> Gedichte und Zitate für alle: J.Wolfgang von Goethe-juristische Schriften: [Maigret gegen Stöcken] (13)

2019-10-26

J.Wolfgang von Goethe-juristische Schriften: [Maigret gegen Stöcken] (13)



[Maigret gegen Stöcken]

Frankfurt, 18. März 1774 

Wohl- und Hochedelgeborne Gestrenge Fest und Hochgelahrte Hochfürsichtige und Hochweise Herren; Großgünstig Hochgebietend und Hochgeehrteste Herren Gerichts Schultheiß und Schöffen! Ich sehe mich genötiget Ew. HochAdel. Gestrengen und Herrlichkeiten p die ungemeine Verwegenheit anzuzeigen, wodurch außen rubrizierter Gegner von einer Zeit zur andern diesen Rechts-Handel zu verschleifen sucht. 

Sein Revisions-Gesuch ist ohne das schon so unerwartet, und ungehörig, und noch dazu erkühnet er sich eine Frist bei Ew. HochAdel. Gestrengen und Herrlichkeiten p durch das Vorgeben zu erschleichen: als stehe er mit meinem Prinzipal in Traktaten. 

Nun müßte ich als Anwalt doch vorzüglich von solch einer Handlung benachrichtiget sein, allein sowohl ich, als mein Prinzipal sind weit davon entfernt. 

Ich empfange von demselben so eben einen Brief unterm dato des zweiten Märzen, worin er nicht allein von einem vorseienden Vergleich nicht das geringste meldet, vielmehr aufs neue die Betreibung seiner so gerechten Sache empfiehlt.

Ein solches sehe mich genötigt Ew HochAdel. Gestrengen und Herrlichkeiten gehorsamst anzuzeigen, mit der geziemenden Bitte: Hochdieselben mögen Grg. geruhen, den nur auf Ausflüchten und Verzögernisse sinnenden Debitorem, soviel es möglich Hochrichterlich in Schranken zu halten, und ihn zu nötigen, falls er, wie ich doch nicht glaube sein Revisions-Gesuch durchsetzen wollte, damit auf das baldigste fürzufahren.

Worüber p Euer Hochadel. Gestrengen und Herrlichkeiten p gehorsamer JWGoethe Lt Mandatario no'e des Handelsmann Maigrett zu Aachen.

Daß ich auf Ansuchen des Handelsmanns Stöcken unterm 6ten April ein abermaliges Schreiben mit Vergleichs Vorschlägen, an meinen Prinzipal den Handelsmann Maigrett von Aachen habe abgehen lassen und nun dessen Antwort gewärtig bin, ein solches habe durch gegenwärtiges bescheinen wollen. Franckfurt am Mayn, den 7 Apr. 1774 JWGoethe Lt. Frankfurt, 25. April 1774

Wohl- und HochEdelgeborne Gestrengen Fest und Hochgelahrte Hochfürsichtige und Hochweise Herren; Großgünstig Hochgebietend und Hochgeehrteste Herren Gerichts Schultheiß und Schöffen! Euer Hochadel. Gestrengen und Herrlichkeiten p habe hierdurch geziemend anzeigen sollen, wie ich im Namen meines außen rubrizierten Prinzipals mit dessen Debitore über die in gegenwärtigem Rechtsstreit schwebende Summe dahin konveniert, daß ich jure et actione salvis vorerst eine abschlägige Zahlung von 25 fl. annehmen, wegen des Restes aber ihme einen doppelten Termin zur nächsten Herbst- und künftigen Ostermesse den ersten zu 30 fl., den andern von 20 fl. verstatten wolle. Welches ich hiermit pflichtschuldigst anzeige, und zugleich meine gehorsamste Bitte dahin richte: Hochdieselben geruhen diese meine gegenwärtige Erklärung grg. ad Acta zu legen, und statte für die bisher erteilte Justiz geziemenden Dank ab. Der ich pp Euer Hochadel. Gestrengen und Herrlichkeiten ganz geh'ster JWGoethe Lt. als Maigrettischer Anwalt.
Briefwechsel Schiller und Goethe


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