> Gedichte und Zitate für alle: J.Wolfgang von Goethe-juristische Schriften: [Förstersche Kinder gegen Albrecht] (11)

2019-10-26

J.Wolfgang von Goethe-juristische Schriften: [Förstersche Kinder gegen Albrecht] (11)

[Förstersche Kinder gegen Albrecht] 

[Frankfurt, 28. Februar 1774]

Wohl- und HochEdelgeborne Gestrenge Fest und Hochgelahrte Hochfürsichtige und Hochweise Herren; Großgünstig Hochgebietend und Hochgeehrteste Herren Gerichts Schultheiß und Schöffen! Euer Hochadel. Gestrengen und Herrlichkeiten p ist es bereits mehr als zu wohl bekannt, wasmaßen Unsere außen bemerkte Pflegbefohlen durch ihre vorige Tutoren Schlund und Albrecht in unwiederbringlichen Vermögens Schaden gesetzt worden.

Diese beide unordentliche Haushalter, haben so gewirtschaftet, daß schier alle Unterpfänder und Obligationen ihres ohnehin geringen elterlichen Nachlasses wegen schlechter Beschaffenheit ausgeklagt werden mußten, welche unsern Pupillen, da sich kein Käufer gefunden, zur Last geblieben, so daß man noch ungewiß, was daraus zu erlösen. Und obgleich dieselben zum Teil bereits an die Schlundischen Masse gewiesen worden, auch wohl in mehreren Posten dahin Hochobrigkeitlich angewiesen werden dürften; so ist doch der Zeit noch unbekannt, in wie weit diese den Abgang zu ersetzen hinreiche. Indessen gehen die unerschwinglichen Prozeß-Kosten immerhin fort, und hat noch neuerlich und ganz unerwartet, die Wittib Albrechtin sotane klägliche Umstände dadurch vermehret, indem sie sich beifallen lassen die Auslieferung des wenigen Silberwerks und der Dokumenten unserer Pupillen ungebührlich zu versagen, und einer vermeintlichen Forderung wegen, ihres Seel. Mannes das jus retentionis sträflich zu exerzieren, da doch derselbe durch seine Fahrlösigkeit oft gedachte Pupillen mit ins Unglück stürzen helfen, und wovor nunmehro dessen Wittib, als unter andern durch Einforderung dieses wiewohl vermeintlichen Activi gerierten Erbin, haften muß.

In dieser Sache ist zwar vor Löbl. Kuratel-Amt bis zur Replik gehandelt worden, es will aber genannte Wittib Albrecht von wohlgedachtem Amte zu Übergebung ihrer noch zurückseienden Duplik Schrift nichts weiters angehalten werden, sondern auf unser Kontumazieren ist uns zur Antwort erteilt worden: Daß wir uns dieserwegen an einen Hochedlen Schöffen-Rat wenden mögten.

Daher Wir dieser Weisung zu Folge untertänig bitten daß Hochdieselben sich unserer überall bedrängten Pupillen gnädigst anzunehmen, somit vorerwähnte Albrechtische Wittib einsweilen zu Auslieferung sowohl des Silbers als der Dokumenten juxta Inventarium, salva actione solita, Hoch- Richterlich anzuhalten geruhen mögten.

Die Wir p. Euer Hochadel. Gestrengen und Herrlichkeiten p untert'g Treu geh'ste Johann Ludwig Kneusel Johann Andreas Heusser. JWGoethe Lt.

[Frankfurt, 11. April 1774]

Wohl- und HochEdelgeborne, Gestrenge Fest und Hochgelahrte Hochfürsichtige und Hochweise Herren; Großgünstig Hochgebietend und Hochgeehrteste Herren Gerichts Schultheiß und Schöffen! Ew: Hochadel. Gestrengen und Herrlichkeiten. p. haben unterm 7ten Mart h. a. Grg. dekretieret: daß sich außen rubrizierte Beklagte binnen 8 Tagen ohnfehlbar auf diesseitige untertänige Anzeige vernehmen lassen solle.

Nun ist aber dieser Termin längst vorüber, ohne daß Sie der Hochrichterlichen Auflage gebührend nachgekommen; So daß uns nichts mehr übrig bleibet, als Ew. HochAdel. Gestrengen und Herrlichkeiten p um Beendigung dieser, von Gegenteilen widerrechtlich erzwungenen Sache retro gebetnermaßen idque cum Refusione expensarum ganz gehorsamst und flehentlichst anzugehen;

Die Wir hiernächst in Lebenswürig tiefestem Respekt Verharren. Euer Hochadel. Gestrengen und
Herrlichkeiten pp. untert'g gehorsamste Johann Ludwig Kneusel
JWGoethe Lt

[Frankfurt, 30. April 1774]

Wohl- und HochEdelgeborne Gestrenge Fest und Hochgelahrte Hochfürsichtige und Hochweise Herren; Großgünstig Hochgebietend und Hochgeehrteste Herren Gerichts Schultheiß und Schöffen! Dero achttägige Termin ist der Frau Wittib Albrecht wieder im Ungehorsam hingelaufen, worin Sie bis ans Ende verharren dürfte; Wir beklagen unsere Pupillen über die maßen, da sich ihnen zu Wiedererhaltung des ihrigen so viele Schwürigkeiten im Weg legen und bitten daher um fördersamst Hochrichterliche Hülfe auf das geziemendste, in steter Veneration Verharrende.

Euer Hochadel. Gestrengen und Herrlichkeiten p untert'g geh'ste Johann Ludwig Kneusel Johann Andreas Heusser  JWGoethe Lt.


[Frankfurt, 27. Mai 1774] 



Wohl- und HochEdelgeborne Gestrenge Fest und Hochgelahrte Hochfürsichtige und Hochweise Herren; Großgünstig Hochgebietend und Hochgeehrteste Herren Gerichts Schultheiß und Schöffen! Euer Hochadel. Gestrengen und Herrlichkeiten p bitte wir Endes unterschriebene Vormünder flehentlichst, nunmehro wegen fruchtloser Verstreichung des praeklusivischen Termini diese Sache retro untertänig berührtermaßen in Contumaciam hochgeneigtest zu beenden, somit unsern durch ihre abgestorbene Vormünder äußerst benachteiligte Pupillen, nach Hochdero preiswürdigen Gerechtigkeits Liebe auch zu diesen Väterlichen Erbschafts-Stücken und sonstigem, nach dem Försterischen Inventario und Teilungs Rezeß, gerechtest zu verhelfen.

Worüber p Ew. HochAdel. Gestrengen und Herrlichkeiten p untertänige Johann Ludwig Kneusel Johann Andreas Heusser JWGoethe Lt 
Briefwechsel Schiller und Goethe


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