> Gedichte und Zitate für alle: J.Wolfgang von Goethe-juristische Schriften: [Horn gegen Luther] (15)

2019-10-27

J.Wolfgang von Goethe-juristische Schriften: [Horn gegen Luther] (15)



[Horn gegen Luther]


Frankfurt, 13. April 1774

Wohl-und HochEdelgeborne Gestrengen Fest und Hochgelahrte Hochfürsichtige und Hochweise Herren; Großgünstig Hochgebietend und Hochgeehrteste Herren Gerichts Schultheiß und Schöffen! In außen rubrizierter Sache ist unterm 23ten Martii ein so gravierlicher als venerierlicher Burgermeisterlicher Bescheid ergangen, von welchem sogleich unterm 31ten Ejusdem mit geziemendem Respekt an Ew. HochAdel. Gestrengen und Herrlichkeiten p Provokation interponieret worden, welche anjetzo innerhalb des rechtlichen Termins zu introduzieren und meine Gravamina Ordnungsgemäß darzulegen gedenke.

Zuvörderst werden Ew. HochAdel. Gestrengen und Herrlichkeiten p aus dem meinem Klag-Rezesse beigebogenen Procuratorio sattsam erkennen, wie ich meine innhabende Gewalt gehörig legitimiert habe, sodann ergibt sich eben so leicht die Rechtmäßigkeit der Forderungen meines Prinzipals. Herr Amtmann Luther, verblieb als er im Jahre 1756 Göttingen verließ demselben eine Rechnung von 62. Rh. 7. ggr. 4 Pf. schuldig, welche er wie aus seinem Einwendungs-Rezeß ersichtlich weder leugnet, noch auch in Abrede ist, daß deshalben von Principali diese Zeit her mehrmalen Anregung geschehen. Ja was noch mehr ist, er gestehet: weder diese Schuld selbst bezahlt, noch auch irgend jemand einigen Auftrag zu Entrichtung derselben gegeben zu haben; was ist also klärer, als daß die Schuld nicht abgetragen worden. Ganz unerwiesen und ohngegründet ist dagegen die Einwendung, als seie von Herrn Beklagten elterlicher Seite an Prof. Thomson sel. die Berichtigung solcher Schuld kommittieret worden. Denn erstlich so fragt sich, ob solches geschehen, zweitens, ob Prof. Thomson den Auftrag über sich genommen, und letztens ob er selbigen würklich ausgerichtet, welches letztere er vorzüglich seinen Kommittenten mit einer Quittung zu belegen hatte.

All diese drei Requisita lassen sich nicht vermuten, vielmehr müssen sie auf das strengste dargetan werden. Keines ist von Herrn Beklagten geschehen, vielmehr sucht sich derselbe durch allgemeine Assertionen von der Schuld loszumachen. Unter solchen Verhältnissen, brauch ich wohl nicht mit vielem das gravierliche obgemeldten Bescheides darzutun.

Es weiset derselbe, bewandten besondern der Sache Umständen nach meinen Prinzipal mit seiner angebrachten Klage ab.
Die Wichtigkeit des Gravamens fällt ohne weiters, jedermann in die Augen.

Hier ist ein Kreditor der eine Schuld einklagt, die der Debitor kontrahiert zu haben eingesteht, und dabei bekennt, daß er solche nicht bezahlt habe, auch von geschehener Bezahlung keinen Schein, vielweniger Bescheinigung darzulegen im Stande ist, vielmehr sich mit allgemeinem leugnen und asserieren auszuhelfen sucht; und dieser Kreditor wird so gerade ab- und zur Ruhe verwiesen!

Man enthält sich aus schuldigem Respekt irgend einer weitern Exaggeration, Untersuchung und Ausdeutung eines solchen Verfahrens, vielmehr ist man der Gerechtigkeit seiner Sache so gewiß, daß man sich ohne Weitläuftigkeit nunmehr die gehorsamste Bitte an Ew. HochAdel. Gestrengen und Herrlichkeiten p ergehen zu lassen für befugt hält: Hochdieselben geruhen mehrgemeldten venerierlichen Bescheid dahin Hochrichterlich zu reformieren, daß Beklagter Herr Amtmann allerdings schuldig seie, die eingeklagte geständige Rechnung mit Interessen, und gegenwärtigen Prozeß Kosten abzutragen. 

Worüber p Euer Hochadel. Gestrengen und Herrlichkeiten ganz geh'ster JWGoethe Lt.


[Frankfurt, 9. Mai 1774] 

Wohl- und HochEdelgeborne Gestrenge Fest und Hochgelahrte Hochfürsichtige und Hochweise Herren; Großgünstig Hochgebietend und Hochgeehrteste Herren Gerichts Schultheiß und Schöffen! Die durch ein venerierl. Dekret d. d. 16. April insinuiert d. 20ten Ejusdem außen rubriziertem Herrn Gegner anberaumte Frist von Acht Tagen ist ohne dessen exzeptivische Vernehmlassung verbei gestrichen; Daher mein ganz gehorsamstes Bitten dahin ergehet: Hochdieselben geruhen nunmehro den andern Präjudizial Termin großg. Fest zu setzen.

Der ich pp Euer Hochadel. Gestrengen und Herrlichkeiten p Treu geh'ster JWGoethe Lt 

[Frankfurt, 20. Juni 1774]

Wohl- und HochEdelgeborne Gestrenge Fest und Hochgelahrte Hochfürsichtige und Hochweise Herren; Großgünstig Hochgebietend und Hochgeehrteste Herren Gerichts Schultheiß und Schöffen! Die durch das venerierliche Dekret vom 11ten Mai insin: 13. Ejusdem Herrn Gegnern anberaumte Terminus praejudicialis ist nunmehro auch längst verstrichen, ohne daß selbiger gedacht sich mit gehorsamster Folgeleistung einzustellen; daher mein geziemendes Bitten an Ew. HochAdel. Gestrengen und Herrlichkeiten p hiermit ergehet: Hochdieselben geruhen Terminum praeclusivum Hochrichterlich anzusetzen, und somit Principalis gerechter Sache Großg. zu befördern.

Der ich p Ew HochAdel. Gestrengen und Herrlichkeiten p gehorsamster JWGoethe mandat. noe.



[Frankfurt, 13. Juli 1774]

Wohl- und HochEdelgeborne Gestrenge Fest und Hochgelahrte Hochfürsichtige und Hochweise Herren; Großgünstig Hochgebietend und Hochgeehrteste Herren Gerichts Schultheiß und Schöffen! Euer Hochadel. Gestrengen und Herrlichkeiten, p. haben auf außen rubrizierten Herrn Gegners eingereichte Einwendungen unterm 6ten Juli ins. 9. zu dekretieren geruhet: »daß nunmehro die Akten ad referendum gegeben werden sollten.« Weilen ich aber von der gegenwärtigen Lage der Sache sowohl meinem entfernten Prinzipalen unumgänglich Rechenschaft zu geben habe, als auch replicando einiges zu versetzen Höchstnötig finde; So ergehet, da ich noch über das nächstens auf einige Wochen nach dem Bade reise, an Ew. HochAdel. Gestrengen und Herrlichkeiten p mein ganz gehorsamstes Bitten: Hochdieselben geruhen mir veniam replicandi und zugleich einen Vier Wöchentlichen Termin, zu Beibringung meiner weiteren rechtlichen Ausführung großg. zu gestatten.

Der ich Euer Hochadel. Gestrengen und Herrlichkeiten. p. ganz gehorsamster JWGoethe Lt
Briefwechsel Schiller und Goethe



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