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2019-10-30

Bettina Arnim: Goethes Briefwechsel mit einem Kinde (13)




An Bettine
3. August 1808

Ich muß ganz darauf verzichten, Dir zu antworten, liebe Bettine; Du läßt ein ganzes Bilderbuch herrlicher, allerliebster Vorstellungen zierlich durch die Finger laufen; man erkennt im Flug die Schätze, und man weiß, was man hat, noch eh man sich des Inhalts bemächtigen kann. Die besten Stunden benütze ich dazu, um näher mit ihnen vertraut zu werden, und ermutige mich, die elektrischen Schläge Deiner Begeistrungen auszuhalten. In diesem Augenblick hab ich kaum die erste Hälfte Deines Briefs gelesen und bin zu bewegt, um fortzufahren. Habe einstweilen Dank für alles; verkünde ungestört und unbekümmert Deine Evangelien und Glaubensartikel von den Höhen des Rheins, und laß Deine Psalmen herabströmen zu mir und den Fischen; wundre Dich aber nicht, daß ich, wie diese verstumme. Um eines bitte ich Dich: höre nicht auf, mir gern zu schreiben; ich werde nie aufhören, Dich mit Lust zu lesen.

Was Dir Schlosser über mich mitgeteilt hat, verleitet Dich zu sehr interessanten Exkursionen aus dem Naturleben in das Gebiet der Kunst. Daß Musik mir ein noch rätselhafter Gegenstand schwieriger Untersuchung ist, leugne ich nicht; ob ich mir den harten Ausspruch des Missionärs, wie Du ihn nennst, muß gefallen lassen, das wird sich erst dann erweisen, wenn die Liebe zu ihr, die jetzt mich zu wahrhaft abstrakten Studien bewegt, nicht mehr beharrt. Du hast zwar flammende Fackeln und Feuerbecken ausgestellt in der Finsternis, aber bis jetzt blenden sie mehr, als sie erleuchten, indessen erwarte ich doch von der ganzen Illumination einen herrlichen Totaleffekt, so bleibe nur dabei und sprühe nach allen Seiten hin.

Da ich nun heute bis zum Amen Deiner reichen inhaltsvollen Blätter gekommen bin, so möchte ich Dir schließlich nur mit einem Wort den Genuß ausdrücken, der mir daraus erwächst, und Dich bitten, daß Du mir ja das Thema über Musik nicht fallen läßt, sondern vielmehr nach allen Seiten hin und auf alle Weise variierst. Und so sage ich Dir ein herzliches Lebewohl; bleibe mir gut, bis günstige Sterne uns zueinander führen.

An Goethe
Rochusberg

Fünf Tage waren wir unterwegs, und seitdem hat es unaufhörlich geregnet. Das ganze Haus voll Gäste, kein Eckchen, wo man sich der Einsamkeit hätte freuen können, um Dir zu schreiben.

Solang ich Dir noch zu sagen habe, so lang glaub ich auch fest, daß Dein Geist auf mich gerichtet ist wie auf so manche Rätsel der Natur; wie ich denn glaube, daß jeder Mensch ein solches Rätsel ist, und daß es die Aufgabe der Liebe ist zwischen Freunden, das Rätsel aufzulösen; so daß ein jeder seine tiefere Natur durch und in dem Freund kennenlerne. Ja Liebster, das macht mich glücklich, daß sich allmählich mein Leben durch Dich entwickelt, drum möcht ich auch nicht falsch sein, lieber möcht ich's dulden, daß alle Fehler und Schwächen von Dir gewußt wären, als Dir einen falschen Begriff von mir geben; weil dann Deine Liebe nicht mit mir beschäftigt sein würde, sondern mit einem Wahnbild, was ich Dir statt meiner untergeschoben hätte. Darum mahnt mich auch oft ein Gefühl, daß ich dies oder jenes Dir zulieb meiden soll, weil ich es doch vor Dir leugnen würde.

Lieber Goethe, ich muß Dir die tiefsten Sachen sagen; sie kommen eigentlich allen Menschen zu, aber nur Du hörst mich an und glaubst an mich und gibst mir in der Stille recht. Ich habe oft darüber nachgedacht, daß der Geist nicht kann, was er will, daß eine geheime Sehnsucht in ihm verborgen liegt, und daß er die nicht befriedigen kann; zum Beispiel, daß ich eine große Sehnsucht habe bei Dir zu sein, und daß ich doch nicht, wenn ich auch noch so sehr an Dich denke, Dir dies fühlbar machen kann; ich glaube, es kommt daher, weil der Geist wirklich nicht im Reich der Wahrheit lebt und er also sein eigentliches Leben noch nicht wahrmachen kann, bis er ganz aus der Lüge heraus in das Reich der Offenbarung übergegangen ist; denn die Wahrheit ist ja nur Offenbarung, und dann wird sich ein Geist auch dem andern zu offenbaren vermögen. Ich möchte Dir noch anderes sagen, aber es ist schwer, mich befällt Unruh, und ich weiß nicht wohin ich mich wenden soll; ja, im ersten Augenblick ist alles reich, aber will ich's mit dem Wort anfassen, da ist alles verschwunden, so wie im Märchen, wo man einen kostbaren Schatz findet, in dem man alle Kleinode deutlich erkennt, will man ihn berühren, so versinkt er, und das beweist mir auch, daß der Geist hier auf Erden das Schöne nur träumt und noch nicht seiner Meister ist, denn sonst könnte er fliegen, so gut wie er denkt, daß er fliegen möchte. Ach wir sind soweit voneinander! Welche Tür ich auch öffne und sehe die Menschen beisammen, Du bist nicht unter ihnen; ich weiß es ja, noch eh ich öffne, und doch muß ich mich erst überzeugen und empfinde die Schmerzen eines Getäuschten; sollte ich Dir nun auch noch meine Seele verbergen? oder das, was ich zu sagen habe, einhüllen in Gewand, weil ich mich schäme der verzagten Ahnungen? Soll ich nicht das Zutrauen in Dich haben, daß Du das Leben liebst, wenn es auch noch unbehilflich der Pflege bedarf, bis es seinen Geist mitteilen kann? Ich habe mir große Mühe gegeben mich zu sammeln und mich selbst auszusprechen; ich hab mich vor dem Sonnenlicht versteckt, und in dunkler Nacht, wo kein Stern leuchtet und die Winde brausen, da bin ich in die Finsternis hinaus und hab mich fortgeschlichen bis zum Ufer; da war es immer noch nicht einsam genug, da störten mich die Wellen, das Rauschen im Gras, und wenn ich in die dichte Finsternis hineinstarrte und die Wolken sich teilten, daß sich die Sterne zeigten, da hüllte ich mich in den Mantel und legte das Gesicht an die Erde, um ganz, ganz allein zu sein; das stärkte mich, daß ich freier war, da regte es mich an, das, was vielleicht keiner beachtet, zu beachten; da besann ich mich, ob ich denn wirklich mit Dir spreche, oder ob ich nur mich von Dir hören lasse? Ach Goethe! Musik, ja Musik! Hier kommen wir wieder auf das heilige Kapitel, da hören wir auch zu, aber wir sprechen nicht mit, aber wir hören, wie sie untereinander sprechen, und das erschüttert uns, das ergreift uns; ja sie sprechen untereinander, wir hören und empfinden, daß sie eins werden im Gespräch. Drum, das wahre Sprechen ist eine Harmonie, ohne Scheidung alles in sich vereint; wenn ich Dir die Wahrheit sage, so muß Deine Seele in meine überfließen, das glaub ich.

Wo kommen sie her, diese Geister der Musik? Aus des Menschen Brust; er schaut sich selber an, der Meister; das ist die Gewalt, die den Geist zitiert. Er steigt hervor aus unendlicher Tiefe des Inneren, und sie sehen sich scharf an, der Meister und der Geist, das ist die Begeistrung; so sieht der göttliche Geist die Natur an, davon sie blüht. Da blühen Geister aus dem Geist; sie umschlingen einander, sie strömen aus, sie trinken einander, sie gebären einander; ihr Tanz ist Form, Gebild; wir sehen sie nicht wir empfinden's und unterwerfen uns seiner himmlischen Gewalt; und indem wir dies tun, erleiden wir eine Einwirkung, die uns heilt. Das ist Musik.

O, glaub gewiß, daß wahre Musik übermenschlich ist. Der Meister fordert das Unmögliche von den Geistern, die ihm unterworfen sind, und siehe, es ist möglich, sie leisten es. An Zauberei ist nicht zu zweifeln, nur muß man glauben, daß das Übermächtige auch im Reich der Übermacht geleistet werde, und daß das Höchste von der Ahnung, von dem Streben desjenigen abhänge, dem die Geister sich neigen. Wer das Göttliche will, dem werden sie Göttliches leisten. Was ist aber das Göttliche? Das ewige Opfer des menschlichen Herzens an die Gottheit: dies Opfer geht hier geistigerweise vor; und wenn es der Meister auch leugnet, oder nicht ahnt, es ist doch wahr. Erfaßt er eine Melodie, so ahnet er schon ihre Vollkommenheit, und das Herz unterwirft sich einer strengen Prüfung, es läßt sich alles gefallen, um dem Göttlichen näherzukommen; je höher es steigt, je seliger; und das ist das Verdienst des Meisters, daß er sich gefallen lasse, daß die Geister auf ihn eindringen, ihm nehmen, sein Ganzes vernichten, daß er ihnen gehorcht, das Höhere zu suchen unter ewigen Schmerzen der Begeistrung. Wo ich das alles, und einzig, was ich gehört habe, war Musik. Wie ich aus dem Kloster kam nach Offenbach, da lag ich im Garten auf dem Rasen und hörte Salieri und Winter, Mozart und Cherubini, Haydn und Beethoven. Das alles umschwärmte mich; ich begriff's weder mit den Ohren noch mit dem Verstand, aber ich fühlte es doch, während ich alles andre im Leben nicht fühlte; das heißt, der innere, höhere Mensch fühlt es; und schon damals fragte ich mich: »Wer ist das, der da gespeist und getränkt wird durch Musik, und was ist das, was da wächst und sich nährt, pflegt und selbsttätig wird durch sie?« Denn ich fühlte eine Bewegung zum Handeln; ich wußte aber nicht, was ich ergreifen sollte. Oft dachte ich, ich müsse mit fliegender Fahne voranziehen den Völkern; ich würde sie auf Höhen führen über den Feind, und dann müßten sie auf mein Geheiß, auf meinen Wink hinunterbrausen ins Tal und siegend sich verbreiten. Da sah ich die roten und weißen Fähnlein fliegen und den Pulverdampf in den sonneblendenden Gefilden; da sah ich sie heransprengen im Galopp die Siegesboten, mich umringen und mir zujauchzen; da sah und fühlte ich, wie der Geist in der Begeistrung sich löst und zum Himmel aufschwingt; die Helden, an den Wunden verblutend, zerschmettert, selig aufschreiend im Tod, ja und ich selbst hab es mit erlebt, denn ich fühlte mich auch verwundet und fühlte, wie der Geist Abschied nahm, gern noch verweilt hätte unter den Palmen der Siegesgöttin und doch, da sie ihn enthob, auch gern sich mit ihr aufschwang. Ja, so hab ich's erlebt und anderes noch: wo ich mich einsam fühlte, in tiefe wilde Schluchten sah, nicht tief untief; unendliche Berge über mir, ahnend die Gegenwart der Geister. Ja, ich nahm mich zusammen und sagte: »Kommt nur, ihr Geister, kommt nur heran; weil ihr göttlich seid und höher als ich, so will ich mich nicht wehren.« Da hörte ich aus dem unsäglichen Gebraus der Stimmen die Geister sich losreißen; sie wichen voneinander ich sah sie aus der Ferne in glänzendem Fluge mir nahen; durch die himmlische blaue Luft verdufteten sie ihre silberne Weisheit, und sie neigten sich in den Felsensaal herab und strömten Licht über die schwarzen Abgründe, daß alles sichtbar war. Da sprangen die Wellen in Blumen in die Höhe und umtanzten sie, und ihr Nahen, ihr ganzes Sprechen war ein Eindringen ihrer Schönheit auf mich, daß meine Augen sie kaum faßten mit allem Beistand des Geistes und das war ihre ganze Wirkung auf mich.

O Goethe! Ich könnte Dir noch viele Gesichte mitteilen; ja ich glaub's, daß Orpheus sich umringt sah von den wilden Tieren, die in süßer Wehmut aufstöhnten mit den Seufzern seines Gesangs; ich glaub's daß die Bäume und Felsen sich nahten und neue Gruppen und Wälder bildeten, denn auch ich hab's erlebt; ich sah Säulen emporsteigen und wunderbares Gebälk tragen, auf dem sich schöne Jünglinge wiegten; ich sah Hallen, in denen erhabene Götterbilder aufgestellt waren; wunderbare Gebäude, deren Glanz den Blick des stolzen Auges brachen; deren Galerien Tempel waren, in denen Priesterinnen mit goldnen Opfergeräten wandelten und die Säulen mit Blumen schmückten, und deren Zinnen von Adlern und Schwanen umkreist waren; ich sah diese ungeheuren Architekturen mit der Nacht sich vermählen, die elfenbeinernen Türme mit ihren diamantnen Lazuren im Abendrot schmelzen und über die Sterne hinausragen, die im kalten Blau der Nacht wie gesammelte Heere dahinflogen und, tanzend im Takt der Musik und um die Geister sich schwingend, Kreise bildeten. Da hörte ich in den fernen Wäldern das Seufzen der Tiere um Erlösung; und was schwärmte alles noch vor meinem Blick und in meinem Wahn. Was glaubte ich tun zu müssen und zu können; welche Gelübde hab ich den Geistern ausgesprochen; alles, was sie verlangten, hab ich auf ewig und ewig gelobt. Ach Goethe, das alles hab ich erlebt in dem grünen goldgeblümten Gras. Da lag ich in der Spielstunde und hatte die feine Leinwand über mich gebreitet, die man da bleichte, ich hörte oder fühlte mich vielmehr getragen und umbraust von diesen unaussprechlichen Symphonien, die keiner deuten kann; da kamen sie und begossen die Leinwand; und ich blieb liegen und fühlte die Glut behaglich abgekühlt. Du wirst gewiß auch ähnliches erlebt haben; diese Fieberreize, ins Paradies der Phantasie aufzusteigen, haben Dich auf irgendeine Weise durchdrungen; sie durchglühen die Natur, die wieder erkaltet etwas anders geworden, zu etwas anderm befähigt ist. An Dich haben die Geister Hand gelegt, in's unsterbliche Feuer gehalten; und das war Musik; ob Du sie verstehst, oder empfindest; ob Unruhe oder Ruhe Dich befällt; ob Du jauchzest oder tief trauerst; ob Dein Geist Freiheit atmet oder seine Fesseln empfindet; es ist immer die Geisterbasis des Übermenschlichen in Dir. Wenn auch weder die Terz noch die Quint Dir ein Licht aufstecken, wenn sie nicht so gnädig sind, sich von Dir beschauen und befühlen zu lassen, so ist es bloß, weil Du durchgegangen bist durch ihre Heiligung, weil die Sinne, gereift an ihrem Licht, schon wieder die goldnen Fruchtkörner zur Saat ausspreuen. Ja, Deine Lieder sind die süßen Früchte, ihres Balsams voll. Balsam strömt in Deiner dithyrambischen Wollust! Schon sind's nicht mehr Töne es sind ganze Geschlechter in Deinen Gedichten, die ihre Gewalt tragen und verbreiten. Ja, das glaub ich gewiß, daß Musik jede echte Kunsterscheinung bildet und sich freut, in Dir so rein wiedergeboren zu sein. Kümmere Dich nicht um die leeren Eierschalen, aus denen die flügge gewordenen Geister entschlüpft sind; nicht um die Terz und die Quint und um die ganze Basen- und Vetterschaft der Dur- und Mollton- arten, Dir sind sie selber verwandt; Du bist mitten unter ihnen. Das Kind fragt nicht unter den Seinigen: »Wer sind diese, und wie kommen sie zueinander?« Es fühlt das ewige Gesetz der Liebe, das es allen verbindet. Und dann muß ich Dir auch noch eins sagen: Komponisten sind keine Maurer, die Steine aufeinanderbacken, den Rauchfang nicht vergessen, die Treppe nicht, nicht den Dachstuhl, und die Tür nicht, wo sie wieder herausschlüpfen können, und glauben, sie haben ein Haus gebaut. Das sind mir keine Komponisten, die Deinen Liedern ein artig Gewand zuschneiden, das hinten und vorne lang genug ist. O Deine Lieder, die durchs Herz brechen mit ihrer Melodie; wie ich vor zehn Tagen da oben saß auf dem Rheinfels, und der Wind die starken Eichen bog, daß sie krachten, und sie sausten und brausten im Sturm, und ihr Laub, getragen vom Wind, tanzte über den Wellen. Da hab ich's gewagt zu singen; da war's keine Tonart da war's kein Übergang da war's kein Malen der Gefühle oder Gedanken, was so gewaltig mit in die Natur einstimmte: es war der Drang eins mit ihr zu sein. Da hab ich's wohl empfunden, wie Musik Deinem Genius einwohnt! Der hat sich mir gezeigt, schwebend über den Wassern, und hat mir's eingeschärft, daß Dich ich liebe. Ach Goethe, laß Dir keine Liedchen vorlallen und glaube nicht, Du müßtest sie verstehen und würdigen lernen; ergib Dich auf Gnad und Ungnad; leide in Gottesnamen Schiffbruch mit Deinem Begriff; was willst Du alles Göttliche ordnen und verstehen, wo's her kommt und hin will? Siehst Du, so schreib ich, wenn ich zügellos bin und nicht danach frage, ob's der Verstand billigt. Ich weiß nicht, ob es Wahrheit ist; mehr als das, was ich prüfe; aber so möcht ich lieber schreiben, ohne zu befürchten, daß Du wie andre mich schweigen hießest; was könnt ich Dir alles sagen, wenn ich mich nicht besinnen wollte! Bald würde ich Herr werden, und nichts sollte sich mir verbergen, was ich halten wollte mit dem Geist, und wenn Du einstimmtest und neigtest Dich meinem Willen, wie der Septakkord sich der Auflösung entgegendrängt, dann wär's, wie die Liebe es will.

Rochusberg

Ich kann oft vor Lust, daß jetzt die selige einsame Stunde dazu ist, nicht zum Schreiben kommen. Hier oben, im goldnen Sommer an die goldne Zukunft denken, denn das ist meine Zukunft: Dich wiedersehen; schon von dem Augenblick an, wo Du mir die Hand zum Abschied reichst und zu verstehen gibst, es sei genug der Zärtlichkeit, da wende ich in Gedanken schon wieder um zu Dir. Darum lache ich auch mit dem einen Auge, während ich mit dem andern weine.

Wie selig, also Dich zu denken, wie geschwätzig wird meine Seele in jedem kleinen Ereignis, aus dem sie hofft, den Schatz zu heben.

Mein erster Gang war hier herauf, wo ich Dir den letzten Brief schrieb, ehe wir reisten. Ich wollte sehen, ob mein Tintenfaß noch da sei und meine kleine Mappe mit Papier. Alles noch an Ort und Stelle; ach Goethe, ich habe Deine Briefe so lieb, ich habe sie eingehüllt in ein seidnes Tuch mit bunten Blumen und goldnem Zierat gestickt. Am letzten Tag vor unserer Rheinreise, da wußte ich nicht wohin mit, mitnehmen wollte ich sie nicht, da wir allesamt nur einen Mantelsack hatten; in meinem Zimmerchen, das ich nicht verschließen konnte, weil es gebraucht wurde, mochte ich sie auch nicht lassen, ich dachte, der Nachen könnte versinken und ich versaufen, und dann würden diese Briefe, deren einer um den andern an meinem Herzen gelegen hat, in fremde Hand kommen. Erst wollte ich sie den Nonnen in Vollratz aufzuheben geben; es sind Bernhardinerinnen, die, aus dem Kloster vertrieben, jetzt dort wohnen, nachher hab ich's anders überlegt. Das letztemal habe ich hier auf dem Berg einen Ort gefunden; unter dem Beichtstuhl der Rochuskapelle, der noch steht, in dem ich auch immer meine Schreibereien verwahre, hab ich eine kleine Höhle gegraben und hab sie inwendig mit Muscheln vom Rhein und wunderschönen kleinen Kieselsteinchen ausgemauert, die ich auf dem Berge fand; da hab ich sie in ihrer seidnen Umhüllung hineingelegt und eine Distel vor die Stelle gepflanzt, deren Wurzel ich sorgfältig mitsamt der Erde ausgestochen. Unterwegs war mir oft bange; welcher Schlag hätte mich getroffen, hätte ich sie nicht wiedergefunden, mir steht das Herz still; sieben Tage war schlecht Wetter nach unserer Heimkehr; es war nicht möglich, hinüberzukommen; der Rhein ist um drei Fuß gestiegen und ganz verödet von Nachen; ach, wie hab ich's verwünscht, daß ich sie da oben hingebracht hatte; keinem mocht ich's sagen, aber die Ungeduld hinüberzukommen! Ich hatte Fieber aus Angst um meine Briefe, ich konnte mir ja erwarten, der Regen würde irgendwo durchgedrungen sein und sie verderben; ach, sie haben auch ein bißchen Wassernot gelitten, aber nur ganz wenig, ich war so froh, wie ich von weitem die Distel blühen sah, da hab ich sie denn ausgegraben und in die Sonne gelegt; sie sind gleich trocken, und ich nehm sie mit. Die Distel hab ich zum ewigen Andenken wieder festgepflanzt. Nun muß ich Dir auch erzählen, was ich hier oben für eine neue Einrichtung gefunden, nämlich oben im Beichtstuhl ein Brett befestigt und darauf einen kleinen viereckigen Bienenkorb. Die Bienen waren ganz matt und saßen auf dem Brettchen und an dem Korb. Nun muß ich Dir aus dem Kloster erzählen. Da war eine Nonne, die hieß man Mere celatrice, die hatte mich an sich gewöhnt, daß ich ihr alle Geschäfte besorgen half. Hatten wir den Wein im Keller gepflegt, so sahen wir nach den Bienen; denn sie war Bienenmutter, und das war ein ganz bedeutendes Amt. Im Winter wurden sie von ihr gefüttert, die Bienen saugten aus ihrer Hand süßes Bier. Im Sommer hingen sie sich an ihren Schleier, wenn sie im Garten ging, und sie behauptete, von ihnen gekannt und geliebt zu sein. Damals hatte ich große Neigung zu diesen Tierchen. Die Mere celatrice sagte, vor allem müsse man die Furcht überwinden, und wenn eine stechen wolle, so müsse man nicht zucken, dann würden sie nie stark stechen. Das hat mich große Überwindung gekostet, nachdem ich den festen Vorsatz gefaßt hatte, mitten unter den schwärmenden Bienen ruhig zu sein, befiel mich die Furcht, ich lief, und der ganze Schwarm mir nach. Endlich hab ich's doch gelernt, es hat mir tausend Freude gemacht, oft hab ich ihnen einen Besuch gemacht und einen duftenden Strauß hingehalten, auf den sie sich setzten. Den kleinen Bienengarten hab ich gepflegt, und die gewürzigen dunklen Nelken besonders hab ich hineingepflanzt. Die alte Nonne tat mir auch den Gefallen, zu behaupten, daß man alle Blumen, die ich gepflanzt hatte, aus dem Honig herausschmecke. So lehrte sie mich auch, daß, wenn die Bienen erstarrt waren, sie wieder beleben. Sie rieb sich die Hand mit Nesseln und mit einem duftenden Kräutchen, welches man Katzenstieg nennt, machte den großen Schieber des Bienenhauses auf und steckte die Hand hinein. Da setzten sie sich alle auf die Hand und wärmten sich, das hab ich oft auch mitgemacht; da steckte die kleine Hand und die große Hand im Bienenkorb. Jetzt wollt ich's auch probieren, aber ich hatte nicht mehr das Herz; siehst Du, so verliert man seine Unschuld und die hohen Gaben, die man durch sie hat.

Bald hab ich auch den Eigentümer des Korbes kennen lernen; indem ich am mitten Berg lag, um im Schatten ein wenig zu faulenzen, hört ich ein Getrappel im Traumschlummer, das war die Binger Schafherde nebst Hund und Schäfer; er sah auch gleich nach seinem Bienenkorb; er sagte mir, daß er noch eine Weile hier weide, da hab ihm der volle blühende Thymian und das warme sonnige Plätzchen so wohl gefallen, daß er den Schwarm junger Bienen hier herauf gepflanzt habe, damit sie sich recht wohl befinden, wenn sie sich dann mehren sollten und den ganzen gegitterten Beichtstuhl einnehmen, wenn er übers Jahr wiederkäme, so solle es ihm recht lieb sein.

Der Schäfer ist ein alter Mann; er hat einen langen grauen Schnurrbart, er war Soldat und erzählte mir allerlei von den Kriegsszenen und von der früheren Zeit; dabei pfiff er seinem Hund, der ihm die Herde regierte. Von verschiedenen Berggeistern erzählte er auch, das glaube er alles nicht, aber auf der Ingelheimer Höhe, wo noch Ruinen von dem großen Kaisersaal stehen, da sei es nicht geheuer; er habe selbst auf der Heide im Mondschein einen Mann begegnet, ganz in Stahl gekleidet, dem sei ein Löwe gefolgt; und da der Löwe Menschen gewittert, so habe er fürchterlich geheult; da habe der Ritter sich umgekehrt, mit dem Finger gedroht und gerufen: »Bis stille, frevelicher Hund!« da sei der Löwe verstummt und habe dem Mann die Füße geleckt. Der Schäfer erzählte mir dies mit besonderm Schauer, und ich schauderte zum Pläsier ein klein bißchen mit; ich sagte: »Ich glaube wohl, daß ein frommer Schäfer sich vor dem Hüter eines Löwen fürchten muß.« »Was?« sagte er, »ich war damals kein Schäfer, sondern Soldat und auch gar nicht besonders fromm; ich freite um ein Schätzchen und war herübergegangen nach Ingelheim um Mitternacht, um Tür und Riegel zu zwingen; aber in der Nacht ging ich nicht weiter; ich kehrte um.« »Nun«, fragt ich, »Euer Schätzchen, das hat wohl umsonst auf Euch gewartet?« »Ja«, sagte er, »wo Geister sich einmischen, da muß der Mensch dahinten bleiben.« Ich meinte, wenn man liebe, brauche man sich vor Geistern nicht zu fürchten und könne sich grade dann für ihresgleichen achten; denn die Nacht ist zwar keines Menschen Freund, aber des Liebenden Freund ist sie.

Ich fragte den Schäfer, wie er sich bei seinem einsamen Geschäft die Zeit vertreibe in den langen Tagen; er ging den Berg hinauf, die ganze Herde hinter ihm drein, über mich hinaus, er kam wieder, die Herde nahm wieder keinen Umweg; er zeigte mir eine schöne Schalmei so nannte er ein Hautbois mit silbernen Klappen und Elfenbein zierlich eingelegt; er sagte: »Die hat mir ein Franzose geschenkt, darauf kann ich blasen, daß man es eine Stunde weit hört; wenn ich hier auf der Höhe weide und seh ein Schiffchen mit lustigen Leuten drüben, da blas ich; in der Ferne nimmt sich die Schalmeie wunderschön aus, besonders wenn das Wasser so still und sonnig ist wie heute; das Blasen ist mir lieber wie Essen und Trinken.« Er setzte an und wendete sich nach dem Tal, um das Echo hören zu lassen; nun blies er das Lied des weissagenden Tempelknaben aus Axur von Ormus mit Variationen eigner Eingebung; die feierliche Stille, die aus diesen Tönen hervorbricht und sich mitten im leeren Raum ausdehnt, beweist wohl, daß die Geister auch in der sinnlichen Welt einen Platz einnehmen; zum wenigsten ward alles anders: Luft und Gebirge, Wald und Ferne, und der ziehende Strom mit den gleitenden Nachen waren von der Melodie beherrscht und atmeten ihren weissagenden Geist; die Herde hatte sich zum Ruhen gelagert; der Hund lag zu des Schäfers Füßen, der von mir entfernt auf der Höhe stand und die Begeistrung eines Virtuosen empfand, der sich selbst überbietet, weil er fühlt, er werde ganz genossen und verstanden. Er ließ das Echo eine sehr feine Rolle darin spielen; hier und da ließ er es in eine Lücke einschmelzen, dann wiederholte er die letzte Figur, zärtlicher, eindringender; das Echo wieder! Er ward noch feuriger und schmachtender; und so lehrte er dem Widerhall, wie hoch er's treiben könne, und dann endigte er in einer brillanten Fermate, die alle Täler und Schluchten des Donnersbergs und Hunsrücks widerhallen machte. Er zog blasend mit der Herde um den Berg. Ich packte meine Schreibereien auf, da die Einsamkeit doch hier oben aufgehoben ist, und schlenderte noch eine Weile bei gewaltigem Abendrot mit dem Schäfer in weisen Reden begriffen, hinter der weißen Herde drein; er entließ mich mit dem Kompliment, ich sei gescheuter als alle Menschen, die er kenne; dies war mir was ganz Neues, denn bisher hab ich von gescheuten Leuten gehört, ich sei gänzlich unklug; ich kann aber doch dem Schäfer nicht unrecht geben; ich bin auch gescheut und habe scharfe Sinne.

G.

Bettine
Winkel, 7. August

Gestern hab ich meinen Brief zugemacht und abgeschickt; aber noch nicht geschlossen. Wüßtest Du, was mich bei diesen einfachen Erzählungen oft für Unruhe und Schmerzen befallen! Es scheint Dir alles nur so hingeschrieben, wie erlebt, ja! Aber so manches seh ich und denke es, und kann es doch nicht aussprechen; und ein Gedanke durchkreuzt den andern, und einer nimmt vor dem andern die Flucht, und dann ist es wieder so öde im Geist wie in der ganzen Welt. Der Schäfer meinte, Musik schütze vor bösen Gedanken und vor Langerweile; da hat er recht, denn die Melancholie der Langenweile entsteht doch nur, weil wir uns nach der Zukunft sehnen. In der Musik ahnen wir diese Zukunft, da sie doch nur Geist sein kann und nichts anderes, und ohne Geist gibt es keine Zukunft; wer nicht im Geist aufblüht, wie wollte der leben und Atem holen? Aber ich habe mir zu Gewaltiges vorgenommen, Dir von Musik zu sagen; denn weil ich weiß, daß ihre Wahrheit doch nicht mit irdischer Zunge auszusprechen ist. So vieles halte ich zurück, aus Furcht, Du möchtest es nicht genehmigen, oder eigentlich, weil ich glaube, daß Vorurteile Dich blenden, die Gott weiß von welchem Philister in Dich geprägt sind. Ich habe keine Macht über Dich, Du glaubst Dich an gelehrte Leute wenden zu müssen; und was die Dir sagen können, das ist doch nur dem höheren Bedürfnis im Wege; o Goethe, ich fürchte mich vor Dir und dem Papier, ich fürchte mich aufzuschreiben, was ich für Dich denke.

Ja, das hat der Christian Schlosser gesagt: Du verstündest keine Musik, Du fürchtest Dich vor dem Tod und habest keine Religion, was soll ich dazu sagen? Ich bin so dumm wie stumm, wenn ich so empfindlich gekränkt werde. Ach Goethe, wenn man kein Obdach hätte, das vor schlechtem Wetter schützt, so könnte einem der kalte lieblose Wind schon was anhaben, aber so weiß ich Dich in Dir selber geborgen; die drei Rätsel aber sind mir eine Aufgabe. Ich möchte Dir nach allen Seiten hin Musik erklären, und fühl doch selbst, daß sie übersinnlich ist und von mir unverstanden; dennoch kann ich nicht weichen von diesem Unauflösbaren und bete zu ihm: nicht, daß ich es begreifen möge; nein, das Unbegreifliche ist immer Gott, und es gibt keine Zwischenwelt, in der noch andere Geheimnisse begründet wären. Da Musik unbegreiflich ist, so ist sie gewiß Gott; dies muß ich sagen, und Du wirst mit Deinem Begriff von der Terz und der Quint mich auslachen! Nein, Du bist zu gut, Du lachst nicht; und dann bist Du auch zu weise; Du wirst wohl gerne Deine Studien und errungenen Begriffe aufgeben gegen ein solches, alles heiligende Geheimnis des göttlichen Geistes in der Musik. Was lohnte denn auch die Mühe der Forschung, wenn es nicht dies wäre! Nach was können wir forschen, was bewegt uns, als nur das Göttliche! und was können Dir andere, die Wohlstudierten, Besseres und Höheres darüber sagen; und wenn einer dagegen was aufbringen wollte, müßte er sich nicht schämen? Wenn einer sagen wollte: Musik sei nur da, daß der Menschengeist sich darin ausbilde? Nun ja! wir sollen uns in Gott bilden. Wenn einer sagt, sie sei nur Vermittlung zum Göttlichen, sie sei nicht Gott selbst! Nein, ihr falschen Kehlen, euer eitler Gesang ist nicht göttlich durchdrungen. Ach, die Gottheit selbst lehrt uns den Buchstaben begreifen, damit wir gleich ihr aus eignem Vermögen im Reich der Gottheit regieren lernen. Alles Lernen in der Kunst ist nur dazu, daß wir den Grund der Selbständigkeit in uns legen, und daß es unser Errungenes bleibe. Einer sagte von Christus, daß er nichts von Musik gewußt habe; dagegen konnte ich nichts sagen; einmal weiß ich seinen Lebenslauf nicht genau, und dann, was mir dabei einfiel, kann ich nur Dir sagen, obschon ich nicht weiß, was Du dazu sagen wirst. Christus sagt: »Auch euer Leib soll verklärt werden!« Ist nun Musik nicht die Verklärung der sinnlichen Natur? Berührt Musik nicht unsere Sinne, daß sie sich eingeschmolzen fühlen in die Harmonie der Töne, wie Du mit Terz und Quint berechnen willst? Lerne nur verstehen, Du wirst um so mehr Dich wundern über das Unbegreifliche. Die Sinne fließen in den Strom der Begeisterung, und das erhöht sie. Alles, was den Menschen geistigerweise anspricht, geht hier in die Sinne über; drum fühlt er sich auch durch sie zu allem bewegt. Liebe und Freundschaft, kriegerischer Mut und Sehnsucht nach der Gottheit alles wallt im Blut; das Blut ist geheiligt; es entzündet den Leib, daß er mit dem Geist zusammen dasselbe wolle. Das ist die Wirkung der Musik auf die Sinne; das ist die Verklärung des Leibes; die Sinne von Christus waren eingeschmolzen in den göttlichen Geist, sie wollten mit ihm dasselbe; er sagt: »Was ihr berührt mit dem Geist wie mit den Sinnen, das sei göttlich, denn dann wird euer Leib auch Geist.« Siehst Du, das hab ich ungefähr empfunden und gedacht, da man sagte, Christus habe nichts von Musik gewußt.

Verzeihe mir, daß ich so mit Dir spreche, gleichsam ohne Basis, denn mir schwindelt, und ich deute kaum an, was ich sagen möchte, und vergesse alles so leicht wieder; aber wenn ich in Dich das Zutrauen nicht haben sollte, Dir zu bekennen, was sich in mir aufdringt, wem sollte ich's sonst mitteilen!

Diesen Winter hatte ich eine Spinne in meinem Zimmer; wenn ich auf der Gitarre spielte, kam sie eilig herab in ein Netz, was sie tiefer ausgespannt hatte. Ich stellte mich vor sie und fuhr über die Saiten; man sah deutlich, wie es durch ihre Gliederchen dröhnte; wenn ich Akkord wechselte, so wechselten ihre Bewegungen, sie waren unwillkürlich; bei jedem verschiedenen Harpege wechselte der Rhythmus in ihren Bewegungen; es ist nicht anders, dies kleine Wesen war freudedurchdrungen oder geistdurchdrungen, solang mein Spielen währte; wenn's still war, zog sie sich wieder zurück. Noch ein kleiner Geselle war eine Maus, der aber mehr der Vokalmusik geneigt war; sie erschien meistens, wenn ich die Tonleiter sang; je stärker ich den Ton anschwellen ließ, je näher kam sie; in der Mitte der Stube blieb sie sitzen; mein Meister hatte große Freude an dem Tierchen; wir nahmen uns sehr in acht, sie nicht zu stören. Wenn ich Lieder und abwechselnde Melodien sang, so schien sie sich zu fürchten; sie hielt dann nicht aus und lief eilend weg. Also die Tonleiter schien diesem kleinen Geschöpfchen angemessen, die durchgriff sie, und wer kann zweifeln: bereitete ein Höheres in ihr vor; diese Töne, so rein wie möglich getragen, in sich schön, die berührten diese Organe. Dieses Aufschwellen und wieder Sinken bis zum Schweigen nahm das Tierchen in ein Element auf. Ach Goethe, was soll ich sagen? es rührt mich alles so sehr, ich bin heute so empfindlich, ich möchte weinen; wer im Tempel wohnen kann auf reinen heiteren Höhen, sollte der verlangen hinaus in eine Spitzbubenherberge? Diese beiden kleinen Tierchen haben sich der Musik hingegeben; es war ihr Tempel, in dem sie ihre Existenz erhöht, vom Göttlichen berührt fühlten, und Du, der sich bewegt fühlt durch das ewige Wallen des Göttlichen in Dir, Du habest keine Religion? Du, dessen Worte, dessen Gedanken immer an die Muse gerichtet sind, Du lebtest nicht in dem Element der Erhöhung, der Vermittelung mit Gott. Ach ja: das Erheben aus dem bewußtlosen Leben in die Offenbarung, das ist Musik.

Gute Nacht.

G.


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