> Gedichte und Zitate für alle: Woldemar von Biedermann : Gespräche Goethes 1784 (14)

2019-09-27

Woldemar von Biedermann : Gespräche Goethes 1784 (14)





1784









1784, September.
Mit Friedrich Heinrich Jacobi


Am 25. kam nun auch Claudius. Aber Sie, liebe Amalia [Fürstin Gallitzin], kamen nicht. Nach mir und meiner Schwester trauerte niemand mehr darüber als Goethe. Er hatte über ihren großen Schattenriß eine unsägliche Freude. Mein Vorsatz war, ihn nur eine Copie davon nehmen zu lassen; aber er eignete ihn sich so eifrig zu, daß ich unmöglich dagegen an konnte. Von der vornehmen Gesellschaft haben wir uns nicht stören lassen. »Ich weiß wohl, sagte Goethe, daß man, um die dehors zu salviren, das dedans zu Grunde richten soll; aber ich kann mich denn doch nicht wohl dazu verstehen.« –


1784, September. 
Mit Friedrich Heinrich Jacobi 


Ich erinnere mich, daß ich in einer gemischten Gesellschaft einmal die Frage aufwerfen hörte: wie das menschliche Geschlecht wohl möchte fortgepflanzt worden sein, wenn der Sündenfall nicht eingetreten wäre? Goethe antwortete schnell: ohne Zweifel durch einen vernünftigen Discurs.

[Vgl. Goethes Distichon »Vergebliches Geschwätz.]


Entwurf zum Grabdenkmal für die
erstgeborenen Töchter des herzoglichen
Paares Carl August und Luise.1

Goethe .... hatte den Kunstgeist des Herrn Klauer mit zwei allerliebsten Gedanken zu halberhabener Arbeit beseelt, da er ihm zwei Denkmäler für die frühverstorbenen Prinzessinnen von Weimar angab, von welchen die erste2 , die nur einige Stunden lebte, als ein holdes, von einem Engel auf die Erde gebrachtes, schnell zurückeilendes Wesen erscheint, dessen liebreicher Führer im Vorbeischweben den Schleier, welcher den ausblühenden Engel deckt, ein wenig emporhält, um sie den Sterblichen einige Augenblicke zu zeigen, die zweite, älter gewordene aber in dem Moment, wo sie, vor der Erdkugel stehend, das weimarische Land betrachtet, von der ersten, welche aus den Wolken hervortritt, bei der Hand gefaßt, von dieser Aufmerksamkeit abgezogen wird, sie aber ihrer himmlischen Schwester, mit dem Finger auf Weimar deutend, die andre Hand darreicht.

1 Die älteste Prinzeß, Luise Auguste Amalia, war geboren am 3. Februar 1779 und starb am 24. März 1784; die zweite wurde am 10. September 1781 geboren und starb demselben Tag.

2 Nach Vorstehendem muß es oben anstatt »erste« heißen »zweite«, und anstatt »zweite« vielmehr »erste«.




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