> Gedichte und Zitate für alle: Bettina Arnim: Goethes Briefwechsel mit einem Kinde- Zweiter Teil (15)

2019-10-31

Bettina Arnim: Goethes Briefwechsel mit einem Kinde- Zweiter Teil (15)



Zweiter Teil

An Goethe

Da ich Dir zum letztenmal schrieb, war's Sommer, ich war am Rhein und reiste später mit einer heiteren Gesellschaft von Freunden und Verwandten zu Wasser bis Köln; als ich zurückgekommen war, verbrachte ich noch die letzten Tage mit Deiner Mutter, wo sie freundlicher, leidseliger war als je. Am Tag vor ihrem Tod war ich bei ihr, küßte ihre Hand und empfing ihr Lebewohl in Deinem Namen. Denn ich hab Dich in keinem Augenblick vergessen; ich wußte wohl, sie hätte mir gern Deine beste Liebe zum Erbteil hinterlassen.

Sie ist nun tot, vor welcher ich die Schätze meines Lebens ausbreitete; sie wußte wie und warum ich Dich liebe, sie wunderte sich nicht darüber. Wenn andre Menschen klug über mich sein wollten, so ließ sie mich gewähren und gab dem Wesen keinen Namen. Noch enger hätte ich damals Deine Knie umschließen mögen, noch fester, tiefer Dich ins Auge fassen und alle andre Welt vergessen mögen, und doch hielt dies mich ab vom Schreiben. Später warst Du so umringt, daß ich wohl schwerlich hätte durchdringen können.

Jetzt ist ein Jahr vorbei, daß ich Dich gesehen habe, Du sollst schöner geworden sein, Karlsbad soll Dich erfrischt haben. Mir geht's recht hinderlich, ich muß die Zeit so kalt hinstreichen lassen ohne einen Funken zu erhaschen, an dem ich mir eine Flamme anblasen könnte. Doch soll es nicht lange mehr währen, bis ich Dich wiederseh; dann will ich nur einmal Dich immer und ewig in meinen Armen festhalten.

Diese ganze Zeit hab ich mit Jacobi beinah alle Abende zugebracht, ich schätze es immer als ein Glück, daß ich ihn sehen und sprechen konnte; aber dazu bin ich nicht gekommen, aufrichtig gegen ihn zu sein, und die Liebe, die man seinem Wohlwollen schuldig ist, ihm zu bezeigen. Seine beiden Schwestern verpallisadieren ihn, es ist empfindlich, durch leere Einwendungen von ihm abgehalten zu werden. Er ist duldend bis zur Schwäche und hat gar keinen Willen gegen ein paar Wesen, die Eigensinn und Herrschsucht haben, wie die Semiramis. Die Herrschaft der Frauen verfolgt ihn bis zur Präsidentenstelle an der Akademie, sie wecken ihn, sie bekleiden ihn, knöpfen ihm die Unterweste zu, sie reichen ihm Medizin, will er ausgehn, so ist's zu rauh, will er zu Hause bleiben, so muß er sich Bewegung machen. Geht er auf die Akademie, so wird der Nimbus geschneutzt, damit er recht hell leuchte: da ziehen sie ihm ein Hemd von Batist an mit frischem Jabot und Manschetten und einen Pelzrock mit prächtigem Zobel gefüttert, der Wärmkorb wird vorangetragen, kommt er aus der Sitzung zurück, so muß er ein bißchen schlafen, nicht ob er will; so geht's bis zum Abend in fortwährendem Widerspruch, wo sie ihm die Nachtmütze über die Ohren ziehen und ihn zu Bette führen.

Der Geist, auch unwillkürlich, bahnt sich eine Freistätte, in der ihn nichts hindert zu walten nach seinem Recht, was diesem nicht Eintrag tut, wird er gern der Willkür andrer überlassen. Das hat die Mutter oft an Dir gepriesen, daß Deine Würde aus Deinem Geist fließe, und daß Du einer andern nie nachgestrebt habest; die Mutter sagte, Du seist dem Genius treu, der Dich ins Paradies der Weisheit führt, Du genießest alle Früchte, die er Dir anbietet, daher blühen Dir immer wieder neue, schon während Du die ersten verzehrst. Lotte und Lene aber verbieten dem Jacobi das Denken als schädlich, und er hat mehr Zutrauen zu ihnen als zu seinem Genius, wenn der ihm einen Apfel schenkt, so fragt er jene erst, ob der Wurm nicht drin ist.

Es braucht keinen großen Witz, und ich fühle es in mir selber gegründet: im Geist liegt der unauslöschliche Trieb, das Überirdische zu denken, so wie das Ziel einer Reise hat er den höchsten Gedanken als Ziel; er schreitet forschend durch die irdische Welt der himmlischen zu, alles was dieser entspricht, das reißt der Geist an sich und genießt es mit Entzücken, drum glaub ich auch, daß die Liebe der Flug zum Himmel ist.

Ich wünsch es Dir, Goethe, und ich glaub es auch fest, daß all Dein Forschen, Deine Erkenntnis, das, was die Muse Dir lehrt, und endlich auch Deine Liebe vereint Deinem Geist einen verklärten Leib bilden, und daß der dem irdischen Leib nicht mehr unterworfen sein werde, wenn er ihn ablegt, sondern schon in jenen geistigen Leib übergeströmt. Sterben mußt Du nicht, sterben muß nur der, dessen Geist den Ausweg nicht findet. Denken beflügelt den Geist, der beflügelte Geist stirbt nicht, er findet nicht zurück in den Tod.

Mit der Mutter konnte ich über alles sprechen, sie begriff meine Denkweise, sie sagte: »Erkenne erst alle Sterne und das letzte, dann erst kannst Du zweifeln, bis dahin ist alles möglich.«

Ich habe von der Mutter viel gehört, was ich nicht vergessen werde, die Art, wie sie mir ihren Tod anzeigte, hab ich aufgeschrieben für Dich. Die Leute sagen, Du wendest Dich von dem Traurigen, was nicht mehr abzuändern ist, gerne ab, wende Dich in diesem Sinne nicht von der Mutter ihrem Hinscheiden ab, lerne sie kennen, wie weise und liebend sie grade im letzten Augenblick war und wie gewaltig das Poetische in ihr.

Heute sag ich Dir nichts mehr, denn ich sehne mich, daß dieser Brief bald an Dich gelange; schreib mir ein Wort, meine Zufriedenheit beruht darauf. In diesem Augenblick ist mein Aufenthalt in Landshut; in wenig Tagen gehe ich nach München, um mit dem Kapellmeister Winter Musik zu studieren.

Manches möchte man lieber mit Gebärden und Mienen sagen, ach besonders Dir hab ich nichts Höheres zu verkünden, als bloß Dich anzulächeln.

Leb wohl, bleib mir geneigt, schreib mir wieder, daß Du mich lieb hast, was ich mit Dir erlebt habe, ist mir ein Thron seliger Erinnerung. Die Menschen trachten auf verschiedenen Wegen alle nach einem Ziel, nämlich glücklich zu sein, wie schnell bin ich befriedigt, wenn Du mir gut und meiner Liebe ein treuer Bewahrer sein willst.

Ich bitte die Frau zu grüßen, sobald ich nach München komme, werde ich ihrer gedenken.

Landshut, den 18. Dezember 1808

Dir innigst angelobt

Bettine Brentano, bei Baron von Savigny

An Frau von Goethe

Gerne hätte ich nach dem Beispiel der guten Mutter mein kleines Andenken zum Weihnachten zu rechter Zeit gesendet; allein ich muß gestehen, daß Mißlaune und tausend andre Fehler meines Herzens mich eine ganze Weile von allem freundlichen Verkehr abhielten. Die kleine Kette war Ihnen gleich nach dem Tode der Mutter bestimmt. Ich dachte, Sie sollten diese während der Trauer tragen, und immer verschob ich die Sendung, zum Teil weil es mir wirklich unerträglich war, auch nur mit der Feder den Verlust zu berühren, der für mich ganz Frankfurt zu einer Wüste gemacht hat. Das kleine Halstuch hab ich noch bei der Mutter gestickt und hier in den müßigen Stunden vollendet.

Bleiben Sie mir freundlich, erinnern Goethe in den guten Stunden an mich, ein Gedanke von ihm an mich ist mir eine strahlende Zierde, die mich mehr schmückt und ergötzt als die köstlichsten Edelsteine. Sie sehen also, welchen Reichtum Sie mir spenden können, indem Sie ihn bescheidentlich meiner Liebe und Verehrung versichern. Auch für ihn hab ich etwas, es ist mir aber so lieb, daß ich es ungern einer gefahrvollen Reise aussetze. Ich mache mir Hoffnung, ihn in der ersten Hälfte dieses Jahres noch zu sehen, wo ich es ihm selbst bringen kann. Erhalten Sie sich gesund und recht heiter in diesem kalten Winter. Meine Schwachheit, Ihnen Freude machen zu wollen, behandeln Sie wie immer mit gütiger Nachsicht.

München, 8. Januar 1809

Bettine

An Goethe

Andre Menschen waren glücklicher als ich, die das Jahr nicht beschließen durften, ohne Dich gesehen zu haben. Man hat mir geschrieben, wie liebreich Du die Freunde bewillkommnest.

Seit mehreren Wochen bin ich in München, treib Musik und singe viel bei dem Kapellmeister Winter, der ein wunderlicher Kauz ist, aber grade für mich paßt; denn er sagt: »Sängerinnen müssen Launen haben«, und so darf ich alle an ihm auslassen; viel Zeit bringe ich am Krankenlager von Ludwig Tieck zu, er leidet an Gicht, eine Krankheit, die allen bösen Launen und Melancholie Audienz gibt; ich harre ebenso wohl aus Geschmack wie aus Menschlichkeit bei ihm aus; ein Krankenzimmer ist an und für sich schon durch die große Ruhe ein anziehender Aufenthalt, ein Kranker, der mit gelaßnem Mut seine Schmerzen bekämpft, macht es zum Heiligtum. Du bist ein großer Dichter, der Tieck ist ein großer Dulder, und für mich ein Phänomen, da ich vorher nicht gewußt habe, daß es solche Leiden gibt; keine Bewegung kann er machen ohne aufzuseufzen, sein Gesicht trieft von Angstschweiß, und sein Blick irrt über der Schmerzensflut oft umher wie eine müde geängstigte Schwalbe, die vergeblich einen Ort sucht, wo sie ausruhen kann, und ich steh vor ihm verwundert und beschämt, daß ich so gesund bin; dabei dichtet er noch Frühlingslieder und freut sich über einen Strauß Schneeglöckchen, die ich ihm bringe, sooft ich komme, fordert er zuerst, daß ich dem Strauß frisch Wasser gebe, dann wische ich ihm den Schweiß vom Gesicht ganz gelinde, man kann es kaum, ohne ihm weh zu tun, und so leiste ich ihm allerlei kleine Dienste, die ihm die Zeit vertreiben, Englisch will er mich auch lehren, allen Zorn und Krankheitsunmut läßt er denn an mir aus, daß ich so dumm bin, so absurd frage und nie die Antwort verstehe, auch ich bin verwundert; denn ich hab mit den Leuten geglaubt, ich sei sehr klug, wo nicht gar ein Genie, und nun stoße ich auf solche Untiefen, wo gar kein Grund zu erfassen ist, nämlich der Lerngrund, und ich muß erstaunt bekennen, daß ich in meinem Leben nichts gelernt habe.

Eh ich von Dir wußte, wußt ich auch nichts von mir, nachher waren Sinne und Gefühl auf Dich gerichtet, und nun die Rose blüht, glüht und duftet, so kann sie's doch nicht von sich geben, was sie in geheim erfahren hat. Du bist, der mir's angetan hat, daß ich mit Schimpf und Schand bestehe vor den Philistern, die eine Reihe von Talenten an einem Frauenzimmer schätzenswert finden. Das Frauenzimmer selbst aber ohne diese nicht.

Klavier spielen, Arien singen, fremde Sprachen sprechen, Geschichte und Naturwissenschaft, das macht den liebenswerten Charakter, ach und ich hab immer hinter allem diesem erst nach dem gesucht, was ich lieben möchte; gestern kam Gesellschaft zu Tieck, ich schlich mich unbemerkt hinter einen Schirm, ich wär auch gewiß da eingeschlafen, wenn nicht mein Name wär ausgesprochen worden, da hat man mich gemalt, so daß ich mich vor mir selber fürchten müßte; ich kam auch plötzlich hervor und sagte: »Nein, ich bin zu abscheulich, ich mag nicht mehr allein bei mir sein.« Dies erregte eine kleine Konsternation, und mir machte es viel Spaß. So ging mir's auch bei Jacobi, wo Lotte und Lene nicht bemerkt hatten, daß ich hinter dem großen runden Tisch saß, ich rief hervor mitten in ihre Epistel hinein: »Ich will mich bessern.« Ich weiß gar nicht, warum mein Herz immer jauchzt vor Lust, wenn ich mich verunglimpfen höre, und warum ich schon im voraus lachen muß, wenn einer mich tadelt: sie mögen mir aufbürden die allerverkehrtesten Dinge, ich muß alles mit Vergnügen anhören und gelten lassen. Es ist mein Glück; wollte ich mich dagegen verteidigen, ich käm in des Teufels Küche; wollte ich mit ihnen streiten, ich würde dummer wie sie. Doch diese letzte Geschichte hat mir Glück gebracht. Sailer war da, dem gefiel's, daß ich Lenen dafür beim Kopf kriegte und ihr auf ihr böses Maul einen herzlichen Schmatz gab, um es zu stopfen. Nachdem Sailer weg war, sagte Jacobi: »Nun, die Bettine hat dem Sailer das Herz gewonnen.« »Wer ist der Mann?« fragte ich. »Wie! Sie kennen Sailer nicht, haben ihn nie nennen hören, den allgemein gefeierten geliebten, den Philosophen Gottes, so gut wie Plato der göttliche Philosoph ist?« Diese Worte haben mir von Jacobi gefallen, ich freue mich unendlich auf den Sailer, er ist Professor in Landshut. Während dem Karneval ist hier ein Strom von Festen, die einen wahren Strudel bilden, so greifen sie ineinander; es werden wöchentlich neue Opern gegeben, die meinen alten Winter sehr im Atem erhalten, ich hör manches mit großem Anteil, wollt ich ihm sagen, was ich dadurch lerne, er würde es nicht begreifen. Am Rhein haben wir über Musik geschrieben, ich weiß nicht mehr was; ich hab Dir noch mehr zu sagen, Neues, für mich Erstaunungswürdiges, kaum zu fassen für meinen schwachen Geist, und doch erfahre ich's nur durch mich selbst. Soll ich da nicht glauben, daß ich einen Dämon habe, der mich belehrt, ja es kommt alles auf die Frage an, je tiefer Du fragst, je gewaltiger ist die Antwort, der Genius bleibt keine schuldig; aber wir scheuen uns, zu fragen, und noch mehr die Antwort zu vernehmen und zu begreifen, denn das kostet Mühe und Schmerzen; anders können wir nichts lernen, wo sollten wir's herhaben, wer Gott fragt, dem antwortet er das Göttliche.

Auf den Festen, die man hier Akademien nennt Maskenbälle, in der Mitte ein kleines Theater, worauf pantomimische Vorstellungen gegeben werden von Harlekin Pierrot und Pantalon hab ich den Kronprinzen kennengelernt; ich habe eine Weile mit ihm gesprochen, ohne zu wissen, wer er sei, er hat etwas zusprechendes Freundliches und wohl auch originell Geistreiches; sein ganzes Wesen scheint zwar mehr nach Freiheit zu ringen, als mit ihr geboren zu sein; seine Stimme, seine Sprache und Gebärden haben etwas Angestrengtes wie ein Mensch, der sich mit großem Aufwand von Kräften an glatten Felswänden hinaufhalf, eine zitternde Bewegung in den noch nicht geruhten Gliedern hat. Und wer weiß, wie seine Kinderjahre, seine Neigungen bedrängt oder durch Widerspruch gereizt wurden, ich seh ihm an, daß er schon manches überwinden mußte, und auch, daß sich Großes aus ihm entwickeln kann; ich bin ihm gut, ein so junger Herrscher in der Vorhölle, wo er leiden muß, daß sich jede Zunge über ihn erbarmt; seine gute Münchner, wie er sie nennt, sind ihm nicht grün; ja wartet nur, bis er mündig ist, entweder er beschämt euch alle, oder er wird's euch garstig eintränken.

Am 31. Januar

Dem wunderbaren Frühlingswetter konnte ich nicht widerstehen, der warme mailiche Sonnenstrahl, der das harte eisige Neujahr ganz zusammenschmolz, war überraschend, es hat mich hinausgetrieben in den kahlen, englischen Garten, ich bin auf alle Freundschaftstempel, chinesische Türme und Vaterlandsmonumente geklettert, um die Tiroler Bergkette zu erblicken, die tausendfach ihre gespaltnen Häupter gen Himmel ragt; auch in meiner Seele kannst Du solche große Bergmassen finden, die tief bis in die Wurzel gespalten sind, kalt und kahl ihre hartnäckige Zacken in die Wolken strecken. Bei der Hand möcht ich Dich nehmen und weit wegführen, daß Du Dich besinnen solltest über mich, daß ich Dir in Deinen Gedanken aufginge als etwas Merkwürdiges, dem Du nachspürtest, wie zum Beispiel einem Intermaxilarknochen, über den Du Dein Recht in so eifriger Korrespondenz gegen Soemering behauptest, sag mir aufrichtig, werde ich Dir nie so wichtig sein als ein solcher toter Knochen? Daß Gott alles wohlgefügt habe, wer kann das bezweifeln! Ob Du aber Dein Herz wohl mit meinem verschränkt habest, dagegen erheben sich bei mir zu manchen trüben Stunden Zweifel, von schweren Seufzern begleitet. Am Rhein hab ich Dir viel und liebend geschrieben, ja ich war ganz in Deiner Gewalt, und was ich dachte und fühlte, war, weil ich im Geiste Dich ansah, nun haben wir eine Pause gemacht beinah vier Monate, Du hast mir noch nicht geantwortet auf zwei Briefe.

Es liegt mir an allem nichts, aber daran liegt mir, daß ich um Dich nicht betrogen werde; daß mir kein Wort, kein Blick von Dir gestohlen werde, ich hab Dich so lieb, das ist alles, mehr wird nicht in mich gehen, und anders wird man nichts an mir erkennen, und ich denke auch, das ist genug, um mein ganzes Leben den Musen als ein wichtiges Dokument zu hinterlassen; darum vergeht mir manche Zeit so hart und kalt wie dieser harte Winter, darum blüht's wieder und drängt von allen Seiten wieder ins Leben. Darum hüt ich oft meine Gedanken vor Dir. Diese ganze Zeit konnte ich kein Buch von Dir anrühren. Nein, ich konnte keine Zeile lesen, es war mir zu traurig, daß ich nicht bei Dir sein kann. Ach, die Mutter fehlt mir, die mich beschwichtigte, die mich hart machte gegen mich selber, ihr klares feuriges Auge sah mich durch und durch, ich brauchte ihr nicht zu gestehen, sie wußte alles, ihr feines Ohr hörte bei dem leisesten Klang meiner Stimme, wie es um mich stehe; o sie hat mir manche Gegengeschichte zu meiner Empfindung erzählt, ohne daß ich sie ihr wörtlich mitteilte, wie oft hat ein freudiges Zurufen von ihr alle Wolken in mir zerteilt, welche freundliche Briefe hat sie mir ins Rheingau geschrieben; »Tapfer!« rief sie mir zu; »sei tapfer, da sie dich doch nicht für ein echtes Mädchen wollen gelten lassen, und sagen, man könne sich nicht in dich verlieben, so bist du die eine Plage los, sie höflich abzuweisen, so sei denn ein tapferer Soldat, wehr dich dagegen, daß du meinst, du müßtest immer bei ihm sein und ihn bei der Hand halten, wehr dich gegen deine eigne Melancholie, so ist er immer ganz und innigst dein und kein Mensch kann dir ihn rauben.«

Solche Zeilen machten mich unendlich glücklich, wahrhaftig ich fand Dich in ihr wieder, wenn ich nach Frankfurt kam, so flog ich zu ihr hin; wenn ich die Tür aufmachte, wir grüßten uns nicht, es war als ob wir schon mitten im Gespräch seien. Wir zwei waren wohl die einzig lebendigen Menschen in ganz Frankfurt und überall, manchmal küßte sie mich und sprach davon, daß ich in meinem Wesen sie an Dich erinnere, sie habe auch Dein Sorgenbrecher sein müssen. Sie baute auf mein Herz. Man konnte ihr nicht weismachen, daß ich falsch gegen sie sei, sie sagte: »Der ist falsch, der mir meine Lust an ihr verderben will«; ich war stolz auf ihre Liebe.

Wenn Du nun nicht mehr auf der Welt wärst! Ach, ich würde keine Hand mehr regen. Ach, es regen sich so viel tausend Hoffnungen und wird nichts draus. Wenn ich nur manchmal bei Dir sitzen könnte eine halbe Stunde lang; da wird vielleicht auch nichts draus; mein Freund!!

Am 3. Februar

In den wenig Wochen, die ich in Landshut zubrachte, hab ich trotz Schnee und Eis nah und ferne Berge bestiegen, da lag mir das ganze Land im blendendsten Gewand vor Augen; alle Farben vom Winter getötet und vom Schnee begraben, nur mir rötete die Kälte die Wangen; wie ein einsames Feuer in der Wüste, so brennt der einzige Blick, der beleuchtet und erkennt, während die ganze Welt schläft. Ich hatte so kurz vorher den Sommer verlassen, so reich beladen mit Frucht. Wo war's doch, wo ich den letzten Berg am Rhein bestieg? In Godesberg; warst Du da auch oft? Es war bald Abend, da wir oben waren; Du wirst Dich noch erinnern, es steht oben ein einziger hoher Turm, und rund auf der Fläche stehen noch die alten Mauern. Die Sonne in großer Pracht senkte einen glühenden Purpur über die Stadt der Heiligen; der Kölner Dom, an dessen dornigen Zierraten die Nebel wie eine vorüberstreifende Schafherde ihre Flocken hängen ließen, in denen Schein und Widerschein so fein spielten, da sah ich ihn zum letztenmal; alles war zerflossen in dem ungeheuren Brand, und der kühle ruhige Rhein, den man viele Stunden weit sieht, und die Siebenberge hoch über den Ufergegenden.

Im Sommer, in dem leidenschaftlichen Leben und Weben aller Farben, wo die Natur die Sinne als den rührendsten Zauber ihrer Schönheit festhält; wo der Mensch durch das Mitempfinden selbst schön wird: da ist er sich selbst auch oft wie ein Traum, der vor dem Begriff wie Duft verfliegt. Das Lebensfeuer in ihm verzehrt alles; den Gedanken im Gedanken, und bildet sich wieder in allem. Was das Aug erreichen kann, gewinnt er nur, um sich wieder ganz dafür hinzugeben; und so fühlt man sich frei und keck in den höchsten Felsspitzen, in dem kühnsten Wassersturz, ja mit dem Vogel in der Luft, mit dem man in die Ferne zieht, und höher mit ihm steigt, um früher den Ort der Sehnsucht zu erblicken. Im Winter ist's anders, da ruhen die Sinne mit der Natur, nur die Gedanken graben, wie die Arbeiter im Bergwerk, heimlich in der Seele fort. Darauf hoffe und baue auch ich, lieber Goethe, jetzt, wo ich empfinde, wie öde und mangelhaft es in mir ist: daß die Zeit kommen werde, wo ich Dir mehr sagen und Dich mehr fragen kann. Einmal wird mir doch einleuchten, was ich zu wissen fordere. Das deucht mir der einzige Umgang mit Gott, nämlich die Frage um das Überirdische; und das scheint mir die einzige Größe des Menschen, diese Antwort zu empfinden, zu genießen. Gewiß ist die Liebe auch eine Frage an Gott, und der Genuß in ihr ist eine Antwort von dem liebenden Gott selbst.

4. Februar

Hier im Schloß, welches man die Residenz heißt und siebzehn Höfe hat, ist in einem der Nebengebäude ein kleiner einsamer Hof, in der Mitte desselben steht ein Springbrunnen: Perseus, der die Medusa enthauptet, in Erz von einem Rasenplatz umgeben; ein Gang von Granitsäulen führt dahin; Meerweibchen, von Ton und Muscheln gemacht, halten große Becken, in die sie ehemals Wasser spien, Mohrenköpfe schauen aus der Mauer, die Decke und Seiten sind mit Gemälden geziert, die freilich schon zum Teil heruntergefallen sind, unter andern Apoll, der auf seinem Sonnenwagen sich über die Wolken bäumt und seine Schwester Luna im Herunterfahren begrüßt; der Ort ist sehr einsamlich, selten daß ein Hofbedienter quer durchläuft, die Spatzen hört man schreien, und den kleinen Eidechsen und Wassermäuschen seh ich da oft zu, die im verfallnen Springbrunnen kampieren, es ist dicht hinter der Hofkapelle; manchmal höre ich am Sonntag da auch das hohe Amt oder die Vesper mit großem Orchester; Du mußt doch auch wissen, wo Dein Kind ist, wenn's recht treu und fleißig an Dich denkt. Adieu, leb recht wohl, ich glaub gewiß, daß ich dieses Jahr zu Dir komme und vielleicht bald, denk an mich, wenn Du Zeit hast, so schreib mir, nur daß ich Dich so fort lieben darf, mehrere von meinen Briefen müssen verlorengegangen sein, denn ich hab vom Rhein aus noch mehrmals an Dich geschrieben.

Die Frau bitte ich herzlich zu grüßen, ich weiß nicht, ob eine kleine Schachtel, die ich ihr unter Deiner Adresse schickte, verlorengegangen ist.

München, 5. Februar

Bettine

Meine Adresse ist Landshut bei Savigny.

Verehrte Freundin!

Empfangen Sie meinen Dank für die schönen Geschenke, welche ich von Ihnen erhalten habe, es hat mich außerordentlich gefreut, weil ich daraus ersah, daß Sie mir Ihr Wohlwollen fortdauernd erhalten, um das ich noch nicht Gelegenheit hatte, mich verdient zu machen.

Ich war nun acht Wochen in Frankfurt, die Ihrigen alle haben mir viel Gutes erzeugt, ich weiß wohl, daß ich dies alles der großen Liebe und Achtung, die man hier für die verstorbene Mutter hegte, zu danken habe; doch hab ich Ihre Gegenwart sehr vermißt, Sie haben die Mutter sehr geliebt, und ich hatte auch verschiedene Aufträge vom Geheimen Rat an Sie, von denen er glaubte, daß Sie dieselben gerne übernehmen würden; ich habe nun alles so gut wie möglich selbst besorgt in diesen traurigen Tagen. Alles, was ich von Ihrer Hand unter den Papieren der Mutter fand, hab ich gewissenhaft an die Ihrigen abgegeben; ich fand es sehr wohlgeordnet mit gelben Band zugebunden und von der Mutter an Sie überschrieben.

Sie machen uns Hoffnung auf einen baldigen Besuch, der Geheime Rat und ich sehen diesen schönen Tagen mit Freuden entgegen, nur wünschen wir, daß es bald geschehe, da der Geheime Rat wahrscheinlich in der Mitte des Monat Mai wieder nach Karlsbad gehen wird.

Er befindet sich diesen Winter außerordentlich wohl, welches er doch den heilsamen Quellen zu danken hat. Bei meiner Zurückkunft kam er mir ordentlich jünger vor, und gestern, weil große Cour an unserm Hof war, sah ich ihn zum erstenmal mit seinen Orden und Bändern geschmückt, er sah ganz herrlich und stattlich aus, ich konnte ihn gar nicht genug bewundern, mein erster Wunsch war, wenn ihn doch die gute Mutter noch so gesehen hätte; er lachte über meine große Freude, wir sprachen viel von Ihnen, er trug mir auf, auch in seinem Namen zu danken für alles Gütige und Freundliche, was Sie mir erzeugen, er hat sich vorgenommen, selbst zu schreiben und meine schlechte Feder zu entschuldigen, mit der ich nicht nach Wunsch ausdrücken kann, wie wert mir Ihr Andenken ist, dem ich mich herzlich empfehle.

Weimar, am 1. Februar 1809

C.v. Goethe

An Bettine

Du bist sehr liebenswürdig, gute Bettine, daß Du dem schweigenden Freunde immer einmal wieder ein lebendiges Wort zusprichst, ihm von Deinen Zuständen und von den Lokalitäten, in denen Du umherwandelst, einige Nachricht gibst; ich vernehme sehr gern, wie Dir zumute ist, und meine Einbildungskraft folgt Dir mit Vergnügen sowohl auf die Bergeshöhen als in die engen Schloß- und Klosterhöfe. Gedenke meiner auch bei den Eidechsen und Salamandern.

Eine Danksagung meiner Frau wird bei Dir schon eingelaufen sein, Deine unerwartete Sendung hat unglaubliche Freude gemacht, alles ist einzeln bewundert und hochgeschätzt worden. Nun muß ich Dir auch schnell für die mehreren Briefe danken, die Du mir geschrieben hast, und die mich in meiner Karlsbader Einsamkeit angenehm überraschten, unterhielten und teilweise wiederholt beschäftigten, so waren mir besonders Deine Explosionen über Musik interessant, so nenne ich diese gesteigerten Anschauungen Deines Köpfchens, die zugleich den Vorzug haben, auch den Reiz dafür zu steigern.

Damals schickte ich ein Blättchen an Dich meiner Mutter, ich weiß nicht, ob Du es erhalten hast. Diese Gute ist nun von uns gegangen, und ich begreife wohl, wie Frankfurt Dir dadurch verödet ist. Alles, was Du mitteilen willst über Herz und Sinn der Mutter und über die Liebe, mit der Du es aufzunehmen verstehst, ist mir erfreulich. Es ist das Seltenste und daher wohl auch das Köstlichste zu nennen, wenn eine so gegenseitige Auffassung und Hingebung immer die rechte Wirkung tut; immer etwas bildet, was dem nächsten Schritt im Leben zugut kommt, wie denn durch eine glückliche Übereinstimmung des Augenblicks gewiß am lebendigsten auf die Zukunft gewirkt ist, und so glaub ich Dir gern, wenn Du mir sagst, welche reiche Lebensquelle Dir in diesem Deinen Eigenheiten sich so willig hingebenden Leben versiegt ist; auch mir war sie dies, in ihrem Überleben aller anderen Zeugen meiner Jugendjahre bewies sie, daß ihre Natur keiner andern Richtung bedurfte als zu pflegen und zu lieben, was Geschick und Neigung ihr anvertraut hatten; ich habe in der Zeit nach ihrem Tode viele ihrer Briefe durchlesen und bewundert, wie ihr Geist bis zur spätesten Epoche sein Gepräge nicht verloren. Ihr letzter Brief war ganz erfüllt von dem Guten, was sich zwischen Euch gefunden, und daß ihre späten Jahre, wie sie selbst schreibt, von Deiner Jugend so grün umwachsen seien; auch in diesem Sinn also wie in allem andern, was Dein lebendiges Herz mir schon gewährt hat, bin ich Dir Dank schuldig.

Wilhelm Humboldt hat uns viel von Dir erzählt. Viel, das heißt oft. Er fing immer wieder von Deiner kleinen Person zu reden an, ohne daß er so was recht Eigentliches zu sagen gehabt, woraus wir denn auf ein eignes Interesse schließen konnten. Neulich war ein schlanker Architekt von Kassel hier, auf den Du auch magst Eindruck gemacht haben.

Dergleichen Sünden magst Du denn mancherlei auf Dir haben, deswegen Du verurteilt bist. Gichtbrüchige und Lahme zu warten und zu pflegen.

Ich hoffe jedoch, das soll nur eine vorübergehende Büßung werden, damit Du Dich des Lebens desto besser und lebhafter mit den Gesunden freuen mögest.

Bring nun mit Deiner reichen Liebe alles wieder ins Geleis einer mir so lieb gewordenen Gewohnheit, lasse die Zeit nicht wieder in solchen Lücken verstreichen, lasse von Dir vernehmen, es tut immer seine gute und freundliche Wirkung, wenn auch der Gegenhall nicht bis zu Dir hinüberdringt; so verzichte ich doch nicht darauf, Dir Beweise ihres Eindruckes zu liefern, an
denen Du selbst ermessen magst, ob die Wirkung auf meine Einbildungskraft den Zaubermitteln der Deinigen entspricht. Meine Frau, hör ich, hat Dich eingeladen, das tue ich nicht, und wir haben wohl beide recht. Lebe wohl, grüße freundlich die Freundlichen und bleib mir Bettine. Weimar, den 22. Februar 1809

G.

An Goethe

Wenn Deine Einbildungskraft geschmeidig genug ist, mich in alle Schlupfwinkel von verfallenem Gemäuer, über Berg und Klüfte zu begleiten, so will ich's auch noch wagen, Dich bei mir einzuführen; ich bitte also: komm, nur immer höher, drei Stiegen hoch hier in mein Zimmer, setz Dich auf den blauen Sessel am grünen Tisch, mir gegenüber; ich will Dich nur ansehen, und Goethe! folgt mir Deine Einbildungskraft immer noch? Dann mußt Du die unwandelbarste Liebe in meinen Augen erkennen, mußt jetzt liebreich mich in Deine Arme ziehen; sagen: »So ein treues Kind ist mir beschert, zum Lohn, zum Ersatz für manches. Es ist mir wert dies Kind, ein Schatz ist mir's, ein Kleinod, das ich nicht verlieren will.« Siehst Du? Und mußt mich küssen; denn das ist, was meine Einbildungskraft der Deinigen beschert.

Ich führ Dich noch weiter; tritt sachte auf in meines Herzens Kammer; hier sind wir in der Vorhalle; große Stille! Kein Humboldt, kein Architekt, kein Hund, der bellt. Du bist nicht fremd; geh hin, poch an es wird allein sein und »herein!« Dir rufen. Du wirst's auf kühlem, stillem Lager finden, ein freundlich Licht wird Dir entgegenleuchten, alles wird in Ruh und Ordnung sein, und Du willkommen. Was ist das? Himmel! Die Flammen über ihm zusammenschlagend! Woher die Feuersbrunst? Wer rettet hier? Armes Herz! Armes notgedrungenes Herz. Was kann der Verstand hier? Der weiß alles besser und kann doch nichts helfen, der läßt die Arme sinken.

Kalt und unbedeutend geht das Leben entweder so fort, das nennt man einen gesunden Zustand; oder wenn es wagt auch nur den einzigen Schritt tiefer ins Gefühl, dann greifen Leidenschaften brennend mit Gewalt es an, so verzehrt sich's in sich selber. Die Augen muß ich zumachen und darf nichts ansehen, was mir lieb ist. Ach! Die kleinste Erinnerung macht mich ergrimmen in sehnendem Zorn, und drum darf ich auch nicht immer in Gedanken Dir nachgehen, weil ich zornig werde und wild. Wenn ich die Hände ausstrecke, so ist's doch nur nach den leeren Wänden, wenn ich spreche, so ist's doch nur in den Wind, und wenn ich endlich Dir schreibe, so empört sich mein eigen Herz, daß ich nicht die leichte Brücke von dreimal Tag und Nacht überfliege und mich in süßester, der Liebe ewig ersehnter Ruhe zu Deinen Füßen lege.

Sag, wie bist Du so mild, so reichlich gütig in Deinem lieben Brief; mitten in dem hartgefrornen Winter sonnige Tage, die mir das Blut warm machen; was will ich mehr? Ach, so lang ich nicht bei Dir bin, kein Segen.

Ach, ich möchte, sooft ich Dir wieder schreibe, auch wieder Dir sagen: wie und warum und alles; ich möchte Dich hier auf den einzigen Weg leiten, den ich einzig will, damit es einzig sei und ich nur einzig sei, die so Dich liebt und so von Dir erkannt wird.

Ob Liebe die größte Leidenschaft sei und ob zu überwinden, versteh ich nicht, bei mir ist sie Willen, mächtiger, unüberwindlicher.

Der Unterschied zwischen göttlichem und menschlichem Willen ist nur, daß jener nicht nachgibt und ewig dasselbe will; unser Wille über jeden Augenblick fragt: »Darf oder soll ich?« Der Unterschied ist, daß der göttliche Wille alles verewigt und der menschliche am irdischen scheitert; das ist aber das große Geheimnis, daß die Liebe himmlischer Wille ist, Allmacht, der nichts versagt ist.

Ach, Menschenwitz hat keinen Klang, aber himmlischer Witz, der ist Musik, lustige Energie, dem ist das Irdische zum Spott; er ist das glänzende Gefieder, mit dem die Seele sich aufschwingt, hoch über die Ansiedelungen irdischer Vorurteile, von da oben herab ist ihr alles Geschick gleich. Wir sagen, das Schicksal walte über uns? Wir sind unser eigen Schicksal, wir zerreißen die Fäden, die uns dem Glück verbinden, und knüpfen jene an, die uns unselige Last aufs Herz legen; eine innere geistige Gestalt will sich durch die äußere weltliche bilden, dieser innere Geist regiert selbst sein eigen Schicksal, wie es zu seiner höheren Organisation erforderlich ist.

Du mußt mir's nicht verargen, wenn ich's nicht deutlicher machen kann, Du weißt alles und verstehst mich und weißt, daß ich recht habe, und freust Dich drüber.

Gute Nacht! Bis morgen gute Nacht, alles ist still, schläft ein jeder im Haus, hängt träumend dem nach, was er wachend begehrt, ich aber bin allein wach mit Dir. Draußen auf der Straße kein Laut mehr ich möchte wohl versichert sein, daß in diesem Augenblick keine Seele mehr an Dich denkt, kein Herz einen Schlag mehr für Dich tut, und ich allein auf der weiten Welt sitze zu Deinen Füßen, das Herz in vollen Schlägen geht auf und ab; und während alles schläft, bin ich wach, Dein Knie an meine Brust zu drücken, und Du? Die Welt braucht's nicht zu wissen, daß Du mir gut bist.

Bettine

weiter

Goethe Romane


Bühnenstücke

Keine Kommentare: