> Gedichte und Zitate für alle: J.Wolfgang von Goethe- [Adam gegen Creditores] (24)

2019-10-28

J.Wolfgang von Goethe- [Adam gegen Creditores] (24)



J.Wolfgang von Goethe
[Adam gegen Creditores]

[Frankfurt, 24. Oktober 1774]

Wohl- und HochEdelgeborne Gestrenge Fest und Hochgelahrte Hochfürsichtige und Hochweise Herren; Großgünstig Hochgebietend und Hochgeehrteste Herren Gerichts Schultheiß und Schöffen! Endes unterzogene nunmehro beeidigte Vormünder der unmündigen Adamischen Kinder wollen sogleich wegen dem von Herrn Curatore bonorum getanen Vergantungs Vorschlag des Hauses und des Kirchenplatzes betreffend ihre Einwilligung nach Maßgabe der schon am 17ten Junii h. a. von denen majorennen Kindern geschehenen Erklärung dahin gehorsamst vorlegen: Daß eine solche Verkaufung jedoch ohne Präjudiz unserer ohnedas höchst verkürzten Pupillen geschehen möge, wie wir denn abermals um Deposition auf Löbl. Rechenei der daraus zu erlösenden Gelder Salvo jure cujuscunque untertänig angehalten, und unsere Pflegbefohlene Ew. HochAdel. Gestrengen und Herrlichkeiten p Obervormundschaftlicher Milde rekommendiert haben wollen. Darüber Lebenswürig verharrend. Euer Hochadel. Gestrengen und Herrlichkeiten p untert'g treu gehorsamste Jacob Ludwig Gerock Johann Maximilian Wasserhun JW Goethe Lt.

[Frankfurt, 2. Dezember 1774] 

Wohl und HochEdelgeborne, Gestrenge, Hoch Edle Fest und Hochgelahrte Wohlfürsichtige Hoch und Wohlweise Sonders Grg. Hochgeehrteste und Hochgebietende Herrn Stadt Schultheiß und Schöffen Gegnerische von allen Seiten ungegründete Exceptiones kürzlich zu beantworten, soll gegenwärtig unser Augenmerk sein. Dieselbe bemühen sich vergebens, die Gesetze zu ihrem Vorteile, auszulegen, und das factum zu verstellen, um gegen uns zu widriger Erkanntnis Ew. Hochadel. Gestr. und Herrl. zu bewegen. So enthalten denn die angeführten Reformations Stellen nichts, was denenselben zu statten kommen könne. Ein Gesetz kann nicht weiter gedeutet werden, besonders zum Nachteil einer Partei, als dessen bestimmte Worte gehen, und sich aus denen Umständen auf die Rationem legis schließen läßt. In besagten Stellen, wird einigen Weibern das Beneficium separationis abgesprochen, von denen Behauptungen, mehrerer Rechtsverständigen nicht zu gedenken, wollen wir nur bei denen Worten der Reformation stehen bleiben, wo es im dritten Teil Tit. 7. § 20. also lautet: daß Handwerksleute das Beneficium Separationis nicht haben, sondern daß ihnen, was sie in ihrem Handwerk und Tun, davon sie sich beide ernähren, erzeugen, und einkaufen, oder aufborgen, gemein seie. Aus diesen Worten erhellet Ratio Legis sogleich. Weil nämlich bei dem Betriebe eines Handwerks Mann und Frau meist unzertrennt arbeiten, zusammen erwerben, und zusammen verzehren, dergestalt, daß eine Separation und Unterscheidung, was durch eines von beiden erworben oder verwendet worden, unmöglich ist, so ist auch verfüget, daß gleichwie eins mit dem andern die Wirtschaft geführt, also auch eins mit dem andern haften solle.
Wie lässet sich solches nun auf gegenwärtigen Fall anwenden. Ein Vater hat eine Vormundschaft, ist dieses unter Handwerk und tun zu verstehen, und wie die Worte weiter heißen; er schaltet mit dem Gelde, so daß er nach Zeiten in Abgang seiner Cassa gerät, kann hiervon der Frau was imputiert werden? Gehöret Vormundschaft mit zur gemeinen Nahrung, führet die Frau die Vormunds- Rechnungen und die Kasse? Keineswegs! Also fället die Ratio legis weg, was der Mann verschlissen hat, kann ihr nicht imputiert werden, und das Beneficium bleibet ihr, und folgl. ihren Kindern unangefochten.
Doch hätten wir auch darüber nicht weitläufig zu sein nötig gehabt, die Zeit des Verfalles der Vätterlichen Wirtschaft gehet von dem Tode unserer Mutter an, und so ist höchst falsch, was Gegenteil behaupten will, auch unsere Mutter sel. habe durch ihr Betragen die Pupillen Gelder mit verwenden helfen.
Alles dieses sei nur zu Beantwortung der gegnerischen Einstreuungen im vorbei gehen gemeldet, ohne im geringsten uns deswegen einlassen, oder einige Obliegenheit über uns nehmen zu wollen, Hauptsächlich kommt es auf die Gültigkeit unserer Forderung an, die wir teils bescheinigt, teils die Art, wie das weiter unumstößlich zu beweisen seie, in unserm Liquidations Rezesse vom 15. Jul. 1774. getan, welches denn auch weder von Herrn Curator bonorum, noch von Gegnern, wider sprochen worden, noch wider sprochen werden kann. Wir inhärieren daher unseren retro petitis ganz untertänig. In unsern höchst verlassenen Umständen nobile officium iudicis humillime implorando. Worüber wir in unablässiger Ehrfurcht verharren. Ew. Hochadel. Gestr. und Herrl. untertänige Johann Nicolaus Alex. Rössing Procur. ordin. mand. no'ine. JWGoethe Lt.
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