> Gedichte und Zitate für alle: J.Wolfgang von Goethe-juristische Schriften: [Will gegen König] (9)

2019-10-25

J.Wolfgang von Goethe-juristische Schriften: [Will gegen König] (9)



[Will gegen König]

[Frankfurt, 6. Dezember 1773] 

Wohl- und HochEdelgeborne Gestrenge Fest und Hochgelahrte Hochfürsichtige und Hochweise Herren; Großgünstig Hochgebietend und Hochgeehrteste Herren Gerichts Schultheiß und Schöffen! Euer Hochadel. Gestrengen und Herrlichkeiten p haben auf mein flehentliches Vorstellen, die gnädige Rücksicht dahin zu nehmen geruht, daß ein ansehnlicher Herr Burgermeister das Examen derer beiden noch hier befindlichen an dem mir verursachten Schaden schuldigen Becker Knechte verhören möge. Jetzo aber muß ich zu meinem äußersten Befremden vernehmen, daß dieselbe, vor kurzem, hiesige Stadt verlassen, und also ich meiner letzten Hoffnung beraubet worden. 

Da nun aus den bisher verhandelten Akten erhellet, daß die Schuld keines Weges an mir gelegen, sondern ich mich gleich nach beschehener Tat gemeldet, und doch dieser Aufschub mir so schädlich gewesen; auch ich bei meinem Alter und andern Verhältnissen, meine Notdurft besonders bei hereinbrechender Winters Zeit zu erwerben außer Stand gesetzt bin. 

So muß zu Hochdero Milde und Huld endlich meine Zuflucht nehmen, und mit der flehentlichsten notgedrungensten Bitte Euer HochAdel. Gestrengen und Herrlichkeiten untertänigst angehen: Hochdieselben geruhen, mir einige Vergütung meines unersetzlichen Schadens aus der Fülle Dero Gnade zu gewähren, und sodann einen zeitigen Beitrag aus denen zur Versorgung der Armen angelegten Milden Stiftungen, zu meinem künftigen Unterhalt Großg. zu verfügen. Der ich p Euer Hochadel. Gestrengen und Herrlichkeiten p untertäniger JJWill. 

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