> Gedichte und Zitate für alle: J.Wolfgang von Goethe- [In Sachen v. Klettenberg Verlassenschaft] (28)

2019-10-29

J.Wolfgang von Goethe- [In Sachen v. Klettenberg Verlassenschaft] (28)



[In Sachen v. Klettenberg Verlassenschaft]

[Frankfurt, 7. April 1775] 

Wohl- und HochEdelgeborne Gestrenge Fest und Hochgelahrte Hochfürsichtige und Hochweise Herren; Großgünstig Hochgebietend und Hochgeehrteste Herren Gerichts Schultheiß und Schöffen! Nachdem die Herren Vorsteher der Reformierten Deutschen Diakonie, sich gehorsamst erboten, zu fordersamster Erhebung der von Klettenbergischen Verlassenschaft, und baldiger nützlicher Einrichtung ihres dabei zu beobachtenden Administrations-Geschäftes, bis zu Rückkunft der Ediktal Zitation, und würklicher Immission derer Testaments Erben, eine hinreichende Kaution zu leisten; Ew. HochEdelgeb. Gestrengen und Herrlichkeiten aber durch ein venl. Dekret von Iten hujus solchem Gesuch keine Statt zu geben geruhet; So siehet sich endes unterzeichneter Namens seines Herrn Prinzipals genötiget, Ew. HochAdel. Gestrengen und Herrlichkeiten p abermals mit gegenwärtiger Vorstellung geziemend anzugehen, und Hochdenenselben die Ursachen dringlich vorzulegen, welche sowohl von Seiten des Herrn von Trümbachs als auch derer Herren Diakonorum die Beschleunigung der Sache höchstens wünschen machen. 

Man hat bis jetzo das Sterbhaus worinnen sich die gänzliche, nunmehr inventierte Verlassenschaft, zwar unter Gerichtlichem Siegel befindet, nicht ohne Aufsicht lassen dürfen, daher der Lohn und die Verköstigung, der sich daselbst noch aufhaltenden Mägde, immer fortgehet; Wie nicht weniger der Hauszins bei zu Ende laufender Miete der Masse weiters zur Last fallen muß. 

Eben so ist die Besorgung der ausstehenden Wechsel und anderer Schulden, die Einnahme und Verwahrung der Interessen u.s.w. durch den Herrn Gerichts Substituten, vieler Weitläufigkeit unterworfen. 

Ferner ist verschiedener besonders auf den Böden befindlicher Hausrat, wornach niemand sehen kann, namentlich das schwarze Gerät, und Betwerk, bei längerm Aufschube mannigfaltiger Beschädigung ausgesetzt. 

Wie denn auch vorzüglich derjenige Zustand in Betracht zu nehmen, in welchem sich die gegenwärtig noch lebende Fräulein von Klettenberg im WeißfrauenKloster befindet. Es ist solche nämlich von ihrer Sel. Nichte mit einer jährlichen Pension, aus vielen Rücksichten bedacht worden, deren zu Erleichterung der Beschwerlichkeiten ihres hohen Alters vorzüglich bedarf, und welche sie dem Anschein nach nicht lange genießen dürfte. Nun kann ihr das laufende dieser Ausgeworfenen nicht gereicht werden, bis die Diakonie ihre Administration würklich angetreten, worüber Sie sich in ziemlicher Verlegenheit befindet, und zu fürchten stehet, wenn Ew. HochAdel. Gestrengen und Herrlichkeiten nicht ein günstiges Einsehen nehmen, daß der pflichtvolle Wille der Sel. die letzten Tage ihrer geschätzten Tante so erträglich als es sein kann zu machen, gänzlich vereitelt werde. 

Unter welchen Umständen endes unterzeichneter im Namen seines Herrn Prinzipals, seine geh'ste Bitte, mit derjenigen derer Herren Diakonorum zu vereinigen, und dahin zu erlassen hat: Hochdieselben geruhen das getane Kautions Erbieten Hochgeneigtest statt finden, und bei ohne des notorischer Beschaffenheit der quaest. Verlassenschaft da Citatio edictalis nur als Formalität eintritt, die Administrations Verwendung mehrgedachter Herrn ihren baldigsten Anfang nehmen zu lassen. Der ich. p Euer Hochadel. Gestrengen und Herrlichkeiten p. Treu geh'samer 
JWGoethe Lt



[Frankfurt, 21. April 1775] 

Wohl- und HochEdelgeborne Gestrenge Fest und Hochgelahrte, Hochfürsichtige und Hochweise Herren; Großgünstig Hochgebietend und Hochgeehrteste Herren Gerichts Schultheiß und Schöffen! Euer Hochadel. Gestrengen und Herrlichkeiten p siehet sich endes benannte genötigt, die beschwörliche Umstände vorzustellen, in welche Sie ganz unvermutet zu ihrer größten Beängstigung gesetzt worden.

Die Verlassenschaft der Sel. Fräulein Susanna Catharina von Klettenberg ist wie bekannt noch unter gerichtlichem Beschluß, und da in selbiger all mein Vermögen und all mein zeitiger Unterhalt begriffen; So können Ew. Hoch-Adel. Gestrengen und Herrlichkeiten p von Selbst ermessen, in welchen traurigen Zustand ich mich am Ende meiner Tage versetzt sehe. 

Es vermacht mir nicht allein in ihrem letzten Willen gedachte Sel. Fräulein eine jährliche Pension von 144 fl. vierteljährig mir aus der Masse zu entrichten, sondern Sie bekennet auch daß Sie von mir die Summe von 550 fl. in Händen und anderwärts zu meinem Nutzen ausgeliehen habe. Von dem ersteren Legate zu schweigen, davon also würklich schon ein Termin läuft, ist es ganz außer allen Zweifel, daß gedachtes Kapital mir früh oder spat werden muß: Nun befinde ich mich aber am Ende meiner Laufbahn, ungewiß wie lange mir das Leben noch wird gefristet werden, in der völligen Entbehrung desjenigen sowohl was mein eigen ist, als auch dessen was mir durch die Liebe meiner Anverwandtin zu Erleichterung meiner alten Tage verschafft worden. Wenn nun Hochdieselben keine günstige Einsicht hierin nehmen wollen; so sehe ich mich auf das unerhörteste zurückgesetzt.

Der Unterhalt den mir das Kloster reicht, ist zwar der notwendigste, allein die Verpflegung die meine Körperliche Umstände erfordern, muß aus dem meinigen bestritten werden, die mir jetzo gänzlich abgehet.

Aus diesem zusammen werden Hochdieselben genugsam erkennen, wie gerecht die Bitte sei welche ich bei fortdauerndem Verschluß der von Klettenbergischen Erbschaft an Ew. HochAdel. Gestrengen und Herrlichkeiten p. geziemend und dringlich ergehen lasse: Hochdieselben geruhen dem Herrn Gerichts-Substituten Hochgeneigtest aufzutragen, mir aus dem bar vorrätigen Gelde 50 fl. auf Abschlag des mir gebührenden Kapitals von 550 fl. gegen Quittung einzuhändigen, wie nicht weniger die anjetzo fällige Interessen davon mit abzutragen, und mich durch diese großg. Verfügung bei welcher nicht die mindeste Gefährde obwaltet aus einer Situation zu versetzen in der ich ohnmöglich länger existieren kann. Worüber pp Euer Hochadel. Gestrengen und Herrlichkeiten p gehorsame Maria Franscisca v Klettenberg JWGoethe Lt
Briefwechsel Schiller und Goethe


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