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2020-02-26

Gedichte von Simon Dach: Trost-Liedchen (32)





Trost-Liedchen

Was sollen wir denn machen?
Hie hilfft kein wiederstandt.
Wir, Welt vnd alle Sachen
Sind vnter Gottes Handt.
Mit Gotte wollen rechten
Ist vnvernunfft vnd Schuld,
Wer wieder Ihn wil fechten,
Der fechte mit Gedult.

Gedult vermag zu dringen
Durch alles Creutzes Mordt,
Sie kan selbs Gott bezwingen
Durch Glauben an sein Wort.
Wer sie nicht weis zu üben
Hat keines Glaubens Rhum,
Gedultig seyn vnd lieben
Ist wahres Christenthum.

Wenn wir vns Ihm ergeben,
Ihm tödten Fleisch vnd Sinn,
Vnd stellen Todt vnd Leben
In seinen willen hin,
Als dan kriegt vnser Leiden
Bey seiner Güte stat,
Daß wir noch frölich schneiden
Die heisse Thränen-Saat.

Er schlägt vns nie von Hertzen
Vnd sieht aus lieber Trew,
Daß vnsre Krafft den Schmertzen
Auch gnug gewachsen sey,
Er wird vns Rettung senden:
Das Leiden dieser Zeit,
Wie lang es währet, wenden
In ewig' Herrlicheit.

Die Boßheit hab' auff Erden
Ihr gantzes Himmelreich,
Mag hie gekröhnet werden,
Den Frommen gilt es gleich,
Sie lassen Gott stets walten
In Trübsal, Schmach vnd Hohn,
Wenn sie nur dort erhalten
Die ewig' Ehren-Krohn.

Ihr Seelen, die jhr durch den Todt
Die selig' Endschafft aller Noht
Vnd alles Drangsals überkommet,
Ihr wisset, daß es einem frommet
Hie niemals fast ohn Leiden seyn,
Vnd daß ein Christ sich seiner Pein,
Die für dem Himmel nichts zu schätzen,
Vielmehr als sonst dort werd' ergetzen.

Wer auff den schweren Arbeits-Tag
Sich umb die Nacht erholen mag,
Dem thut der Schlaff noch eins so eben.
Ein Mensch, der hie sein gantzes Leben
In steter Wollust zugebracht,
Befällt jhn dann die Todes-Nacht
Vnd er zu Grabe sich sol finden,
Die Ruh wird jhn so sanfft nicht binden.

Dort wird die Krone dessen Häupt,
Den GOTT allhie für andern stäupt,
Für andern auffgesetzet werden;
Wer seinen Samen hie auff Erden
Mit Thränen in den Acker strewt,
Dem wird dort werden abgemeyt
Die Frucht in höchsten Himmel-Frewden:
Wer wolte nun nicht Trübsal leiden?

Was ist sie? Eine Meisterin
Der Lüste, welchen unser Sinn
Ohn sie sich gar zu leicht ergiebet.
Wol dem, den GOTT hie stets betrübet,
Vnd an dem Creutze ziehen lässt,
Hält er an seinem GOTT nur fest,
Ihm wird sein unbefleckt Gewissen
Zuletzt von keiner Angst gebissen!

Ein Schiffman, der in Sorgen lebt,
Wenn wo ein Sturm das Meer erhebt,
Wird in Bereitschafft stets gefunden,
Ein Kriegsman, welcher seine Stunden
Auff seiner Wache sorglich hält,
Wird leichtlich nicht durch List gefällt;
Wer aber hie in Wollust lieget,
Dem hat der Feind schon angesieget.

Ihr Seelen, die jhr durch den Todt
Die sehlig' Endschafft aller Noht
Vnd alles Drancksals überkommet,
Ihr wisset, daß es einem frommet
Hie niemals fast ohn Leiden seyn,
Vnd daß ein Christ sich seiner Pein,
Die für dem Himmel nichts zu schätzen,
Vielmehr als sonst dort werd' ergetzen.

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