> Gedichte und Zitate für alle: J.Wolfgang von Goethe- [Haas gegen Hamburger] (26)

2019-10-29

J.Wolfgang von Goethe- [Haas gegen Hamburger] (26)



J.W.v.Goethe
[Haas gegen Hamburger]
[Frankfurt, 6. März 1775]

Wohl- und HochEdelgeborne Gestrenge Fest und Hochgelahrte Hochfürsichtige und Hochweise Herren; Großgünstig Hochgebietend und Hochgeehrteste Herren Gerichts Schultheiß und Schöffen! Es kann mir hinreichend sein, daß Ew. HochAdel. Gestrengen p diejenige Besorgnis die ich in meinem untertänigen Exhibito vom 28ten Nov: vorigen Jahrs bezeigt, für unbedeutend erklären. Ich mußte mich wegen dieses Punktes in Sicherheit stellen um nicht an dem bald zu hoffenden Ende dieser Rechts- Sache, aufs neue von einem arglistigen Gegenteil aufgezogen zu werden.

Ein venerl. Dekr: vom 22t Februarii dieses Jahres setzet mich nun außer Sorgen, Hochdieselben halten Gegnern zu Führung gegenwärtiger Klage wider mich hinlänglich legitimiert, und so kann mir hierüber weiters keine Schikane gemacht werden.

Dahero ich mich denn schuldigst zur auferlegten Duplik und respektive Replik sogleich zu wenden habe.

Gegnerische Replikschrift führet in sich selbst ihre Widerlegung. Die darin verfaßte Geschichts Erzählung bekräftiget die meine, kein einzig Argument entkräftiget die meinigen, wie ich solches kürzlich der Deutlichkeit wegen Punktweise ausführen will.

Gegner gibt zu es sei dieses Stübgen der einzige Weg ins HinterHaus, es seie von jeher dazu gebraucht worden, und so mit wird zugleich alle Forderung an mich gehoben. Ich muß da das Hinterhaus mein gehört einen Eingang ins Hinterhaus haben, den mach ich nun bloß als Durchgang oder zugleich als Stube gebrauchen. Wenn nun auch an solche, Küche, Vorplatz pp stoßen, so ist das nach der Lage und Einrichtung eines Hauses natürlich, kann man aber deswegen sagen, daß diese Letztere Plätze zur Stube gehören? Kann man dadurch beweisen, daß Sie dem ohnerachtet kein Durchgang seie? Kommt nun noch hinzu daß ich solches Haus nicht etwa privatim, sondern aus den Händen einer Hohen Obrigkeit gekauft, und eben so übergeben bekommen, als ich's jetzo besitze, so ist der Gegnerische Mutwill auf einmal aufgedeckt. Welchen merkwürdigen Punkt, ich besonders zu erwägen bitte.

Wie ich das Hinterhaus gekauft habe, wie mir solches samt dem nunmehro strittigen Eingange übergeben worden, steht es noch, nicht die mindeste Veränderung ist vorgegangen, wie Gegner selbst eingestehen muß, und somit kann nicht der geringste Anspruch an mich gemacht werden.

Wie übereilt ist daher das Ansinnen: ich solle von Klägers Kuranden einen Platz kaufen, und aus diesem einen Gang zu meinem Hinterhause auf meine Kosten machen lassen.

Als ich das Hinterhaus durch öffentlichen Kauf an mich brachte, kaufte ich also keinen Gang zu selbigem mit, wozu sollte mir es dienen, wie sollt ich hinein kommen, und erst jetzo nach so vieler Zeit soll ich dasjenige kaufen ohne welches der Kauf des Hinterhauses nie hätte vor sich gehen können. So vergeht man sich und zeigt seine Blöße wenn man eine böse Sache verteidigt.

Was denn nun den Vertrag, der von mir mit Klägers Kuranden geschlossen worden sein soll betrifft, ist mir nichts bekannt, und würde Gegnern auch solchen aufzuweisen höchst schwer fallen.

Welcher Assertion ich denn gleich übrigen Einstreuungen mit allgemeinem Widerspruch begegne; So erhält denn auch die Rechtmäßigkeit meiner Widerklage ihre vollkommene Bestätigung.

Gegner gestehet daß das Vorderhaus um 30 Rtlr. im Vermieten besser seie als das HinterHaus, er gestehet, daß ich meine Hälfte der Benutzung desselben seinen Kuranden überlassen; aus dem vorigen ergibt sich daß ich von Ihnen kein Äquivalent empfangen; und daß ein Vertrag deswegen gemacht worden ist, ein fälschliches Vorgeben; also folgt ganz klärlich, daß sie mir die Entrichtung des Überschusses, rückgebetenermaßen schuldig sind.

Dahero ich nur schließlich Retro petita untertänigst wiederholen und nebst Vorbehalt aller verursachten Kosten es allenfalls Ew. HochAdel. Gestrengen und Herrlichkeiten p dijudicatur anheim stelle, ob Hochdieselben auf Kosten des unterliegenden Teils eine Besichtigung des Platzes durch Geschworne Meister vornehmen zu lassen geruhen mögten.

Durch welches alles ich bezeige, wie sehr ich meiner guten Sache vertrauen kann. Worüber p. Euer Hochadel. Gestrengen und Herrlichkeiten p untertäniger Seelig Haaß.

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