> Gedichte und Zitate für alle: J.Wolfgang von Goethe- [Rachel Wetzlar in Sachen Nathan Wetzlar gegen Creditores] (27)

2019-10-29

J.Wolfgang von Goethe- [Rachel Wetzlar in Sachen Nathan Wetzlar gegen Creditores] (27)

[Rachel Wetzlar in Sachen Nathan Wetzlar gegen Creditores] 

[Frankfurt, 20. März 1775] 

Wohl- und HochEdelgeborne Gestrenge Fest und Hochgelahrte Hochfürsichtige und Hochweise Herren; Großgünstig Hochgebietend und Hochgeehrteste Herren Gerichts- Schultheiß und Schöffen! In mehr als einer Rücksicht darf ich wagen Ew. HochAdel. Gestrengen und Herrlichkeiten p. mit gegenwärtiger untertänigen Vorstellung anzugehen.

Die Treue, der Eifer, womit ich von jeher mich der Nathanischen Geschäfte angenommen, und welcher nicht nachgelassen, seitdem sein Vermögen in den für ihn so Traurigen Zustand versetzt ist, verdienen eine huldreiche Beförderung da es gegenwärtig von Belohnung derselben die Rede ist. Auf meinen ad Protocollum Liquid: d. d. 22t. Februarii h. a. ganz gehorsamst eingereichten Rezeß, hat Herr Curator Bonorum sich dahin vernehmen lassen: daß selbiger, sich nicht eher als nach einer mit Herrn Reichs Fiskal genommenen Absprache darüber erklären könne, welches, soviel mir bewußt, bis jetzo noch nicht geschehen. 

Da ich aber sowohl in solchen Umständen bin, daß ich allein von meinem Verdienste leben muß, als auch es für mich höchst notwendig sein will, mich auswärts nach einer neuen Kondition umzusehen, nicht weniger ich meine Forderung nicht etwa als Kreditor, sondern als ein in laufenden Diensten der Masse stehender Diener formiere. Daher ich auch so lange bis zu meiner völligen Befriedigung das gewöhnliche Salarium fortzurechnen auf alle Fälle berechtigt bin. Welches mich jedoch nicht entschädigt, indem ich anderwärts bessern, und minder traurigen Verdiensts gewärtigen kann.

Daher mein untertäniges Bitten an Ew. HochAdel. Gestrengen und Herrlichkeiten p dahin gelanget: Hochdieselben geruhen des Herrn Curatoris Bonorum Erklärung großg. zu beschleunigen, und mir sodann nach meinem Rückwärts eingereichten Bitten, Hochrichterliche Gewährung zu verschaffen. Der ich in aller Untertänigkeit Verharre. Euer Hochadel. Gestrengen und Herrlichkeiten p untertäniger Nathan Höchster JWGoethe Lt 

[Frankfurt, 27. März 1775]

Wohl- und HochEdelgeborne Gestrengen Fest und Hochgelahrte Hochfürsichtige und Hochweise Herren; Großgünstig Hochgebietend und Hochgeehrteste Herren Gerichts Schultheiß und Schöffen! Für allen Dingen muß in gegenwärtigem Fall, zwischen Fiskus, und Fiskus, ein großer Unterschied gemacht werden. 

Denn es ist kein Zweifel, daß wann der gewöhnliche Fiskus eintritt, das ist gewisse rückständige Abgaben, oder sonstige Vorrechte prätendieret, demselben die in den Gesetzen zugeeignete Vorrechte gebühren dieser Fiskus aber kommt im gegenwärtigen Fall nicht vor, sondern hier wird unter dem Fisco, der Exekutor des Hochrichterlichen Strafbefehls verstanden.

Der Mann welcher gestraft worden, und dessen Vermögen mit so vielen Tausenden dem Allerhöchsten Kaiserlichen fisco, zugehen soll, ist der Nathan Aaron Wezlar. Hieraus fließet, daß der Fiskus sein Straf-Amt lediglich an dem Vermögen, des zu bestrafenden ausüben kann. 

Das Nathan Aaron Wetzlarische Vermögen hingegen kann nicht anders als nach Bezahlung derjenigen welche daran Ansprüche haben, gedacht werden, wann man nicht behaupten wollte, daß der Nathan Aaron Wezlar, nebst seinen Creditoribus, zu bestrafen seie. 

Es fällt also in dem gegenwärtigen Fall, der Streit wegen des Vorzugs-Rechts zwischen den Gläubigern des Wezlars und dem Kaiserlichen Fisco nicht nur weg, sondern jedweder Gläubiger dessen Forderung liquid ist, gehet demselbigen vor.

Nathan Aaron Wetzlar ist in Ansehung seiner Gläubiger ein ehrlicher Mann, dann er kann sie nicht allein alle bezahlen, sondern es bleibet noch von seinem Vermögen übrig, mithin ist bewandten Umständen nach, unter diesen keine Frage, von einigem Verfahren Super prioritate.

Dahingegen ist er in Ansehung des dem Fisco zu entrichtenden Quanti insolvent, mithin civiliter mortuus, der Kaiserliche Fiskus tritt nun an seine Stelle, und muß die Facta des Nathan Aaron Wezlar praestieren, wann er den Rest seines Vermögens, überkommen will.

Unter diesen, verdient die Erfüllung der Ehepakten ein vorzügliches Augenmerke. Nach diesem hat die Wetzlarische EheFrau 2000 fl. eingebracht, welche dann auch in so ferne sie ihr Illatum beschwöret, nicht widersprochen worden.

Sodann gehöret die derselben verschriebene Widerlage, samt dem damit verknüpften Witwensitz darzu, dann die Nathan Aaron Wezlarische Ehefrau hat vermöge den Rechten diesfalls nicht nur ein schweigendes Pfand sondern die hiesige Reformation, setzt dergleichen Prätensionen P. 1. Tit: 49. §. 11. ausdrücklich in die Neunte Klasse, Sie hat also nach der Intention des Wetzlarischen Herrn Curatoris bonorum, weder dem Fisco mit der Widerlage an Geld nachzustehen, noch in Betreff des zur Widerlage gehörigen Witwensitzes eine mehrere Bitte getan, da beides in hiesiger Reformation und zwar sub rubro von Vorgang der Kreditoren in der Exekution begründet ist.

Und so hätten die Einwendungen des Wezlarischen Herrn Curatoris Bonorum ad 1. et 2. ihre Abfertigung.

Was hingegen ad 3) die Geschenke betrifft, welche der Wetzlarische Hausfrau an ihrem Hochzeit-Tag gemacht worden, so sind von denjenigen welche ihr als Braut vor dem Hochzeit Tag privative gemacht worden, wohl zu unterscheiden, diese widerspricht der Herr Curator Bonorum nicht, sondern er will nur die an dem Hochzeit Tag geschehene Verehrungen beider nachherigen Eheleuten gemein wissen, und daher der Nathanischen Ehefrau, nur die Hälfte davon zu gestatten.

Nun ist es freilich an dem, daß die Hochzeit Geschenke dem Brautpaar zugleich den Rechten nach zukommen, sollte nun in der Judenschaft ein anderes versehen sein, so wäre durch ein Attestat der Gelehrten auch dieser Zweifel leicht gehoben, wobei jedoch der zu mehrerem Beweis der Wetzlarischen EheFrau, heimgeschobene Eid, mit beiden Händen zu akzeptieren ist.

ad 4.) fallen die Geschenke, die Sie währender Ehe von ihrem Mann bekommen, nach maßgab hiesiger Reformation P. III. Tit. V. keineswegs weg.

Sie sind nach den großen Einkünften, welche der Nathan Aaron Wetzlar gehabt, und auch nach seinen überkommenen ansehnlichen Mitteln sehr mittelmäßig, sie gereichen auch seinen Kindern eben so wenig, als seinen Creditoribus zum Nachteil, und sind zu einer Zeit seiner rechtschaffenen Frau verehret worden, wo an die jetzige Fatalitäten nicht zu gedenken war, mithin kann der Kaiserliche fiscus nicht behaupten, daß demselben einiges vorsätzliches Präjudiz dadurch zuzuziehen wäre, abgezwecket worden. 

Was ad 5.) von den Geschenken nicht mehr vorhanden ist, ist deswegen keinesweges für die Wezlarische EheFrau, für verloren zu achten, vielmehr sind solche wie gute Haushälter tun, zu Kapital gemacht, oder in die Handlung verwendet worden; Daher dann sotane Geschenke, als ein Paraphernum der Wezlarischen EheFrau anzusehen, und als ein nachheriges Illatum zu achten, verfolglich derselben an Geld zu restituieren sind.

  Ad 6. et 7. Die Hälfte der Meubles und der Errungenschaft belangend, so ist da der Fall vorwaltet, daß die Wetzlarische Ehefrau, den Handel allein betrieben, auch die Meubles, aus der Handlung, vorzüglich angeschaffet worden: Derselben ihr daran habendes Statutarisches Recht nicht wohl zu kontradizieren, wie dann zu Hebung alles Zwistes der Errungenschaft, unter den Juden herkömmlich ist, daß die Männer durch besondere Starothe, ihren Weibern nach Proportion des Errungenen, weitere Verschreibungen machen, welches auch von dem Nathan Aaron Wetzlar, ohnfehlbar geschehen sein würde, wann er auf das Kranken oder Sterbbette gekommen, wo er dann das Quantum desto zuverlässiger hätte bestimmen können; 

Da nun aber derselbe in Vergleichung des Kaiserl. Fisci, für Bürgerlich Tod zu achten, so würde es nach dem eingangs festgesetzten Principio, nicht zu verneinen sein, wann die Wetzlarische EheFrau, mit ihrem Mann gegen die Allergerechteste Intention der Höchstpreislichen Visitation mit ihren sauer erworbenen Eigentum büßen, und als eine unschuldig erfundene, ärger als eine Wittib bedrängte Person den Kaiserlichen Fiskus für ihren Mann entschädigen sollte.

Da endlich der Herr Curator Bonorum des Nathan Aaron Wezlar die Spezifikation der Nathan Aaron Wetzlarischen EheFrau von ihren eigentümlichen Sachen, und was ihr in die Kindbetten und ihren Kindern, zum Paten-Geschenke, oder sonsten verehret worden, mit Stillschweigen übergehet, mithin beides dadurch eingestanden. So akzeptieret man dieses stillschweigende Eingeständnis auf das feierlichste; Wie man denn dasjenige, was Zeit und Umstanden nicht förmlich zu beweisen gestatten, vermittelst des von dem Herrn Curatore Bonorum aufgegebenen Eides, bei der großen Thora zu beschwören, ebenmäßig akzeptieret.

Worüber p Euer Hochadel. Gestrengen und Herrlichkeiten p demütigste Rachel des Nathan Aaron Wetzlar [Ehefrau] JWGoethe Lt

[Frankfurt, 7. April 1775]

Wohl- und HochEdelgeborne Gestrenge Fest und Hochgelahrte Hochfürsichtige und Hochweise Herren; Großgünstig Hochgebietend und Hochgeehrteste Herren Gerichts Schultheiß und Schöffen! Der durch ein venerl. Dekret d. d. 22ten März h. a. insin: 30ten Ejusd: außen rubriziertem Herrn Gegner angesetzte Präjudizial Termin von 8 Tagen, ist verstrichen, ohne daß solcher, auf meine so dringende Vorstellung und Ausführung geantwortet; Dahero ich Ew. HochAdel. Gestrengen und Herrlichkeiten mit der untertänigen Bitte anzugehen gemüßiget bin: Hochdieselben nunmero Terminum praeclusivum anzuberaumen Hochgeneigtest geruhen mögen.

Der ich pp Euer Hochadel. Gestrengen und Herrlichk. untertänigster Nathan Höchster 
 JW Goethe Lt 


[Frankfurt, 22. April 1775]

Wohl- und HochEdelgeborne Gestrenge Fest und Hochgelahrte Hochfürsichtige und Hochweise Herren; Großgünstig Hochgebietend und Hochgeehrteste Herren Gerichts Schultheiß und Schöffen! Sollte außen rubrizierter Herr Gegner, auch den ihm per Decr: vener: d. d. 8ten April h. a. ins: 11 ej: bestimmten präklusiv Termin ohne Gegenantwort haben verstreichen lassen; so siehet sich endes unterzeichneter in tiefster Demut gemüßigt, Ew. HochAdel. Gestrengen und Herrlichkeiten p bittlich anzugehen; Hochdieselben in dieser Sache, welche sich der Beschleunigung vorzüglich empfiehlet, in contumaciam Hochrichterlich zu sprechen, mildest geruhen mögen. Wie ich denn bei dieser Gelegenheit anzumerken untertänigst ohnermangle: daß da vor ausgemachter Sache, der 20te April eingebrochen, und also ein neues halbes Jahr eingetreten, ich ohnerachtet der mir getanen Aufkündigung, welche da Sie in hangender Rechts-Sache geschehen, nicht gültig sein kann, mein ehemaliges und bisheriges Salarium, rückwärts in Actis ausgeführtermaßen prätendieren werde, und solcher Forderung Hochrichterlichen Beistand allerdings zu hoffen habe. Der ich p Ew. HochAdel. Gestrengen und Herrlichkeiten p untert'gster Nathan Höchster und weilen derselbe wegen denen Jüdischen Osterferien nicht Selbsten unterschreiben dürfen, in dessen Namen JWLiebholdt
JWGoethe Lt 

[Frankfurt, 3. Mai 1775]

Wohl- und HochEdelgeborne Gestrengen Fest und Hochgelahrte Hochfürsichtige und Hochweise Herren; Großgünstig Hochgebietend und Hochgeehrteste Herren Gerichts Schultheiß und Schöffen! Durch ein venerl. Dekret d. d. 21ten April, haben Ew. HochAdel. Gestrengen und Herrlichkeiten p die so rubrizierte gehorsamste Beantwortungs Schrift des Herrn Curator Massae endes unterzeichneter ad notitiam zu kommunizieren geruhet.

Da ich nun aber höchst nötig erachte eines und das andere darauf zu versetzen; So ergehet mein untertäniges Bitten an Ew. HochAdel. Gestrengen und Herrlichkeiten p dahin: Hochdieselben geruhen mir eine weitere Handlung und Ausführung mit einem Termin von XIV. Tagen Hochgeneigtest zu vergünstigen.

Worüber p Euer Hochadel. Gestrengen und Herrlichkeiten untert'g demütige Rachel des Nathan Aaron Wetzlar Ehe Frau 
 JWGoethe Lt

[Frankfurt, 3. Mai 1775]


Wohl- und HochEdelgeborne Gestrenge Fest und Hochgelahrte Hochfürsichtige und Hochweise Herren Großgünstig Hochgebietend und Hochgeehrteste Herren Gerichts Schultheiß und Schöffen! Endes unterzogener ermangelt nicht die ad Protocollum Deputationis Spect: d. d. 22ten Februarii h. A. versprochene Bescheinigung, daß nämlich die neuere Vorstadt- und Buddeische Handlung keinen weiteren Anteil an denen von mir im Namen Buddeischer Erben liquidierten 35. Rtl. 52 Xr. habe hiermit ganz gehorsamst zu überreichen, und bei dieser Gelegenheit seine Prinzipalschaft abermals Ew HochAdel. Gestrengen und Herrlichkeiten p. Hohe Wohlwollen in aller Ergebenheit zu empfehlen. Euer Hochadel. Gestrengen und Herrlichkeiten p Treu gehorsamer JWGoethe Lt Namens Buddeischer Erben.

[Frankfurt, 3. Mai 1775]

Wohl- und HochEdelgeborne Gestrenge Fest und Hochgelahrte Hochfürsichtige und Hochweise Herren; Großgünstig Hochgebietend und Hochgeehrteste Herren Gerichte Schultheiß und Schöffen! Da es meine Sache nicht ist, dasjenige mit Großsprecherischen Worten heraus zu streichen, was ich für dies Nathan Aaron Wezlarische Masse getan, dagegen Herr Curator Massae die vorzüglichste Person wäre, welche mir Gerechtigkeit widerfahren, und von dem Fleiß und Eifer Zeugnis ablegen könnte, womit ich mich bei allen Gelegenheiten verwendet; so mußte es mir so viel unerwarteter sein, als derselbe in dem Praesentato vom 21t. April 1775. dasjenige zu verkleinern sucht, was ich geleistet zu haben, mir wohl bewußt bin.

Wie aber verschiedenes von ihme aus einem falschen Gesichtspunkte betrachtet worden, wird sich in kurzlicher Beantwortung des jenseitigen Vortrages ergeben. 

Zuerst hat es ohnerachtet Gegnerischen Widerspruches mit denen geforderten 100 fl. Geschenk seine vollkommene Richtigkeit, und ein hinreichender Beweis würde durch Befragung des Schenkers selbsten geführet werden können, wenn sich nicht verschiedentlich zu ergeben schiene, als ob sein Verstand durch sein Unglück gelitten hätte. Und wie will besonders eine solche Schenkung anders als durch das Eingeständnis des Schenkers erwiesen, und das ermangelnde am Beweis durch Eidliche Erhärtung des Beschenkten ersetzt werden. Was die Wahrscheinlichkeit betrifft, so ist diese vielmehr auf meiner Seite, indem ich eben nichts zu risquieren glaubte, wenn ich bei einem reichen und freigebigen Mann ein Geschenke stehen ließ, von dessen GemütsArt mir bewußt war, daß er solches nie zurückziehen würde. Beim andern Posten sind die Argumente des Herrn Gegners offenbar irrig gefolgert. Die Sache verhält sich so: Nathan Aaron Wetzlar hatte mir, wie er selbst den 22ten Jenner 1772. zu Wezlar (vid: Beilage No. 2. zu meinem untertänigen Exhibito vom 27ten Aug: 1774) ausgesagt, so lang seine Engliche Waren Handlung gegangen, und ich dabei als Buchhalter gestanden, jährlich 40. Carol. pro Salario gereicht, nachdem er solche aber aufgegeben, und er mich nur zu Betreibung übriger Geschäfte bei sich behalten, wurde diese Summe auf die Hälfte heruntergesetzt, mit der ausdrücklichen Zusage, daß wenn die Geschäfte sich vermehren, die Handlung wieder in Stand kommen, auch meine Besoldung erhöht werden sollte. Der erstere Fall hat sich ergeben, ohne durch den andern verursacht zu werden: Die Geschäfte haben sich durch das Unglück meines ehemaligen Herrn vermehret, und ist also die Bedingung auf welche die Erhöhung meines Salarii versprochen worden erfüllt. 

Es kann mir also nichts praejudizieren, daß ich eine Zeitlang nicht mehr als 20. Carolinen genossen, weil auch Verhältnisweise die Geschäfte minder gewesen, und ich eben auch so lang mit der Verminderung der Belohnung zufrieden sein konnte; und aus diesen Gründen fordere ich die 660 fl. mit dem vollkommensten Rechte, wie ich denn auch der allzu pünktlichen Stunden Berechnung manches entgegen setzen und zeigen könnte, wie ich nie, außer bei ganz außerordentlichen Vorfällen, bei meinem Herrn mehr als zum Dienste der Masse zu arbeiten gehabt. Des folgenden dritten Postens mußte sich der inhaftierte Wezlar gleichfalls hinlänglich erinnern, ob er solches gleich zum oben angeführten Protokoll anzuzeigen vergessen, welches mir in keine weise praejudizieren kann. Wie ich denn auch diesen Posten eidlich befestigen dürfte. Und in wie fern auf meine Treue gegen die Masse und solche Gesinnungen, die nichts als was mir rechtmäßig zukommt, verlangen, zu Trauen, ist schon während dem Lauf dieser Sache hinlänglich erprobet. Ich habe sie durch Herausgabe der Silbernen Schabbes Ampel, von der niemand weitere Kenntnüs hatte, und sonsten genugsam an den Tag gegeben.

Nun noch von denen zween letzten Posten! Was den Abzug betrifft der mir abermal von dem halbjährigen Salario gemacht werden will, so ist solches oben schon hinlänglich widerlegt worden, und bleibt auch also diese Forderung angezeigtermaßen bestehen. Wider die 6. Carolinen Geschenke vermag auch nichts treffendes eingewendet zu werden, indem die Aussage meines gewesenen Patrons zum obenangeführten Protokoll, alles außer Zweifel setzt; Es zeigt derselbige daselbst an, daß er mir zu 3 Feiertägen jedesmal 2. Carolinen Geschenke gereicht. Diese Aussage ist keinem Widerspruch unterworfen, und kann mir daher diese Gratifikation nicht entzogen werden.

Was nun zuletzt sogar auch das zugestandene Salarium selbst betrifft, welches Herr Fiscalis mir noch strittig machen will; So ist wohl keiner weitläufigen Ausführung vonnöten, indem ich einmal in Diensten der Masse gestanden, und also den Dienst den ich meinem Herrn geleistet fortgesetzt, und mir also auch das Salarium (jedoch erhöht, wie oben ausgeführt worden) ohne weiteres zukommt, wie denn auch Herr Kurator Massae ein solches Selbsten eingesehen, und sich zu dessen Bezahlung (wie wohl nur zu der Hälfte des von mir geforderten) willig gezeigt.

Daß nun endlich Herr Gegner mir den Dienst abermals aufgesagt, und mich aus den Geschäften entlassen haben will, verwundert mich um so mehr, da ich sowohl in dem angegangenen Jahr schon mehrmalen vor einer Hochansehnlichen Deputation erscheinen, und über manches
Erläuterung geben müssen, wodurch ich also für noch in der Masse Diensten stehender anerkannt werde; als auch ohne das durch Vorenthaltung meines Lohns, wo durch ich mich anderweit umzutun gehindert bin, der Dienst stillschweigend kontinuieret wird. Denn nicht durch die Aufkündigung allein, sondern durch würkliche Entlassung und Befriedigung wird die Verbindlichkeit zwischen Herrn und Diener aufgehoben. Ich fahre also fort auf das Rechtsbeständigste das neu angetretene Jahr, das nach der Gesinnung des Herrn Gegners selbst mir ganz gebühret, zu fordern, und wegen selbigem hier aber und abermal die Hohe Einsicht eines erleuchteten Herrn Richters anzurufen. 

Schließlich muß ich die in retro Actis von mir dargebrachte untertänige Vorstellung und Bitte nochmals hier anbringen. Ich bin mit meiner Forderung keineswegs als Kreditor des Nathan Aarons nach seiner Masse anzusehen, ich bin in Diensten der Masse und folglich von ihr sogleich, ohne auf ein endliches Urteil wegen der übrigen zu warten zu befriedigen; dahero mein untertänigstes Bitten an Ew. HochAdel. Gestrengen und Herrlichkeiten p dahin gerichtet ist: Hochdieselben geruhen über die zwischen denen Herren Gegnern und mir obwaltende Differenzien fordersamst g'dst zu sprechen, und zu erkennen, daß die von mir eingebrachte Rechnung sowohl völlig sogleich zu bezahlen, als auch das angetretene Jahr mir auszuzahlen seie. Der ich pp Euer Hochadel. Gestrengen und Herrlichkeiten p untert'gster Nathan Höchster JWGoethe Lt.

[Frankfurt, 15. Mai 1775]

Wohl- und HochEdelgeborne Gestrenge Fest und Hochgelahrte Hochfürsichtige und Hochweise Herren; Großgünstig Hochgebietend und Hochgeehrteste Herren Gerichts Schultheiß und Schöffen! Der Herr Kurator Massae irret sehr, wenn er glaubt daß in dem diesseitigen letzteren Exhibito einige Forderungen mit Stillschweigen übergangen worden, man hat vielmehr generaliter dasjenige was derselbe in dem Schrift[-] statt mündlichen Vernehmlassungs Rezesse vorbeigelassen, und somit auch die Anforderung an die Schulsessel utiliter akzeptiert, welches nunmehro durch keinen weiteren Widerspruch aufgehoben werden kann.

Ich schreite sodann zu der Beantwortung des Gegnerischen Präsentati Selbsten; da ich denn zuförderst anmerken muß, wie darin abermals der in diesseitigem Exhibito d. d. 24ten Märtz 1775. festgesetzte Unterschied zwischen Fisko als Creditore, und zwischen Fisko der den Überrest des Vermögens, nach Befriedigung aller Gläubiger zu sich nimmt, durch einander geworfen, und somit die ungezweifelte diesseitige Gerechtsame verstellt und verdunkelt werden wollen. Es gilt diese Bemerkung fast zu allen Punkten der Gegnerischen Beantwortung, dahero ich dieses, bezüglich auf obgemeldtes diesseitiges letztes Exhibitum, hier in limine ein für allemal anzuführen hatte. 

1) Wegen des zugestandenen Eingebrachten ist wohl weiter nichts zu erwähnen; als daß die anverlangte nähere Bestimmung des Eides überflüssig ist, indem es sich von Selbsten verstehet, daß ich meinem Manne das Geld würklich zugebracht; wie auch die angeführte Subtilität wegen des zehenden Pfennings auf keinem Grunde beruhet, indem unter der Judenschaft ein Kind das keinen Vater wohl aber noch eine Mutter hat, den zehenden Pfenning nicht abgibt. Da ich nun damals in dem Falle war, so folgt daraus daß von denen 2000 fl. nichts abgängig gewesen. 

2) Wenn auch die Widerlage in die 9te Klasse gehöret, so gehöret Sie doch unter die vor dem Hohen Kaiserl. Fiskus zu befriedigende Kreditorschaft; und da gegenwärtig wie rückwärts in Actis dargetan, von keinem Konkurs die Rede, vielmehr alle Kreditoren mit den gebührenden Interessen befriedigt werden; So erhalte ich auch alles was ich beim Sterbensfalle meines Mannes, so er in wohlhabigen Umständen abgeschieden wäre, würde erlanget haben.

3) Mit dem Witwensitze hat es gleiche Bewandnis, und ich widerspreche allem was zu Veräußerung der Häuser vorgeschritten werden möchte, hiermit auf das feierlichste. Der Staroth dessen Gültigkeit Herr Gegner selbst nicht in Abrede sein kann, sagt mir solchen in der Wohnung meines Mannes auf das kräftigste zu.

 Der Fall hat sich ereignet, mein Mann ist für Bürgerlich Tot zu achten, und die Lebenslängliche Benutzung der beiden Häuser kann mir nicht genommen werden; besonders da ich auch hier, wie oben angeführt, mit dem Hohen Kaiserlichen Fiskus in keine Kollision komme. 

4) Was die Geschenke in dem Brautstande betrifft, so sind solche schon von Herrn Curatore zugegeben, und diesseits akzeptieret worden, auch habe ich den mir zugeschobenen Eid darüber anzunehmen nicht ermangelt, beruhet also auch dieser Punkt auf sich.

Hingegen will man die Entscheidung über den Einwurf-Zettel, einem erlauchten Herrn Richter lediglich anheimstellen.

5) Die Forderung der Geschenke welche mir von meinem Manne während unserer Ehe gemacht worden, ist auch so leicht nicht aus dem Wege zu räumen, als Herr Gegner wohl denken mögte. Die hiesige Reformation gibt einmal die Geschenke zwischen Eheleuten zu, sie hebet das römische Recht auf, wie alle Statute und neuere Landesgesetze das römische Recht aufheben, und setzet also die Regel fest, wornach geurteilt werden muß. Und auf diese Weise fällt die Gegnerische Argumentation zusammen. 

Ich berufe mich auf das Gesetz das die Regel festsetzt, und auf den Gegenteil den Beweis der Ausnahme schiebt. 

So bald also die Schenkung geschehen ist, muß jenseits erwiesen werden, daß ihr die gehörigen Eigenschaften ermanglen, um gültig zu sein; so lange dieses nicht geschiehet, beruf ich mich lediglich auf das Gesetz und gewärtige mich unter bloß allgemeinem Widerspruch auch Grg. Erhörung in diesem Punkt.

6) Da kein Konkurs hier vorkommt, so ist auch diese Anmerkung des Herrn Gegners von keinem Gewichte, und da schon so oft wiederholt worden, daß die Straf-Gelder nicht zu den Schulden zu rechnen, und ich mich darüber auf das rückwärts ausgeführte sattsam berufen kann, so hebet allgemeiner Widerspruch hier allgemeinen Widerspruch auf.

7) Der zum Beispiel und Erläuterung diesseits angeführte Fall eines Starroths stehet an seinem rechten Orte, und begründet immer mehr die getanen Forderungen.

8) Schließlich räumet Herr Gegner eben so wenig meine Forderungen der Beilage F. beiseite. Sind die angezeigten Nummern nicht mehr befindlich; muß mir der Wert derselben restituieret werden, da sie von uns Eheleuten wieder in die Nahrung gesteckt worden, ohne daß ich daran das Eigentum 

verloren. Eben so ist gegen die Beilage Sig: : nichts relevantes eingebracht.

Dahero ich allem was nicht besonders hierinnen beantwortet sein sollte, allgemeinen Widerspruch entgegen setze, mich auf mein rückwärts ausgeführtes und gebetenes in aller Untertänigkeit, nisi quid novi submittierend, berufe. Worüber p. Euer Hochadel. Gestrengen und Herrlichkeiten p. untert'g demütige Rachel des Nathan Aaron Wetzlar Ehe Frau. JWGoethe Lt 

[Frankfurt, 15. Mai 1775]

Wohl- und HochEdelgeborne Gestrenge Fest und Hochgelahrte Hochfürsichtige und Hochweise Herren; Großgünstig Hochgebietend und Hochgeehrteste Herren Gerichts Schultheiß und Schöffen! Mit der größten Verwunderung mußte endes unterzeichnete den Vorschlag und das Bitten vernehmen, welches außen rubrizierter Herr Gegner in seinem letzten Exhibito d. d. 5ten Mai die Verkaufung der Häuser, der Schulsessel, und des noch übrigen Hausrats betreffend, tun mögen.

Ich darf mich nur lediglich darauf berufen, wie in retro Actis der Nießbrauch der Häuser und das Eigentum der Schulsessel und Mobilien von mir angesprochen worden.

Die Sache ist unausgemacht, noch ist meine Forderung durch kein Urteil für ungegründet erklärt. Wie will also Herr Gegner lite pendente eine Veränderung vornehmen, die auf einmal meine gerechte Ansprüche vereitlen würde.

Es läßt sich keine Art denken, wie ich nach verkauften Häusern und Sessel Sicherheit und Recht, ohne die Höchste Beschwerlichkeit erlangen könne.

Es kann auch davon gar nicht die Rede sein, und ich muß mich auf die Gerechtigkeits Liebe Ew. HochAdel. Gestrengen und Herrlichkeiten p. lediglich verlassen, wenn ich die aller ernstlichste Protestation hiermit einlege, und dem Ansinnen des Herrn Curatoris auf das feierlichste widerspreche. Ich brauche nun nicht weitläuftiger zu sein, die Sache gibt sich von Selbsten, daß weder dasjenige dessen Eigentum, noch dasjenige dessen Nießbrauch angesprochen wird, während des Rechtslaufes veräußert werden kann.

Worüber ich nobile Officium judicis dringlichst implorierend, in aller Untertänigkeit gebeten haben wollte: Hochdieselben geruhen Herrn Gegner mit seinem unzeitigen Gesuche abzuweisen, und die angetragene Verkaufung auf keine Weise zuzulassen. Die ich p Euer Hochadel. Gestrengen und Herrlichkeiten p demütigste Rachel des Nathan Aaron Wetzlar Ehe Frau JWGoethe Lt

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