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2020-02-29

Gedichte von Johann Rist: Der Hirsch (12)

Bild von Johann Rist-Barockdichter



Der Hirsch

Ihr Götter in den Feldren,
Sylvanus und du Pan,
Ihr Nymphen in den Wäldren,
Hört doch mein Klagen an!
Ich armer Held muß sterben
Und das wol tausendmal,
Kan doch nicht gar verderben,
Verbleib' in steter Qual.
Die Thier' im finstren Klüften
Erdulden nicht so viel,
Die Vöglein in den Lüften
Die haben noch ihr Ziel.
Der Hirsch wird oft gejaget,
Komt auch noch oft davon;
Ich lebe gar verzaget,
Amor zu Spott und Hohn.
Wird schon der Hirsch getroffen,
Lebt er doch gleichwol noch;
Ich leb' ohn' alles Hoffen,
Ich sterb' und lebe doch.
Wird schon der Hirsch gestellet,
Fängt sichs doch nicht allzeit;
Ich werde stets gefället,
Wann Amor ist bereit.
Das Wild wird wol geschossen,
Doch nur ein einzigs Mal;
Cupido unverdrossen
Scheußt aus mich ohne Zahl.
Wird schon der Hirsch verwundet,
Fühlt er doch wenig Schmerz;
Mir ist so gar entzündet
Mit heißer Glut mein Herz.
Dem Hirschlein wird genommen
Sein Leben weg in Eil';
Mir wil der Tod nicht kommen
Mit seinem Jägerpfeil.
O, wol den schnellen Thieren,
Die in den Wäldern sein,
Sie dörfen gar nicht führen
Schmerz, Klagen, Leid und Pein.
Sie leben nur in Freuden,
Die Freiheit ist ihr Gut.
Wol dem, der so ohn' Leiden
Stets führt ein frischen Mut!
Ei, wil denn meine Schmerzen
Mein Lieb nicht lindern bald,
So wünsch' ich mir von Herzen,
Zu sein ein Hirsch im Wald.

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