> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte von Simon Dach: Verlangen nach der Ewigkeit (34)

2020-02-26

Gedichte von Simon Dach: Verlangen nach der Ewigkeit (34)





Verlangen nach der Ewigkeit

Ich kenn' ein Hauß nach dieser Zeit
Das heist die selig' Ewigheit,
Die Vater-Stadt der Frommen,
In welche sie
Aus aller Müh
Nach diesem Leben kommen.

Sie darff des Sonnen-Scheines nicht,
Gott selber ist ihr helles Licht
Das gläntzt ohn maß und Ende,
Gold und Cristall
Sind überall
Da Pfosten, Thür' und Wände.

Da wird des Lammes schöne Braut
Dem Bräutgam heimgeführt geschaut,
Der sie von Hertzen liebet
Als seine Zier
Vnd gantz sich jhr
Selbs zu geniessen giebet.

Ihr allerbestes Ehren-Kleid
Ist Vnschuld und Gerechtigheit,
Nur hiemit wil sie prangen,
Dies ist ihr gnug,
Kein ander Schmuck
Kann jhren Liebsten fangen.

Vnd also wird das Hochzeit-mal
Hoch in der Ewigkeiten-Sal
Mit höchster Pracht gehalten,
Da Spiel, Gesang
Vnd Seiten-Klang
Vnd Frewden ewig walten.

Die Engel selbs sind hoch erfrewt
Von wegen unsrer Seligkeit,
Da wiederfährt den Frommen
Was nimmermehr
Vns zu Gehör
Noch in das Hertz ist kommen.

Da sehn' ich hertzlich mich hinauff,
Wer endet mir den Lebens-Lauff?
Ich wil befreyet werden:
Komm, Jesu, bald,
Mein Auffenthalt,
Vnd nimm mich von der Erden!

Doch mach mich von der Sünd erst rein,
Nur diese kömpt bey dir nicht ein:
Denn draussen sind die Hunde,
Gefall' ich dir,
Nichts wünsch ich mir
Alß eine selge Stunde!

Wir haben, Herr, ein festes Wort,
Darumb uns keiner Hellen Mord
In Ewigkeit wird bringen,
Daß du uns kennest allerseit
Was Vngemach und Hertzeleid
Je auff uns möchte dringen.

Sonst gehst du warlich mit uns umb
So wunderseltzam und so krumm,
Daß Trost und Raht uns fliehen,
Vnd wir bey der gehäufften Last
Auch deine Sorge für uns fast
In Zweiffel möchten ziehen.

Zeuchst du nun die Verheissung ein,
Vergissest gnädig mehr zu seyn?
Du lässest von dir lesen:
Wie du vor Alters deiner Schar,
Die dir vertrawet, in Gefahr
Barmhertzig bist gewesen.

Wie stellst du dich denn jetzund an?
Du bist uns wie ein frembder Mann
Der nur wil förter gehen,
Bist wie ein Riese, der nicht Raht,
Nicht Hertz noch Krafft zu helffen hat
Wenn Angst und Noht entstehen.

Schaw wie sich unsre Trübsal nährt!
Das Hertz ist uns fast auffgezehrt
Von Sorgen, die uns nagen,
Du stürmst so grawsam zu uns ein,
Vnd schlägst uns, wie man in gmein
Pflegt seinen Feind zu schlagen.

Erzeig uns deine Güte doch,
Du bist ja unser Vater noch
So, wie vor alten Zeiten,
Setz unsre Hoffnung nicht in Spott,
Vnd sey auch ferner uns ein GOTT
Von nah' und nicht von weiten.

Wend endlich unser Noht-Geschrey,
Wohn uns mit Trost und Rettung bey,
Die Todten in der Erden
Erweisen dir mehr keinen Danck,
Wir wollen unser lebelang
Dein Ruhm- und Dancklied werden.

Keine Kommentare: