> Gedichte und Zitate für alle: J.W.v.Goethe: Farbenlehre-Dufay (241)

2020-01-19

J.W.v.Goethe: Farbenlehre-Dufay (241)


Dufay 


Die französische Regierung hatte unter Anleitung 
von Colbert, durch wohlüberdachte Verordnungen, 
das Gutfärben und Schönfärben getrennt, zum großen 
Vorteil aller, denen, es sei zu welchem Gebrauch, zu 
wissen nötig war, daß sie mit haltbar gefärbten Zeugen 
oder Gespinsten gewissenhaft versorgt würden. 
Die Polizei fand nun die Aufsicht über beiderlei Arten 
der Farberei bequemer, indem dem Gutfärber ebensowohl 
verboten war, vergängliche Materialien in der 
Werkstatt zu haben, als dem Schönfärber dauerhafte. 


Und so konnte sich auch jeder Handwerker indem ihm 
angewiesenen Kreise immer mehr und mehr vervollkommnen. 
Für die Technik und den Gebrauch war gesorgt. 
Allein es ließ sich bald bemerken, daß die Wissenschaft, 
ja die Kunst selbst dabei leiden mußte. Die 
Behandlungsarten waren getrennt. Niemand blickte 
über seinen Kreis hinaus, und niemand gewann eine 
Übersicht des Ganzen. Eine einsichtige Regierung jedoch 
fühlte diesen Mangelbald, schenkte wissenschaftlich 
gebildeten Männern ihr Zutrauen und gab 
ihnen den Auftrag, das, was durch die Gesetzgebung 
getrennt war, auf einem höhern Standpunkte zu vereinigen. 
Dufay ist einer von diesen.

Die Beschreibungen auch anderer Handwerker sollten unternommen werden. Dufay bearbeitete die Färberei. Ein kurzer Aufsatz in den Memoiren der Akademie 1737 ist sehr verständig geschrieben. Wir übergehen, was uns nicht nahe berührt, und bemerken nur folgendes:

Wer von der Färberei in die Farbenlehre kommt, muß es höchst drollig finden, wenn er von sieben, ja noch mehr Urfarben reden hört. Er wird bei der geringsten Aufmerksamkeit gewahr, daß sich in der mineralischen, vegetabilischen und animalischen Natur drei Farben isolieren und spezifizieren. Er kann sich Gelb, Blau und Rot ganz rein verschaffen; er kann sie den Geweben mitteilen und durch verschiedene, wirkende und gegenwirkende Behandlung, sowie durch Mischung die übrigen Farben hervorbringen, die ihm also abgeleitet erscheinen. Unmöglich wäre es ihm, das Grün zu einer Urfarbe zu machen. Weiß hervorzubringen, ist ihm durch Färbung nicht möglich; hingegen durch Entfärbung leicht genug dargestellt, gibt es ihm den Begriff von völliger Farblosigkeit und wird ihm die wünschenswerteste Unterlage alles zu Färbenden. Alle Farben zusammengemischt geben ihm Schwarz.

So erblickt der ruhige Sinn, der gesunde Menschenverstand die Natur, und wenn er auch in ihre Tiefen nicht eindringt, so kann er sich doch niemals auf einen falschen Weg verlieren, und er kommt zum Besitz dessen, was ihm zum verständigen Gebrauch notwendig ist. Jene drei Farben nennt daher Dufay seine Mutterfarben, seine ursprünglichen Farben, und zwar als Färber mit völligem Recht. Der Newtonischen Lehre gedenkt er im Vorbeigehen, verspricht etwas mehr darüber zu äußern; ob es aber geschoben, ist mir nicht bekannt.



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