> Gedichte und Zitate für alle: J.W.v.Goethe-Reden: Über die Freitagsgesellschaft Bruchstück eines......Briefwechsel mit Schiller (11)

2019-11-17

J.W.v.Goethe-Reden: Über die Freitagsgesellschaft Bruchstück eines......Briefwechsel mit Schiller (11)



Über die Freitagsgesellschaft Bruchstück eines Kommentars zum Briefwechsel mit Schiller 

Von den erwähnten Vorlesungen wäre wohl das Nötige zu erwähnen, da ihre Wirkung zur Zeit bedeutend war.

Es versammelten sich etwa zwölf Personen wöchentlich abends in meinem Hause, deren Namen schon von der Unterhaltungsweise genügsames Verständnis gibt.

Geheimerat von Voigt, ein allseitig gebildeter Geschäftsmann, der in meiner Abwesenheit die Zusammenkunft fortführte und einleitete.

Von Fritsch, jung, gebildet, bildungslustig, aufmerksam, durchaus teilnehmend.

Wieland, Herder, Buchholz, Hufeland, Bertuch, Meyer, Kraus: Männer vom verschiedensten Interesse, ein jeder in seinem Fach ernstlich beschäftigt, vorschreitend im Neuen, nachdenkend über das Alte; keiner, der nicht in der Folge des Lebens sich bedeutend erwiesen hätte.

Als Gäste fanden sich ein verschiedene Lehrer von Jena, Voigt von Ilmenau bei jedesmaligem Hiersein, und so ward auch jeder bedeutende Fremdling eingeladen und wohl aufgenommmen so wie das, was er etwa mitzuteilen hatte. Die Anmut so wie die Wirksamkeit einer solchen Unterhaltung wird sich jeder Denkende gern vergegenwärtigen.

Höchst bedeutend war hiebei, daß Durchlaucht [der] Herzog öfters teilnahm und dabei, mit besonderem Scharfsinn die Verdienste des Inhalts so wie des Vortrags beurteilend, jüngere Männer kennen lernte, die ihm sonst schwerlich von dieser Seite so nahe getreten wären. Weimar und Jena haben diesen Abenden manche wichtige Anstellung und Auszeichnung zu verdanken.

Da nun bei solchen Zusammenkünften mit Maß und Bescheidenheit alles zur Sprache kam, was empfunden, gedacht und gewußt zu werden verdiente, so war auch Poesie höchst willkommen.

Nun war damals die Vossische Übersetzung der , Ilias an der Tagesordnung und über die Lesbarkeit und Verständlichkeit derselben mancher Streit, daher ich denn nach alter Überzeugung, daß Poesie durch das Auge nicht aufgefaßt werden könne, mir die Erlaubnis ausbat, das Gedicht vorzulesen, mit dem ich mich von Jugend auf mannigfaltig befreundet hatte.

Daß mir nun das rhapsodische Metier nicht ganz mißlungen, davon gibt Herrn von Humboldts Erwähnung gegen Schillern das beste Zeugnis, welches diesen bewog, einen gleichen Vortrag von mir gelegentlich zu verlangen.

Und gewiß: schwarz auf weiß sollte durchaus verbannt sein; das Epische sollte rezitiert, das Lyrische gesungen und getanzt und das Dramatische persönlich mimisch vorgetragen werden.
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