auf mich herab.
Und fröhlich steig' ich, jenes Heil zu erben,

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