> Gedichte und Zitate für alle: Hermann Türck: Goethe und sein Faust -Vorwort

2019-10-21

Hermann Türck: Goethe und sein Faust -Vorwort



Vorwort.

Die folgenden, bereits im Jahre 1909 niedergeschriebenen Ausführungen bilden im wesentlichen eine Ergänzung meiner Erklänmg von Goethes „Eaust", wie sie in meinen beiden Werken „Der geniale Mensch" und „Faust, Hamlet, Christus" enthalten ist. Besonders Goethes Beziehungen zur reinen Mystik Meister Eckeharts imd Spinozas und die Ausschlag gebende Rolle, die diese reine Mystik bei der Entstehung von Goethes „Faust" gespielt hat, dürften gerade in unserer Zeit mit ihrer Sehnsucht nach einer Vertiefung des religiösen Lebens die Teilnahme vieler erwecken. Während ich aber alles das, was sich auf Goethes „Faust" bezieht, in den wesenthchen Punkten nur eigenen Quellenstudien und eigenem Nachfühlen und Nachdenken verdanke, habe ich vieles andere in diesen Ausführimgen erst aus zweiter Hand genommen. Namentlich ,, Goethes Leben" von Heinrich Düntzer ist von mir an zahlreichen Stellen benutzt worden, an einigen wenigen auch das schöne Werk meines Freundes Albert Bielschowsky. In meiner Auffassung des „Faust" aber vermochten mir weder Düntzer, mit dem ich noch in Briefwechsel gestanden habe, noch Bielschowsky, mit dem ich auf Spaziergängen und daheim mich viel darüber unterhalten habe, zu folgen. Düntzer erklärt (,, Goethes Faust. Zweiter Teil. Fünfte neu bearbeitete Auflage. Leipzig, 1900, S. 307"): „Unbegreiflich bleibt mir, wie der feine Hermann Türck in dem Buch ,Der geniale Mensch' glauben konnte, die Sorge nehme von Faust Besitz, da diese sich vielmehr mit einem ärgerHchen Fluche von ihm abwendet."

Eine neue Zeit mit ihren neuen, vertieften religiösen Ansprüchen wird aber auch von neuem imstande sein, das alte Problem der Mystik und zugleich das Thema von Goethes „Faust", die Frage des Verhältnisses des Endlichen zum Ewigen, in seiner ganzen Bedeutung zu erfassen. So möge denn auch dieses Buch hinausgehen in die Welt und Herzen suchen und finden, die mit dem Verfasser der , .Nachfolge Christi" danach streben, „zwischen vielen Sorgen gleich als ohne Sorgen zu wandeln".

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