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2019-11-30

J.W.v.Goethe: Schilderung einiger Personen des Frankfurter Theaters (5)

Schilderung einiger Personen des Frankfurter Theaters 

Frauen 


Demois. Woralek. Frauenzimmerliche Mittelgröße, wohlgebaut, etwas stark von Gliedern, jung, natürliche Bewegungen, mit den Armen gewisse Gesten die nicht übel wären, wenn sie nicht immer wieder kämen; ein zusammengefaßtes Gesicht, lebhafte schwarze Augen; ein lächelndes Verziehen des Mundes verstellt sie oft; eine schöne und gut ausgebildete Stimme, im Dialog zu schnell; daher sie die meisten Stellen überhudelt.


Rollen. Erste Liebhaberin in der Oper: Constanze, Pamina, die Müllerin.

Demois. Boudet. Weibliche Mittelgestalt; gutes lebhaftes Betragen, rasche Gebärden. Gewisse natürliche Rollen spielt sie gut, nur drücken ihre Mienen und Gesten zu oft Härte, Kälte, Stolz und Verachtung aus, wodurch sie unangenehm wird. Sie spricht deutlich und ist überhaupt eine energische Natur.

Rollen. Muntere, naive: Margarethe in den Hagestolzen. Einen Savoyarden.

Madame Aschenbrenner. Nicht gar groß, sonst gut gebaut; ein artiges Gesicht, schwarze Augen. In ihrer Deklamation und Gebärden hat sie das weinerlich Angespannte was man sonst für pathetisch hielt. Sie tanzt gut; es hat aber diese Kunst keine günstige Wirkung auf sie gehabt, indem sie in Gang und Gebärden manieriert ist.

Rollen. Affektuose, sentimentale Liebhaberinnen; singt auch ein wenig. Cora in der Sonnenjungfrau. Ophelia in Hamlet. 

Madame Bulla. Mittelgröße, etwas größer als Madame Aschenbrenner, gute Gesichtsbildung; ihre Aktion ein wenig zu ruhig, der Ton ihrer Stimme ein wenig zu hell und scharf.

Rollen. Edle Mütter, Frauen von Stande, heitere humoristische Rollen: Elvira in Rollas Tod. Die Frau in dem Ehepaar aus der Provinz. Fräulein von Sachau in der Entführung. 

Madame Bötticher. Etwas über Mittelgröße, wohlgebaut, mäßig stark, angenehme Bildung; sieht für ihre Karikaturrollen etwas zu gut aus.

Rollen. Karikaturen und was sich denen nähert: Oberhofmeisterin in Elise von Valberg. Frau Schmalheim. Frau Griesgram. 

Männer

Herr Prandt. Wohlgebaut, nicht angenehm gebildet, lebhafte schwarze Augen die er zu sehr rollt; sonore tiefe Stimme, gute Bewegungen.

Rollen. Helden. Würdige Alte: Rolla. Zar. Seekapitän im Bruderzwist. Molai in den Tempelherren. 

Herr Schröder. Mittelgröße, wohlgestaltet, gute jugendliche Gesichtsbildung, lebhafte Bewegung; singt baritono, im Dialog tiefe etwas schnarrende, heftige, rauhe Stimme.

Rollen. Erste Liebhaber in der Oper: Don Juan. Deserteur. Figurierende Rollen im Schauspiel. Fürst in Dienstpflicht. Philipp der Schöne in den Tempelherren. 
 
Herr Lux. Gedrängte gut gebildete Mittelgestalt; weiß seine Kleidung und Gebärden nach den Rollen zu motivieren, hat einen guten doch nicht recht vollklingenden Baß; spielt zu sehr nach dem Souffleur. Rollen. Erster Buffo in der Oper. Im Schauspiel ähnliche Rollen: Den Bedienten des Kapitäns im Bruderzwist. Den Amtmann in der Aussteuer. 
 
Herr Schlegel. Wohlgebaut, hat aber bei aller Beweglichkeit etwas Steifes. An der Bewegung seiner Beine sieht man, daß er ein Tänzer ist; singt als zweiter Baß noch gut genug. Es mag ihm an Geschmack und Gefühl fehlen, drum übertreibt er leicht.

Rollen. Zweite Buffos auch z. B. Knicker, sodann Sarastro, und den Geist in Don Juan. 
 
Herr Demmer. Gut gebaut, oberwärts etwas dicklicht, vorstehendes Gesicht, blond und blaue Augen; hat was Meckerndes in der Stimme und einen leidlichen Humor.

Rollen. Erste Liebhaber in der Oper: Tamino. Infant. Karikatur-Rollen: Stöpsel in Armut und Edelsinn. Posert im Spieler. 

Herr Schmidt. Hager, alt, schwächlich, übertreibt; man bemerkt an ihm weder Naturell noch Geschmack.

Rollen. Schwache, verliebte, humoristische Alte: von Sachau in der Entführung, Brandchen im Räuschchen. 

Herr Düpré. Ziemliche Größe, hager aber gut gebildet, starke Gesichtszüge; im Ganzen steif. Rollen. Launige Rollen, Halb-Karikaturen, Bösewichter. Kerkermeister im Deserteur. Noffodei in den Tempelherren.

Herr Stentzsch. Jugendlich wohlgebildet. Figur und Wesen sind nicht durchgearbeitet, Sprache und Gebärden haben keinen Fluß; im Ganzen ist er nicht unangenehm, aber er läßt den Zuschauer völlig kalt. Rollen. Erste Liebhaber, junge Helden: Ludwig der Springer. Hamlet. Bruder des Mädchen von Marienburg. 

Herr Grüner. Von dessen Händeln mit der Königsberger Schauspieldirektion im 3ten Stück des 2ten Bandes des Hamburger Theaterjournals von 1797 viel erzählt wird, spielte hier einige Gastrollen. Er hat Gewandtheit auf dem Theater und eine leichte Kultur, ist aber nicht mehr jung und hat kein günstiges Gesicht. Seine Sprache ist äußerst preußisch und auch sein Spiel (ich sah ihn als Sichel) hat eine gewisse anmaßliche Gewandtheit; seine Stimme ist von keiner Bedeutung. 

Frankfurt, den 15 August 1797. 

Über den eigentlichen Zustand eines aufmerksam Reisenden habe ich eigne Erfahrungen gemacht und eingesehen, worin sehr oft der Fehler der Reisebeschreibungen liegt. Man mag sich stellen wie man will, so sieht man auf der Reise die Sache nur von Einer Seite, und übereilt sich im Urteil; dagegen sieht man aber auch die Sache von dieser Seite lebhaft und das Urteil ist im gewissen Sinne richtig. Ich habe mir daher Akten gemacht, worin ich alle Arten von öffentlichen Papieren die mir jetzt begegnen: 

Zeitungen, Wochenblätter, Predigtauszüge, Verordnungen, Komödienzettel, Preiskurrente einheften lasse und sodann auch sowohl das was ich sehe und bemerke als auch mein augenblickliches Urteil einschalte. Ich spreche nachher von diesen Dingen in Gesellschaft und bringe meine Meinung vor, da ich denn bald sehe, in wiefern ich gut unterrichtet bin, und in wiefern mein Urteil mit dem Urteil wohlunterrichteter Menschen übereintrifft. Sodann nehme ich die neue Erfahrung und Belehrung auch wieder zu den Akten, und so gibt es Materialien, die mir künftig als Geschichte des Äußern und Innern interessant genug bleiben müssen. Wenn ich bei meinen Vorkenntnissen und meiner Geistesgeübtheit Lust behalte dieses Handwerk eine Weile fortzusetzen, so kann ich eine große Masse zusammenbringen.

Ein paar poetische Stoffe bin ich schon gewahr geworden, die ich in einem feinen Herzen aufbewahren werde, und dann kann man niemals im ersten Augenblick wissen, was sich aus der rohen Erfahrung in der Folgezeit noch, als wahrer Gehalt aussondert.

Bei dem allem leugne ich nicht, daß mich mehrmals eine Sehnsucht nach dem Saalgrunde wieder angewandelt, und würde ich heute dahin versetzt, so würde ich gleich, ohne irgend einen Rückblick, etwa meinen Faust oder sonst ein poetisches Werk anfangen können.

Hier möchte ich mich nun an ein großes Stadtleben wieder gewöhnen, mich gewöhnen nicht mehr zu reisen, sondern auch auf der Reise zu leben; wenn mir nur dieses vom Schicksal nicht ganz versagt ist, denn ich fühle recht gut, daß meine Natur nur nach Sammlung und Stimmung strebt und an allem keinen Genuß hat was diese hindert. Hätte ich nicht an meinem Herrmann und Dorothea ein Beispiel, daß die modernen Gegenstände, in einem gewissen Sinne genommen, sich zum Epischen bequemten, so möchte ich von aller dieser empirischen Breite nichts mehr wissen.

Auf dem Theater, so wie ich auch wieder hier sehe, wäre in dem gegenwärtigen Augenblicke manches zu tun, aber man müßte es leicht nehmen und in der Gozzischen Manier traktieren; doch es ist in keinem Sinne der Mühe wert.

Meyer hat unsere Balladen sehr gut aufgenommen. Ich habe nun, weil ich von Weimar aus nach Stäfa wöchentlich Briefe an ihn schrieb, schon mehrere Briefe von ihm hier erhalten; es ist eine reine und treu fortschreitende Natur, unschätzbar in jedem Sinne. Ich will nur eilen ihn wieder persönlich habhaft zu werden, und ihn dann nicht wieder von mir lassen.

Frankfurt, den 18 August 1797. 

Ich besuchte gestern den Theatermaler, dessen Werke mich so sehr entzückt hatten, und fand einen kleinen, wohlgebildeten, stillen, verständigen, bescheidenen Mann. Er ist in Mailand geboren, heißt Fuentes, und als ich ihm seine Arbeiten lobte, sagte er mir: er sei aus der Schule des Gonzaga, dem er, was er zu machen verstehe, zu verdanken habe. Er ließ mich die Zeichnungen zu jenen Dekorationen sehen die, wie man erwarten kann, sehr sicher und charakteristisch mit wenigen Federzügen gemacht und auf denen die Massen mit Tusche leicht angegeben sind. Er zeigte mir noch verschiedene Entwürfe zu Dekorationen die zunächst gemacht werden sollen, worunter einer zu einem gemeinen Zimmer mir besonders wohlgedacht erschien. Er ließ mich auch die Veränderungen bemerken, die zwischen den Zeichnungen und den ausgeführten Dekorationen zu Palmira sich fanden. Es ist eine Freude einen Künstler zu sehen der seiner Sache so gewiß ist, seine Kunst so genau kennt, so gut weiß was sie leisten und was sie wirken kann. Er entschuldigte verschiedenes das er an seinen Arbeiten selbst nicht billigte, durch die Forderungen des Poeten und des Schauspielers, die nicht immer mit den Gesetzen der guten Dekoration in Einstimmung zu bringen seien.

Bei Gelegenheit der Farbengebung, da bemerkt wurde, daß das Violette bei Nacht grau aussähe, sagte er: daß er deshalb das Violette, um ein gewisses leuchtendes und durchsichtiges Grau hervorzubringen, anwende. Ferner, wie viel auf die Beleuchtung der Dekorationen ankomme. 

Es ward bemerkt welch eine große Praktik nötig sei, um mit Sicherheit einer studierten Manier die Farben aufzusetzen, und es kam nicht ohne Lächeln zur Sprache, daß es Menschen gebe, die von einem Studium, wodurch man zur Gewißheit gelangt, so wenig Begriff haben, daß sie die schnelle und leichte Methode des Meisters für nichts achten; vielmehr denjenigen rühmen, der sich bei der Arbeit besinnt und ändert und korrigiert. Man sieht die Freiheit des Meisters für Willkür und zufällige Arbeit an.
                                                                     
Frankfurt, den 18 August 1797. 

Wenn man Frankfurt durchwandert und die öffentlichen Anstalten sieht, so drängt sich einem der Gedanke auf: daß die Stadt in frühern Zeiten von Menschen müsse regiert gewesen sein, die keinen liberalen Begriff von öffentlicher Verwaltung, keine Lust an Einrichtung zu besserer Bequemlichkeit des bürgerlichen Lebens gehabt, sondern die vielmehr nur so notdürftig hinregierten und alles gehen ließen wie es konnte. Man hat aber bei dieser Betrachtung alle Ursache billig zu sein. Wenn man bedenkt was das heißen will, bis nur die nächsten Bedürfnisse einer Bürgergemeinde, die sich in trüben Zeiten zufällig zusammen findet, nach und nach befriedigt, bis für ihre Sicherheit gesorgt, und bis ihr nur das Leben, indem sie sich zusammen findet und vermehrt, möglich und leidlich gemacht wird; so sieht man daß die Vorgesetzten zu tun genug haben, um nur von einem Tag zum andern mit Rat und Wirkung auszulangen, Mißstände, wie das Überbauen der Häuser, die krummen Anlagen der Straßen, wo jeder nur sein Plätzchen und seine Bequemlichkeit im Auge hatte, fallen in einem dunklen gewerbvollen Zustande nicht auf, und den düstern Zustand der Gemüter kann man an den düstern Kirchen und an den dunkeln und traurigen Klöstern jener Zeit am besten erkennen. Das Gewerb ist so ängstlich und emsig, daß es sich nicht nahe genug an einander drängen kann; der Krämer liebt die engen Straßen, als wenn er den Käufer mit Händen greifen wollte. So sind alle die alten Städte gebaut, außer welche gänzlich umgeschaffen worden.

Die großen alten öffentlichen Gebäude sind Werke der Geistlichkeit und zeugen von ihrem Einfluß und erhöhteren Sinn. Der Dom mit seinem Turm ist ein großes Unternehmen; die übrigen Klöster, in Absicht auf den Raum den sie einschließen, sowohl in Absicht auf ihre Gebäude, sind bedeutende Werke und Besitztümer. Alles dieses ist durch den Geist einer dunklen Frömmigkeit und Wohltätigkeit zusammengebracht und errichtet. Die Höfe und ehemaligen Burgen der Adeligen nehmen auch einen großen Raum ein, und man sieht in den Gegenden wo diese geistlichen und weltlichen Besitzungen stehen, wie sie anfangs gleichsam als Inseln dalagen und die Bürger sich nur notdürftig dran herumbauten. 

Die Fleischbänke sind das Häßlichste was vielleicht dieser Art sich in der Welt befindet; sie sind auf keine Weise zu verbessern, weil der Fleischer seine Waren, so wie ein anderer Krämer, unten im Hause hat. Diese Häuser stehen auf einem Klumpen beisammen und sind mehr durch Gänge als Gäßchen getrennt. 

Der Markt ist klein und muß sich durch die benachbarten Straßen bis auf den Römerberg ausdehnen. Verlegung desselben auf den Hirschgraben zur Meßzeit. Das Rathaus scheint früher ein großes Kaufhaus und Warenlager gewesen zu sein, wie es auch noch in seinen Gewölben für die Messe einen dunkeln und dem Verkäufer fehlerhafter Waren günstigen Ort gewährt.

Die Häuser baute man in frühern Zeiten, um Raum zu gewinnen, in jedem Stockwerke über. Doch sind die Straßen im Ganzen gut angelegt, welches aber wohl dem Zufall zuzuschreiben ist; denn sie gehen entweder mit dem Flusse parallel, oder es sind Straßen, welche diese durchkreuzen und nach dem Lande zu gehen. Und das Ganze lief halbmondförmig ein Wall und Graben, der nachher ausgefüllt wurde; doch auch in der neuen Stadt ist nichts Regelmäßiges und auf einander Passendes. Die Zeile geht krumm, nach der Richtung des alten Grabens, und die großen Plätze der neuen Stadt ist man nur dem Unwerte des Raums zu jener Zeit schuldig. Die Festungswerke hat die Notwendigkeit hervorgebracht, und man kann fast sagen, daß die Mainbrücke das einzige schöne und einer so großen Stadt würdige Monument aus der frühern Zeit sei; auch ist die Hauptwache anständig gebaut und gut gelegen.

Es würde interessant sein die Darstellung der verschiedenen Epochen der Aufklärung, Aufsicht und Wirksamkeit in Absicht solcher öffentlichen Anstalten zu versuchen; die Geschichte der Wasserleitungen, Kloaken, des Pflasters mehr auseinander zu setzen, und auf die Zeit und vorzüglichen Menschen, welche gewirkt, aufmerksam zu sein.

Schon früher wurde festgesetzt, daß jemand der ein neues Haus baut, nur in dem ersten Stock überbauen dürfe. Schon durch diesen Schritt war viel gewonnen. Mehrere schöne Häuser entstanden; das Auge gewöhnte sich nach und nach ans Senkrechte, und nunmehr sind viele hölzerne Häuser auch senkrecht aufgebaut. Was man aber den Gebäuden bis auf den neusten Zeitpunkt, und überhaupt manchem andern ansieht, ist: daß die Stadt niemals einen Verkehr mit Italien gehabt hat. Alles was Gutes dieser Art sich findet ist aus Frankreich hergenommen.

Eine Hauptepoche macht denn nun zuletzt das Schweitzerische Haus auf der Zeile, das in einem echten, soliden und großen italienischen Style gebaut ist und vielleicht lange das einzige bleiben wird. Denn obgleich noch einige von dieser Art sind gebaut worden, so hatten doch die Baumeister nicht Talent genug mit dem ersten zu wetteifern, sondern sie verfielen, indem sie nur nicht eben dasselbe machen wollten, auf falsche Wege, und wenn es so fortgeht, so ist der Geschmack, nachdem ein einziges Haus nach richtigen Grundsätzen aufgestellt worden, schon wieder im Sinken.

Die beiden neuen reformierten Bethäuser sind in einem mittlern, nicht so strengen und ernsten, aber doch richtigen und heitern Geschmack gebaut und, bis auf wenige Mißgriffe in Nebendingen, durchaus lobenswert.

Die neuerbaute Lutherische Hauptkirche gibt leider viel zu denken. Sie ist als Gebäude nicht verwerflich, ob sie gleich im allermodernsten Sinne gebaut ist; allein da kein Platz in der Stadt weder wirklich noch denkbar ist, auf dem sie eigentlich stehen könnte und sollte, so hat man wohl den größten Fehler begangen, daß man zu einem solchen Platz eine solche Form wählte. Die Kirche sollte von allen Seiten zu sehen sein, man sollte sie in großer Entfernung umgehen können, und sie stickt zwischen Gebäuden die ihrer Natur und Kostbarkeit wegen unbeweglich sind und die man schwerlich wird abbrechen lassen. Sie verlangt um sich herum einen großen Raum und steht an einem Orte wo der Raum äußerst kostbar ist. Um sie her ist das größte Gedräng und Bewegung der Messe, und es ist nicht daran gedacht wie auch irgend nur ein Laden stattfinden könnte. Man wird also wenigstens in der Meßzeit hölzerne Buden an sie hinanschieben müssen, die vielleicht mit der Zeit unbeweglich werden, wie man an der Katharinenkirche noch sieht und ehemals um den Münster von Straßburg sah.

Nirgends wäre vielleicht ein schönerer Fall gewesen, in welchem man die Alten höchst zweckmäßig hätte nachahmen können, die, wenn sie einen Tempel mitten in ein lebhaftes Quartier setzen wollten, das Heiligtum durch eine Mauer vom Gemeinen absonderten, dem Gebäude einen würdigen Vorhof gaben und es nur von dieser Seite sehen ließen. Ein solcher Vorhof wäre hier möglich gewesen, dessen Raum für die Kutschen, dessen Arkaden zur Bequemlichkeit der Fußgänger und zugleich, im Fall der Messe, zum Ort des schönsten Verkehrs gedient hätte.

Es wäre ein philanthropisches Unternehmen, das freilich in diesem Falle von keinem Nutzen mehr sein könnte, vielleicht aber bei künftigen Unternehmungen wirken würde, wenn man noch selbst jetzt hinterdrein Plane und Risse von dem was hätte geschehen sollen, darlegte; denn da eine öffentliche Anstalt so viel Tadel ertragen muß: wie man es nicht hätte machen sollen, so ist es wenigstens billiger, wenn man zu zeigen übernimmt: wie man es anders hätte machen sollen. Doch ist vielleicht überhaupt keine Zeit mehr Kirchen und Paläste zu bauen, wenigstens würde ich in beiden Fällen immer raten: die Gemeinden in anständige Bethäuser und die großen Familien in bequeme und heitere Stadt- und Landhäuser zu teilen, und beides geschieht ja in unsern Tagen schon gewissermaßen von selbst. 

Was die Bürgerhäuser betrifft, so würde ich überhaupt raten: der italienischen Manier nicht weiter zu folgen und selbst mit steinernen Gebäuden sparsamer zu sein. Häuser deren erster Stock von Steinen, das übrige von Holz ist, wie mehrere jetzt sehr anständig gebaut sind, halte ich in jedem Sinn für Frankfurt für die schicklichsten; sie sind überhaupt trockner, die Zimmer werden größer und luftiger. Der Frankfurter, wie überhaupt der Nordländer, liebt viele Fenster und heitere Stuben, die bei einer Façade im höheren Geschmack nicht stattfinden können. Dann ist auch zu bedenken, daß ein steinernes, einem Palast ähnliches kostbares Haus nicht so leicht seinen Besitzer verändert, als ein anderes das für mehr denn einen Bewohner eingerichtet ist. Der Frankfurter, bei dem alles Ware ist, sollte sein Haus niemals anders als Ware betrachten. Ich würde daher vielmehr raten: auf die innere Einrichtung aufmerksam zu sein, und hierin die Leipziger Bauart nachzuahmen, wo in einem Hause mehrere Familien wohnen können, ohne in dem mindesten Verhältnis zusammen zu stehen. Es ist aber sonderbar! noch jetzt baut der Mann, der bestimmt zum Vermieten baut, in Absicht auf Anlegung der Treppen, der offenen Vorsäle u. s. w. noch eben so als jener, der vor Zeiten sein Haus, um es allein zu bewohnen, eingerichtet; uns so muß z. B. der Mietmann eines Stockwerks, wenn er ausgeht, dafür sorgen, daß ein Halbdutzend Türen verschlossen werden. So mächtig ist die Gewohnheit und so selten das Urteil.

Die verschiedenen Epochen in denen öffentliche heitere Anstalten z. B. die Allee um die Stadt angelegt ward, und wie der öffentliche Geist mit dem Privatgeist sich verband, wodurch ganz allein ein echtes städtisches Wesen hervorgebracht wird, wären näher zu betrachten. Die Erbauung des Schauspielhauses, die Pflasterung des Platzes vor demselben, die Ausfüllung der Pferdeschwemme auf dem Roßmarkt, und vor allem das unschätzbare Unternehmen der neuen Straße an der Brücke wäre zu erwähnen, welches denen die es angaben, anfingen, beförderten und, gebe der Himmel! in seinem ganzen Umfange ausführen werden, zur bleibenden Ehre gereichen wird.

In früheren Zeiten das Abtragen der alten Pforten nicht zu vergessen. 

Über die Judengasse, das Aufbauen des abgebrannten Teils und ihre etwaige Erweiterung nach dem Graben zu wäre zu denken und darüber auch allenfalls ein Gedanke zu äußern.

Eines ist zwar nicht auffallend, jedoch einem aufmerksamen Beobachter nicht verborgen, daß alles was öffentliche Anstalt ist in diesem Augenblicke still steht, dagegen sich die Einzelnen unglaublich rühren und ihre Geschäfte fördern. Leider deutet diese Erscheinung auf ein Verhältnis das nicht mit Augen gesehen werden kann, auf die Sorge und Enge in welcher sich die Vorsteher des gemeinen Wesens befinden: wie die durch den Krieg ihnen aufgewalzte Schuldenlast getragen und mit der Zeit vermindert werden soll; indes der Einzelne sich wenig um dieses allgemeine Übel bekümmert und nur seinen Privatvorteil lebhaft zu fördern bemüht ist.

Die Hauptursache von den in früherer Zeit vernachlässigten öffentlichen Anstalten ist wohl eben im Sinne der Unabhängigkeit der einzelnen Gilden, Handwerke und dann weiter in fortdauernden Streitigkeiten und Anmaßungen der Klöster, Familien, Stiftungen u. s. w. zu suchen, ja in den von einer gewissen Seite lobenswürdigen Widerstrebungen der Bürgerschaft. Dadurch ward aber der Rat, er mochte sich betragen wie er wollte, immer gehindert, und indem man über Befugnisse stritt, konnte ein gewisser liberaler Sinn des allgemein Vorteilhaften nicht stattfinden.

Es wäre vielleicht eine für die gegenwärtige Zeit interessante Untersuchung, darzustellen: wie das Volk den Regenten, die nicht ganz absolut regieren, von jeher das Leben und Regiment sauer gemacht. Es wäre dieses keineswegs eine aristokratische Schrift, denn eben jetzt leiden alle Vorsteher der Republiken an diesen Hindernissen.

Ich habe in diesen Tagen darüber nachgedacht wie spät sich ein Zug von Liberalität und Übersicht eben über das städtische Wesen in Frankfurt manifestieren konnte.

Was wäre nicht eine Straße die vom Liebenfrauenberg auf die Zeile durchgegangen wäre, für eine Wohltat fürs Publikum gewesen! Eine Sache, die in frühern Zeiten mit sehr geringen Kosten ja mit Vorteil abzutun war. 
 
Frankfurt, den 19 August 1797. 

Die französische Revolution und ihre Wirkung sieht man hier viel näher und unmittelbarer, weil sie so große und wichtige Folgen auch für diese Stadt gehabt hat, und weil man mit der Nation in so vielfacher Verbindung steht. Bei uns sieht man Paris immer nur in einer Ferne, daß es wie ein blauer Berg aussieht, an dem das Auge wenig erkennt, dafür aber auch Imagination und Leidenschaft desto wirksamer sein kann. Hier unterscheidet man schon die einzelnen Teile und Lokalfarben. 

Von dem großen Spiel, das die Zeit her hier gespielt worden, hört man überall reden. Es gehört diese Seuche mit unter die Begleiter des Kriegs, denn sie verbreitet sich am gewaltsamsten zu den Zeiten, wenn großes Glück und Unglück auf der allgemeinen Wagschale liegt; wenn die Glücksgüter ungewiß werden, wenn der Gang der öffentlichen Angelegenheiten schnellen Gewinst und Verlust auch für Particuliers erwarten läßt. Es ist fast in allen Wirtshäusern gespielt worden, außer im Roten Hause. Die eine Bank hat für einen Monat, nur fürs Zimmer, 70 Carolin bezahlt. Einige Banquiers haben Frühstück und Abendessen aufs anständigste für die Pointeurs auftragen lassen. Jetzt da man nach und nach von Seiten des Rats diesem Übel zu steuern sucht, denken die Liebhaber auf andere Auswege. Auf dem Sandhofe, auf deutschherrischem Grund und Boden, hat man eine kostbare Anstalt einer neuen Wirtschaft errichtet, die gestern mit 130 Couverts eröffnet worden. Die Meubles sind aus der Herzoglich Zweibrückischen Auktion, so wie die ganze Einrichtung überhaupt sehr elegant sein soll. Dabei ist alles zuletzt aufs Spielen angesehen.

Das Hauptinteresse sollte eigentlich gegenwärtig für die Frankfurter die Wiederbezahlung ihrer Kriegsschulden und die einstweilige Verinteressierung derselben sein; da aber die Gefahr vorbei ist, haben wenige Lust tätig mitzuwirken. Der Rat ist hierüber in einer unangenehmen Lage: er und der wackere Teil der Bürger, der sein bares Geld, sein Silbergeschirr, seine Münzcabinete und was sonst noch des edlen Metalls vorrätig war, freiwillig hingab, hat nicht allein damals hierdurch und durch die persönlichen Leiden der weggeführten Geisel die Stadt und den egoistischen flüchtigen Teil der Reichen vertreten und gerettet; sondern ist auch gutmütig genug gewesen, für die nicht Schutzverwandten, als die Stifter, Klöster und deutschen Orden u. s. w. die Kontributionen in der Masse mitzuerlegen. Da es nun zum Ersatz kommen soll, so existiert weder ein Fuß, wornach, noch ein Mittel, wodurch man eine so große Summe, als zu dem Interesse- und dem Amortisations-Fonds nötig ist, beibringen könnte. Der bisherige Schatzungsfuß ist schon für den ordinären Zustand völlig unpassend, geschweige für einen außerordentlichen Fall; jede Art von neuer Abgabe drückt irgend wohin, und unter den hundert und mehr Menschen die mitzusprechen haben, findet sich immer ein und der andere der die Last von seiner Seite wegwälzen will. Die Vorschläge des Rats sind an das bürgerliche Kollegium gegangen; ich fürchte aber sehr, daß man nicht einig werden wird und daß, wenn man einig wäre, der Reichshofrat doch wieder anders sentieren würde. Indessen bettelt man von Gutwilligen Beiträge, die künftig berechnet werden, und, wenn man bei erfolgender Repartition zu viel gegeben hat, verinteressiert werden sollen, einstweilen zusammen, weil die Interessen doch bezahlt werden müssen. Ich wünsche daß ich mich irre, aber ich fürchte, daß diese Angelegenheit so leicht nicht in Ordnung kommen wird.

Für einen Reisenden geziemt sich ein skeptischer Realism; was noch idealistisch an mir ist wird in einem Schatullchen, wohlverschlossen, mitgeführt wie jenes Undinische Pygmäenweibchen. Sie werden also von dieser Seite Geduld mit mir haben. Wahrscheinlich werde ich jenes Reisegeschichtchen auf der Reise zusammenschreiben können. Übrigens will ich erst ein paar Monate abwarten. Denn obgleich in der Empirie fast alles einzeln unangenehm auf mich wirkt, so tut doch das Ganze sehr wohl, wenn man endlich zum Bewußtsein seiner eigenen Besonnenheit kommt. 

Ich denke etwa in acht Tagen weiter zu gehen und mich bei dem herrlichen Wetter, das sich nun bald in 
den echten mäßigen Zustand des Nachsommers setzen wird, durch die schöne Bergstraße, das 
wohlbebaute gute Schwaben nach der Schweiz zu begeben, um auch einen Teil dieses einzigen 
Landes mir wieder zu vergegenwärtigen.

Frankfurt, den 20 August 1797. 

 Die hiesige Stadt mit ihrer Beweglichkeit und den Schauspielen verschiedener Art, die sich täglich erneuern, so wie die mannichfaltige Gesellschaft, geben eine gar gute und angenehme Unterhaltung; ein Jeder hat zu erzählen wie es ihm in jenen gefährlichen und kritischen Tagen ergangen, wobei denn manche lustige und abenteuerliche Geschichten vorkommen. Am liebsten aber höre ich diejenigen Personen sprechen, die ihrer Geschäfte und Verhältnisse wegen vielen der Hauptpersonen des gegenwärtigen Kriegsdramas näher gekommen, auch besonders mit den Franzosen mancherlei zu schaffen gehabt, und das Betragen dieses sonderbaren Volkes von mehr als Einer Seite kennen gelernt haben. Einige Details und Resultate verdienen aufgezeichnet zu werden. 

Der Franzos ist nicht einen Augenblick still, er geht, schwätzt, springt, pfeift, singt und macht durchaus einen solchen Lärm, daß man in einer Stadt oder in einem Dorfe immer eine größere Anzahl zu sehen glaubt, als sich drin befinden; anstatt daß der Östreicher still, ruhig und ohne Äußerung irgend einer Leidenschaft, gerade vor sich hinlebt. Wenn man ihre Sprache nicht versteht, werden sie unwillig, sie scheinen diese Forderung an die ganze Welt zu machen; sie erlauben sich alsdann manches um sich selbst ihre Bedürfnisse zu verschaffen; weiß man aber mit ihnen zu reden und sie zu behandeln, so zeigen sie sich sogleich als bons enfans und setzen sehr selten Unart oder Brutalität fort. Dagegen erzählt man von ihnen manches Erpressungsgeschichtchen unter allerlei Vorwänden, wovon verschiedene lustig genug sind. So sollen sie an einem Ort, wo Kavallerie gelegen, beim Abzuge verlangt haben, daß man ihnen den Mist bezahle. Als man sich dessen geweigert, setzten sie so viel Wagen in Requisition als nötig waren, um diesen Mist nach Frankreich zu führen; da man sich denn natürlich entschloß lieber ihr erstes Verlangen zu befriedigen. An einigen andern Orten behauptet man:

der abreisende General lasse sich jederzeit bestehlen, um wegen Ersatz des Verlustes noch zuletzt von dem Orte eine Auflage fordern zu können. Bei einer Mahlzeit sind ihre Forderungen so bestimmt und umständlich, daß sogar die Zahnstocher nicht vergessen werden. Besonders ist jetzt der gemeine Mann, obgleich er genährt wird, sehr aufs Geld begierig, weil er keins erhält, und er sucht daher auch von seiner Seite etwas mit Façon zu erpressen und zu erschleichen. So hält z. E. auf dem Wege nach den Bädern jeder ausgestellte Posten die Reisenden an, untersucht die Pässe und ersinnt alle erdenklichen Schwierigkeiten, die man durch ein kleines Trinkgeld gar leicht hebt; man kommt aber auch, wenn man nur Zeit verlieren und sich mit ihnen herum disputieren will, endlich ohne Geld durch. Als Einquartierung in der Stadt haben sie sowohl das erste als zweite Mal gutes Lob, dagegen waren ihre Requisitionen unendlich und oft lächerlich, da sie wie Kinder, oder wahre Naturmenschen, alles was sie sahen zu haben wünschten. In den Kanzleien ihrer Generale wird die große Ordnung und Tätigkeit gerühmt, so auch der Gemeingeist ihrer Soldaten und die lebhafte Richtung aller nach Einem Zweck. Ihre Generale, obgleich meist junge Leute, sind ernsthaft und verschlossen, gebieterisch gegen ihre Untergebnen und in manchen Fällen heftig und grob gegen Landsleute und Fremde. Sie haben den Duell für abgeschafft erklärt, weil eine Probe der Tapferkeit, bei Leuten die so oft Gelegenheit hätten sie abzulegen, auf eine solche Weise nicht nötig sei. In Wiesbaden forderte ein Trierischer Offizier einen französischen General heraus, dieser ließ ihn sogleich arretieren und über die Grenze bringen.

Aus diesen wenigen Zügen läßt sich doch gleich übersehen, daß in Armeen von dieser Art eine ganz eigene Energie und eine sonderbare Kraft wirken müsse, und daß eine solche Nation in mehr als Einem Sinne furchtbar sei.

Die Stadt kann von Glück sagen daß sie nicht wieder in ihre Hände gekommen ist, weil sonst der Requisitionen, ungeachtet des Friedens, kein Ende gewesen wäre. Die Dörfer in denen sie liegen werden alle ruiniert,jede Gemeinde ist verschuldet und in den Wochenblättern stehen mehrere, welche Kapitalien suchen; dadurch ist auch die Teuerung in der Stadt sehr groß. Ich werde ehestens eine Liste der verschiedenen Preise überschicken. Ein Hase z. B. kostet 2 Gulden und ist doch für dieses Geld nicht einmal zu haben. 

Frankfurt, den 21 August 1797. 

Es liegen drei Bataillons des Regiments Manfredini hier, unter denen sich, wie man an gar mancherlei Symptomen bemerken kann, sehr viel Rekruten befinden. Die Leute sind fast durchaus von einerlei Größe, eine kleine aber derbe und wohlgebaute Art. Verwundersam ist die Gleichheit der Größe, aber noch mehr die Ähnlichkeit der Gesichter; es sind, so viel ich weiß, Böhmen. Sie haben meist lang geschlitzte kleine Augen, die etwas nach der ganzen Physiognomie zurück, aber nicht tief liegen; enggefaßte Stirnen, kurze Nasen, die doch keine Stumpfnasen sind, mit breiten, scharf eingeschnittenen Nasenflügeln; die Oberwange ist etwas stark und nach der Seite stehend, der Mund lang, die Mittellinie fast ganz grad, die Lippen flach, bei Vielen hat der Mund einen verständig ruhigen Ausdruck; die Hinterköpfe scheinen klein, wenigstens macht das kleine und enge Casquet das Ansehen. Sie sind knapp und gut gekleidet, ein lebendiger grüner Busch von allerlei täglich frischem Laub auf dem Casquette gibt ein gutes Ansehen, wenn sie beisammen sind. Sie machen die Handgriffe, so weit ich sie auf der Parade gesehen, rasch und gut; am Deployieren und Marschieren allein spürt man mitunter das Rekrutenhafte. Übrigens sind sie sowohl einzeln als im Ganzen ruhig und gesetzt.

Die Franzosen dagegen, die manchmal einzeln in der Stadt erscheinen, sind gerade das Gegenteil. Wenn die Kleidung der Östreicher bloß aus dem Notwendigen und Nützlichen zusammengesetzt ist, so ist die der Franzosen reichlich, überflüssig, ja beinahe wunderlich und seltsam. Lange blaue Beinkleider sitzen knapp am Fuße, an deren Seite unzählige Knöpfe auf roten Streifen sich zeigen; die Weste ist verschieden, der blaue lange Rock hat einen weißen, artigen Vorstoß; der große Hut, der in der Quere aufgesetzt wird, ist mit sehr langen Litzen aufgeheftet, und entweder mit dem dreifarbigen Büschel oder mit einem brennend roten Federbusch geziert; ihr Gang und Betragen ist sehr sicher und freimütig, doch durchaus ernsthaft und gefaßt, wie es sich in einer fremden noch nicht ganz befreundeten Stadt geziemt. Unter denen, die ich sah, waren keine kleinen, und eher große als mittelgroße. 

Frankfurt, den 23 August 1797. 

Noch etwas von den Franzosen und ihrem Betragen.

Als bei Custines Einfall der General Neuwinger die Tore von Sachsenhausen besetzen ließ, hatten die Truppen kaum ihre Tornister abgelegt, als sie sogleich ihre Angeln hervorrafften und die Fische aus dem Stadtgraben herausfischten.

In den Ortschaften, die sie noch jetzt besetzen, findet man unter den Offizieren sehr verständige, mäßige und gesittete Leute, die Gemeinen aber haben nicht einen Augenblick Ruh', und fechten besonders sehr viel in den Scheunen. Sie haben bei ihren Compagnien und Regimentern Fechtmeister, und es kam vor kurzen darüber, welcher der beste Fechtmeister sei, unter seinen Schülern zu großen Mißhelligkeiten. Es scheint im Kleinen wie im Großen: wenn der Franzose Ruhe nach Außen hat, so ist der häusliche Krieg unvermeidlich.

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