> Gedichte und Zitate für alle: Woldemar von Biedermann : Gespräche Goethes 1779 (10)

2019-09-26

Woldemar von Biedermann : Gespräche Goethes 1779 (10)



1779



1779, Frühjahr.
Mit Karl Lenz 



Um meinen kranken Bruder [Jakob Michael Reinhold] von den Grenzen der Schweiz abzuholen, erhielt ich von Weimar aus der Großmuth der weiland verwittweten Frau Herzogin durch Goethe eine baare Geldunterstützung, welche, wie mich däucht, 60 Louisd'or betrug ..... Goethe nahm mich übrigens auf seinem Gartenhause sehr gütig auf und unterhielt sich mit mir bei unserer Promenade in dem Lustwäldchen, der Stern genannt, meistens in sehr liebreichem Andenken an Jakob Lenz, und selbst seine Schwächen berührte er nur mit vieler Delicatesse.


1779, 26. Juli. 

Mit Christoph Martin Wieland


Mit Goethe hab' ich vergangene Woche einen gar guten Tag gehabt. Er und ich haben uns entschließen müssen, dem Rath May zu sitzen, der uns ex voto der Herzogin von Württemberg für Ihre Durchlaucht malen soll. Goethe saß Vor- und Nachmittags und bat mich, weil Serenissimus absens war, ihm bei der leidigen Session Gesellschaft zu leisten und zur Unterhaltung der Geister den »Oberon« vorzulesen. Zum Glück mußte sich's treffen, daß der fast immer wüthige Mensch diesen Tag gerade in seiner besten receptivsten Laune und so amusable war, wie ein Mädchen von sechzehn. Tag meines Lebens hab ich niemand über das Werk eines andern so vergnügt gesehen, als er es mit dem »Oberon« durchaus, sonderlich mit dem 5. Gesang war, worin Hyon sich von dem kaiserlichen Auftrag verbotenus acquittiret. Es war eine wahre jouissance für mich, wie Du leicht denken kannst. Ein paar Tage darauf gestund er selbst, daß er in drei Jahren vielleicht nicht wieder in diesen Grad von Receptivität und Offenheit jedes Sinnes für ein opus hujus furfuris et farinae kommen würde.


1779, Sommer. 

Über Jacobis »Woldemar« 


Nun habe ich [Sophie von La Roche] eine Angelegenheit, die ist: zu hören, wie viel an der Begebenheit mit »Woldemar's« Briefen wahr ist oder nicht, daß unter einem Eichbaume zu Ettersburg etliche davon vorgelesen worden und dann Goethe auf den Baum stieg, eine geistvolle Standrede über das schlechte Buch hielt und es endlich zur wohlverdienten Strafe und andern zum abschreckenden Beispiele an beiden Enden der Decke an die Eiche nagelte, wo dann eine große Freude über die im Wind flatternden Blätter war.


1779, 14. September.

In der Gallerie zu Kassel


Goethe hat anjetzo das Portrait des Prinzen Constantin von Weimar; wenn er aber nicht weiß, auf was Art, und in wie kurzer Zeit es gemacht ist, so wird er keine gute Meinung von mir [Wilhelm Tischbein] haben. Ich habe es an Einem Tag gemacht .... Es war den Tag kaltes Regenwetter und der Himmel ganz grau; an so einem Tag ist es schlimm: man ist nicht sicher, ob man etwas von der Farbe ab- oder zugeben soll. Auch ist es schlimm, weil jeder Strich unveränderlich stehen bleiben muß: man versieht sich leicht; so lange das Tuch noch platt ist, ohne Vertiefungen, so scheint einem alles kleiner, und wenn es gemalt und mit Vertiefungen und Erhöhungen gemacht ist, so siehet man erst, daß einige Theile zu kurz oder zu lang sind, und man kann es nicht ändern, weil die Farben sonst schmutzig werden. Man hat auch keine Zeit, wenn man nicht mehr als Einen Tag arbeiten kann. Die Farben mit Einem Strich hinsetzen, ist die rechte Art; denn wenn man sie lange mit dem Pinsel hin und her treibt, so werden sie schmutzig und matt. Das ist auch Goethes Meinung; so ist mir erzählt, daß er es gesagt, als er die Kasselische Gallerie besah.


1779, 27. September. 

Mit Johanna Schlosser geb. Fahlmer 


Goethe sagte mir gleich eine halbe Stunde nach seiner Ankunft von Deinem [F. Jacobis] Briefe an ihn, den er in Frankfurt erhalten hätte, und was Du ihm darinnen vorwirfst, nämlich Dinge, die durch den Weg der schändlichen Klatscherei Dir endlich zu Ohren gekommen sind. Er erzählte offenherzig den ganzen Verlauf: daß er manche muthwillige Parodie – nicht geschrieben, aber mündlich über Deinen »Woldemar« geschwatzt habe. Sagte: so schöne Dinge, so viel großer, herrlicher Sinn auch darin sei, so könne er nun einmal für sich das, was man den Geruch dieses Buchs nennen möchte, (anders wisse er sich nicht auszudrücken) nicht leiden. Auch habe er – wie lieb Du ihm seist und wie ungerne er Dir etwas zu Leide sagen oder thun möchte, dem Kitzel nicht entgehen können, das Buch, zumal den Schluß desselben, sowie es ihm einmal aufgefallen sei, zu parodieren, nämlich, daß Woldemarn der Teufel hole. Man dürfe nur ein paar Zeilen ändern, so sei es unausbleiblich und nicht anders, als der Teufel müsse ihn da holen. Er sprach mit ganz arglosem Wesen davon und suchte mich zu bedeuten, was dergleichen launichtes Getreibe in ihm für eine abgesonderte Sache sei etc. Er schwur darauf, daß er wünschte, Du wärest mit zugegen gewesen; Du selber hättest mit eingeschlagen, muthwillig im Abstracten die Sache einmal zu nehmen. Nur möchte er sich nicht gerne schriftlich in dergleichen Explicationen einlassen, besonders nach dem, worauf Dein Brief gestellt wäre. Doch schriebe er Dir vielleicht, vielleicht noch bei mir. Ich bestand darauf, es sei Pflicht, er müsse; – das geschah nun freilich nicht. Indessen schien ihm Dein Verdruß über die Sache aufrichtig leid zu sein. Wie peinlich diese Neuigkeiten für mich waren, kannst Du denken. Goethe kann gut und brav, auch groß sein, nur in Liebe ist er nicht rein und dazu wirklich nicht groß genug. Er hat zu viele Mischungen in sich, die wirren, und da kann er die Seite, wo eigentlich Liebe ruht, nicht blank und eben lassen. Goethe ist nicht glücklich und kann schwerlich glücklich werden.


1779, September. 

Mit Johann Georg Forster 


Ich habe Goethen gesehen, aber nicht genug, um ihn zu kennen. Sein Freund Behrisch in Dessau hat mir seine ausgelassene Laune nicht verhehlt, ich aber habe ihn nicht darin gefunden. Hier [in Kassel] war er ernsthaft, machte wenig Worte, frug mich wegen der Südländer, über deren Einfalt er sich freute, und hörte die meiste Zeit zu, da mich der Herzog befragte, in dessen Gegenwart wir uns fast immer nur gesehen haben. Hätte ich vermuthen können, ja nur geahndet, daß Goethe Ihnen, mein Bester [Fritz Jacobi], so lieblos und ungerecht begegnen könnte, ich hätte doch auf meine und seine Worte besser achtgegeben. Allein ich habe auch nichts gemerkt, das Unbilligkeit gegen Sie verrathen hätte. Als ich Ihnen schrieb, wir hätten viel von Ihnen gesprochen, sollte ich eigentlich gesagt haben: ich habe viel von Ihnen gesprochen. Ich sprach von der Art, wie wir bekannt wurden, wie sich Ihr Herz mir öffnete, wie lange ich bei Ihnen blieb, und wie ungern ich Sie verließ. Es war, indem wir aus des Landgrafen Antiquitätensammlung in den Gasthof zurückgingen. Der Herzog war mit jemand anderem einige Schritte voraus. Goethe hörte mir mit Theilnehmung und in Gedanken zu. Ich erzählte, daß Sie mir aus »Woldemar« vorgelesen hätten und sagte, was mein Herz mir eingab. Ganz lakonisch gab er zuweilen ein »Ja!« drauf, welches meinem Urtheil seinen Beifall zu ertheilen schien. »Der erste Theil ist nunmehr erschienen,« sagte er. »Auch sind«, erwiederte ich, »vom zweiten Theile Bruchstücke im Museum erschienen.« – »Daß er doch nicht hat warten können!« rief er aus; »warum Bruchstücke? Konnt' er's nicht ersparen, bis der zweite Theil ganz fertig gewesen wäre?« – Ich sagte etwas Gleichgültiges dazu; mich dünkt, daß doch manchem die Stücke schon viel Freude gemacht hätten. Wir hatten eben den Gasthof erreicht. Er hatte nur noch Zeit, zu fragen, ob ich kürzlich Briefe gehabt und bald an Sie schreiben würde. Ich sollte Sie doch von ihm grüßen. Nun speisten wir mit dem Herzoge, und kaum war das Mittagsessen verzehrt, so fuhren sie ab. Fast sein Letztes war, den Gruß an Sie zu wiederholen. Er nannte Sie noch immer Fritz.


1779, 17. October. 

Mit Nikolaus Anton Kirchberger 

a.
Mit Goethe habe eine interessante Unterredung von 1 1/2 Stunden auf dem Lande ganz allein gehabt. Ich berührte einige von seinen Seiten, die mit den meinigen übereinstimmten, hierauf blitzte er mit eigenen Begriffen um sich her, die auf einander folgten wie Wetterleuchten an einem Sommerabend. Ich konnte ihm mein Herz über die wichtigsten Gegenstände öffnen. Er ist aber nur Goethe, wenn man ihn allein hat; bei seinem Fürsten ist er ein ganz anderer Mann.
                                                        b.
Goethe verursachte mir viel Vergnügen. Beim Anlaß meiner herzlichen Abneigung gegen die Berliner haben wir von Religion gesprochen; er ist über die gewöhnlichen Vorurtheile soweit hinweggesetzt daß er sogar eine besondere Hochachtung für Personen trägt, die vom gemeinen Haufen der Gelehrten und Ungelehrten verachtet sind, und die ich äußerst hochschätze. Wir sprachen auch von der Macht der menschlichen Seelen nicht nur in Rücksicht ihrer Größe, sondern infolge eines wirklichen Ausflusses, der in die Umstehenden auch ohne ein Wort zu sprechen wirkt. Hierüber war er zu meiner Verwunderung auch meiner Meinung, sodaß ich bei dieser Übereinstimmung, die ich wirklich in seinem Innersten antraf, ihm alle meine Gedanken aufschließen konnte. Er war auch so gefällig, mir seine Art mitzutheilen, wie er an einem Gegenstand arbeitet, wie außerordentlich lang er einen solchen in seinem Busen wärmt, bis er ihn der Welt darstellt. Dies ist auch das Mittel, um sein ganzes Zeitalter mit sich fortzureißen.


1779, November. 

Mit Johann Jacob Bodmer 


Gestern den 20. [So!] November ein wenig nach 9 Uhr bracht Lavater Weimarn und Goethen mit noch einem Edelmann zu mir. Der Herzog sagte gleich, daß er käme, den Vertrauten Homers zu begrüßen. Goethe küßte mich, fragend, ob ich Goethen noch kennte. Beide sagten mir viel Fleurettes über meinen Homer. Goethe: er sei ihr Reisegefährte; er habe die Odyssee ex professo auf dem Lemanischen See gelesen, sich mit Ulysses auf die Beschwerden in den Alpen und der glaciers zu stärken. Auf den Alpen habe er den Homer den Alpinern vorgelesen. Er [am Rand: Herr von Wedel, des Herzogs Günstling] lasse sich laut vorlesen. Erst itzt habe man ihn, und wisse, was er sei. Leute von allen Ständen und jedem Alter können ihn verstehen. Man müsse griechisch können, Stolbergs Homer zu verstehn.

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Stolbergs Ilias und die Abschrift des Gedichtes von den Nibelungen lagen auf meinem Pult. Ich sagte, Goethe möchte mir Zeugniß geben, daß ich in Stolbergs Ilias studirte; ich könnte ihm doch nur per intervalla lesen, er schlüge mich zurücke. Der Graf müsse mir dieses verzeihn, wie ich ihm verzeihe, wenn mein Homer ihn, oder er selbst diesen hinter sich würfe. Es sei natürlich, daß der meine ihn so wenig annehme [einnehme?] als der seine mich ..... Warum hat Klopstock sich nicht an Homer gemacht, der Mann war dafür nicht zu groß, der so klein war, für seine Zesianische Rechtschreibung in Enthusiasm zu kommen ..... Goethe sagte; Klopstock habe eine Buchdruckerei; er möchte durch seine chimärische Orthographie die schon gedruckten Bücher unnütze machen, damit er sagen könne, er drucke nur ungedruckte Bücher. Lavater sagte, Klopstock sollte die Pension von dem Markgrafen nicht mehr annehmen, nachdem er nicht in Karlsruhe leben wollte. Goethe mit einiger Wärme: er wäre so gewohnt genug, daß man Pensionen in der Entfernung nehme. Der Markgraf habe Klopstock mit Etiquette und mit Aufwartungsdiensten excedirt, daß es jedem braven Mann unausstehlich sein würde. Er verwunderte sich, da wir ihm sagten, daß Klopstock ein Verlangen habe, ein Bürger in Zürich zu werden ..... Dann bat ich den Herzog, daß er Veldigs Eneas, der in der Sachsen-Gothaischen Bibliothek liegt, vor dem Untergange retten möchte. Lavater schrieb es auf Goethens Tabletten ..... Ich klagte über die Barbarei der Abtei S. Gallen, und Goethe erzählte mit Wärme von einem Griechen, der gewußt habe, daß in einer Klosterbibliothek eine alte griechische membrana lag, die Bücher seien in einem Chaos gelegen, mit Noth haben die Mönche ihm erlaubt, sie zu erlesen, aufzu stellen und zu katalogisiren. Und so habe er den Code aufgespürt. Als wir standen, stellte Lavater Goethe vor mich und sagte, ich sollte die Augenbraunen, die Stirne, den Mund (alles in seinen Kunstwörtern) begucken, ob ich darin nicht einen bösen Menschen erblicke. Ich gab die Antwort: ich sehe da nichts Fürchterliches, ich hielt ihn doch für tapfer und ich freute mich, den tapfern Mann zum Freunde zu haben. Zuweilen geschähen mir Unfugen, die mir einen Beschützer nothwendig machten. Goethe solle mein Ritter sein. Der Herzog redete viel, ganz sanft und vertraulicher, als einer unsrer Zunftmeister, Goethe weniger und ernsthaft ..... Ich sagte zu Lavater, er würde sie doch auch zu Herrn Chorherr Geßner führen. Goethe fuhr auf: Zu Geßner! Lavater: nicht zu dem Poeten, zu dem Physikus. Von der »Noachide«, der »Kalliope« ward kein Wort gehört. Das verdroß mich ein wenig, doch machte es mir den Geschmack dieser Herren verdächtig. Ich habe ihnen auch gesagt, daß ich viel Tinte vergossen habe, doch nicht in der ersten Begierde nach großem Namen, mehr zur Beschäftigung; man habe in achtzig Jahren viele unbeschäftigte Stunden. Also hab ich meinen Lohn empfangen. Wenn meine Werke doch nützten oder belustigten hab ich keine hörnerne Fibern, daß es mir nicht Freude mache. Es war nicht weit von 11 Uhr, als sie von mir schieden. Sie gingen in der Fortification nach dem Wolfbache. Abends desselben Tages schickte ich Hrn. Lavater ihnen zu übergeben: Apollons »Argonautica« dem Herzog; die »literarischen Nachrichten« und »Evadnen« und »Kreusa« Goethen. Auch erwähnte dieser nicht mit einer Silbe der politischen Dramen, die ich ihm im Sommer 1776 zugefertigt hatte.


1779, 13.-15. December. 

Mit Israel Hartmann 

a.
Denken Sie! den 13. December 1779 ging ich nach Stuttgart und traf bei meinem Vetter [Hof- und Domänenrath Georg Hartmann] den Hn. Geheimerath Goethe von Weimar, der eben von Zürich gekommen war. Über eine Stunde sprach ich mit ihm. Er sagte von Lavaters unermüdeter Thätigkeit: Wenn der Tag [mehr als?] 24 Stunden hatte, er wirkte in einem fort. Am 15. kam Goethe auch mit seinem Herzog nach Ludwigsburg und noch des Nachts in mein Waisenhaus. In meiner Schule stellte er mich dem Herzog vor als des verstorbenen Professor Hartmanns Vater. Goethe freute sich über meinen kleinen Immanuel Israel, von dem er meinte, er habe einen Professorenkopf.
b.
Wir redeten von Hahn und seinen Werken. Goethe war sehr begierig, Hahn zu sehen und zu sprechen. Beim Abschied war er herzlich, bot mir, da ich ihm die Hand küßte, das Gesicht, küßte mich – ich ihn.

779, 22. December. 
Mit Auggust Wilhelm Iffland


Den 21. kamen Goethe und der Herzog von Weimar hier [in Mannheim] an. Sie sahen »Die Ehescheuen«. Den 22. war Goethe zu Ehren freier Eingang für jedermann und »Clavigo«. Er ließ um 4 Uhr vor der Komödie mich zu sich bitten. »Liegt Ihnen etwas daran« – so sagte er – »so versichere ich Ihnen meine ganze Bewunderung. Mit so viel Wahrheit und Delicatesse sah ich seit Ekhof nicht spielen. Folgen sie meinem Rath: spielen Sie entweder oder: immer das Äußerste, das niedrigst Komische und höchste Tragische. Es ist ein odieuser Kerl, der einmal Zeug zu was Außerordentlichem hat, und bleibt im Mittel, Uff!« – und dabei spannte er jede Nerve – »hinauf! hinauf! oder ganz im Drecke. Bei Gott! ich wundere mich, daß Sie so jung sind und Resignation genug haben, Alte zu spielen. Wenn ich vierzehn Tage dabliebe wollte ich Ihretwegen den ›Eid‹ von Corneille umarbeiten, so gefallen Sie mir. Adieu! Ich empfehle Ihnen den ›Carlos‹.« – Ich sprach ihn den Tag nach »Clavigo« bei Herrn von Dalberg, und er war mit meinem Carlos sehr zufrieden. Ein bischen zu geschwinde wäre ich gewesen, meinte er. Den 23. sahe er den Baron Abslut in den »Nebenbuhlern« von mir. Nach der Vorstellung kam der Herzog und Goethe auf das Theater; der Herzog sagte mir sowie Goethe viel Schönes. »Gehen Sie stracks fort auf Ihrer Bahn; Sie sind den Beifall werth, den Sie überall erhalten müssen. Adieu! Adieu!« Hier gab er mir die Hand. »Leben Sie glücklich! Denken Sie zuweilen an Goethe: er hat Sie lieb.« – Daß ich mir vor Freude hätte einen Rausch trinken mögen, kannst Du denken. Goethe, Goethe sagte mir das! – Eine Anekdote! Es war eine Seitenthür auf dem Theater, durch die der Herzog und sein Gefolge vom Theater ging. Goethe – als ob er mechanisch überall Original wäre, ging schnell hinein und kam eher wie der Herzog. In der Art, mit der er es that, steckte das Sonderbare ..... Goethe hat einen Adlerblick, der nicht zu ertragen ist. Wenn er die Augenbrauen in die Höhe zieht ist's, als ginge der Hirnknochen mit.

1779 oder 1780. 
Mit Carl Ludwig von Knebel 


Knebel versicherte, das Lob, das Goethe dem »Oberon« ertheilt habe, sei aufrichtig gewesen. Aber vor »Nathan dem Weisen« sei er ordentlich prosterniert. Er werde nicht müde, ihn als das höchste Meisterstück menschlicher Kunst zu bewundern und zu preisen. Lessing selbst hatte mir schon gesagt, daß man ihm von Weimar aus große Complimente über sein Stück gemacht.

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