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2020-02-01

J.W.v.Goethe: Bildung der Erde




Bildung der Erde

Handschriftliches Schema. l8o6


Wir wenden uns zuerst zu den astronomischen Ansichten. 
Die Erde als ein Stern. 
Als ein Wandelstern. 
Die neuen Erfahrungen zeigen das Universum selbst nicht als fertig. 
Die Nebelsterne sieht man als Massen werdender Welten an. 
Ja den Jupiter als nicht erstarrt. 
Die Kometen, die man ehemals als Weltenzerstörer ansah, betrachtet man als werdende Erdkörper. 

Unsere Erde können wir selbst als noch zum Teil in der Auflösung, zum Teil in ein Auflösendes gehüllt ansehn. 
Das Meer. 
Die drauf lastende und von Flüssigkeiten durchdrungene Atmosphäre. 
Die Flüsse. 
Die feuchte über der Erde schwebende Luft. 
Was im Meere aufgelöst ist. 
In dem süßen Wasser. 
In den atmosphärischen Wassern. 
In der Luft. 
Erregung der Elektrizität.
Entstehung des Wassers. 
Entstehung der Meteore. 
Meteorische Steine. 
Chemische Erfahrung, daß alles in Dunst aufgelöst werden könne. 

Zustand der Kometen. 
Auflösung. 
Dabei zu betrachten die Temperatur. 
Wasser. 
Quecksilber. 
Flüssigkeit-Annäherung zur Verflüchtigung. 
Entscheidung zur Möglichkeit eines sukzessiven Werdens.

Uranfängliche Scheidung. 
Werden im Scheiden. 
Werden nach dem Scheiden. 
Niederschläge. 
Haben ihren Namen von der Fällung. 
Doch gibt es auch aufsteigende, schwimmende Niederschläge; werden bewirkt: 
1. Durch Kälte. 
2. Durch Verdünnung der Auflösung. 
3. Durch Verflüchtigung eines Bestandteils, der die übrigen band. 
4. 

Physisch- chemische Wirkung. 
Bildung. 
Verwandtschaften. 
Kristallisation. 
Gegensatz der mechanischen Bildung. 
Schwere. Simultanes. 
Sukzessives. 
Als zwei Enden zu betrachten, die in sich selbst zerfließen. 
Äußere Form. 
Notwendiges und Zufälliges. — 
Massen aus Kristallisation. 
Schnee, Eis, halberstarrte Metalle. 

Gestalt der Erde. 
Ein Drittel Land, zwei Drittel Wasser. 
Land unter Wasser. 
Modell zur Vorstellung.
Erstarrung. 
Sinken des Wassers. 
Hervortreten des Soliden.
Gebirge im Kreuz. 
Äußerer Bau. 
Innerer. 
Terminologie.
Gebirge. 
Zusammenhang. 
Ramifikation. 
Wahrscheinliche Richtung. 
Größere Erdmasse nach Nordost. 

Hervortreten des Unterschiedenen. 
Kiesel und Ton. 
Granit. 
Quarz. 
Glimmer. 
Feldspat. 
(Hornblende. Syenit.) 
Gedrängter Zustand beim Entstehen des Granits. 
Charakter eines jeden Teils. 
Des Quarzes muschlichter Bruch. 
Des Feldspats tafelartiger. 
Des Glimmers blätteriger. 
Doch nicht zu einer vollkommenen Kristallisation gelangt. 
Zeichen des Urgebirgs und eines frühen Werdens. 
Doch ist dieses Urgranitgebirge doch auch nur ein Übergang. 
Denn das Vorhergehende, was den Kern der Erde bildet, ist uns unbekannt. 
Über die Mitte der Erde sind schon alle möglichen Hypothesen dagewesen. 
Sie sollte Feuer, Wasser oder Luft enthalten. 
Neuere halten ihre Mitte für metallisch. 
Und was wir von Metallen erreichen können, sollen gleichsam nur die Überreste verborgener Formationen sein. — 
Wir kehren zum Granit zurück. 
Er ist auf alle Fälle das frühste Gebirge. 
Er scheint in großer Eile geworden zu sein. 
Verschiedenheit seiner Form und Farbe. — 
Chemische Wirkung vorwaltend. 
Ideale — Intentionelle — Teilung der Masse. 
In der Wirklichkeit auf das sonderbarste manifestiert. 
Form eine Bedingung des soliden Daseins. 
Freie Form durch Sukzession entstanden.
Gedrängte Form in der Simultaneität. 
Beide Formen des Unorganischen sind mathematisch. 
Die Eigenschaft, daß die Masse in Gestalten auseinander geht, am Kubus zu symbolisieren. Forderung, sich zu konzentrieren und seinen Nachbar zu verlassen. 
Alle Arten von Durchgang der Blätter. 
Teilbarkeit ins Unendliche. 
Zerfallen der Masse in Tetraedren. 
Wiederholte Betrachtung der chemischen und jener intentionellen, gleichsam idealen Wirkung. Abstraktion von der Schwere. 
Übergang zu dem, was man Lager, Lagerungen nennt. Schwierigkeit, damit über einzukommen; an einem auf der Spitze stehenden Rhombus gezeigt. 
Ableitung, daß man selbst die horizontalen Bänke der Urgebirge für eigentliche Lager anzusehen habe. 
Weitere Ausführung dieser Materie und bildliche Darstellung. 

Wir haben uns bisher im Allgemeinen, Elementaren aufgehalten, das vor unsern Augen entstand und verging, so daß es beinahe schien, als wenn man nichts erfahren hätte. 
Doch werden wir jenes Bewegliche überall wiederfinden. 
Weil selbst das Feste nicht auf den Grad erstarrt ist, um nicht noch Einflüsse zu dulden. Ja, um nicht noch selbst zu wirken. 

Wir nehmen das Feste, Älteste, Beständigste voraus. 
Die Erde besonders im Sinne, 
Ihre Grundfesten zuerst zu betrachten. Ihren Bau, ihre Gestalt. 
Die Osteologie der Erde, Die Knochenlehre hat für den bloß sinnlichen Menschen etwas Widerliches. Dem, der sich zur Kenntnis der organischen Natur erheben will, ist sie unentbehrlich. Nach vollendeter Einsicht höchst erfreulich und unschätzbar.

So scheinen auch die nackten Gebirge, Steinritzen und Brüche dem natürlichen Auge etwas Unerfreuliches zu haben. 
Dem Auge des, der Kenntnis besitzt, offenbaren sie das Innere. Ja das Äußere, die letzte nützliche und angenehme Umgebung, wird bequemer und gründlicher erkannt. — Genuß, Empfinden, Wissen, Erkennen, Wissenschaftliches Anschauen. Wiederkehrender Genuß. 

Zur Kenntnis der Erde gelangt man auf vielerlei Weise. 
Mehrere Wissenschaften müssen zusammenarbeiten. 
Die Astronomie zeigt uns das Verhältnis der Erde zu gleichen und ähnlichen Körpern des Weltraumes. 
Die mathematische Erdbeschreibung trägt jene großen Himmelsverhältnisse in abstrakten Linien auf die Erdkugel selbst über. Was uns dadurch deutlich wird. 
Die physische Erdbeschreibung zeigt uns den Zustand der Oberflächen und alles dessen, was darauf vorgeht, und dringt nur der Vollständigkeit wegen in die Tiefen. Die Geognosie fängt von den erreichbaren Tiefen an und verbindet damit die Kenntnis bis zu den höchsten Gipfeln. Jene allgemeinen Wissenschaften sind das Element, in dem sie schwebt. Sie hat mehrere besondre unter sich, aus denen sie sich zusammensetzt und Vorteile zieht. Wir gehen von der Geognosie aus. Ohne uns jedoch auf sie allein zu beschränken. Es soll nach und nach vor unserm geistigen Blick ein Bild der Erde entstehen. Hier ist die Rede nicht, alles Einzelne zu überliefern, noch das Allgemeine von Grund aus zu behandeln. Da eine Bekanntschaft damit vorausgesetzt werden kann. Mehr eine Rekapitulation als eine Belehrung. 

Erde, wie wir sie jetzt vor uns gewahr werden. Auch hier ist eine genetische Betrachtung wünschenswert.
Alles was wir entstanden sehen und eine Sukzession dabei gewahr werden, davon verlangen wir dieses sukzessive Werden einzusehen. So wie die wahre Geschichte überhaupt nicht das Geschehene aufzählt; sondern wie sich das Geschehene auseinander entwickelt uns darstellt. 

Verlangen im Naturmenschen, von dem Ursprung der Dinge unterrichtet zu sein. Die Entstehung der Welt und des Menschengeschlechtes. Anfänge alles religiösen Unterrichts. 
Orpheus, später Hesiodus. 
Frühere Vorstellung eines chaotischen Zustandes, der aus streitenden Elementen zur Ruhe übergeht. Darstellung des Ovids. 
Vorstellung, daß aus ruhendem Elemente die Welt zur Tätigkeit entstanden sei. 
Vorstellung der Entstehung der Welt aus den Wassern. Traf mit der Erfahrung überein. Man bezog diese Entstehung entweder auf die ganze Welt; oder auf besondere Länder. 
Moses und die Indier. 
Diese mythologische Zeit brütete bloß über wenigen Phänomenen. Der Übergang zu den Dokumenten, woraus sich die Entstehung der Welt ableiten ließe, ward sehr spät gemacht. Auch sucht man gewöhnlicher Dokumente zur Meinung als umgekehrt. 

Das Hervortreten der Welt aus den Wassern war in den heiligen Büchern der Juden ausgesprochen. Ebenso das Zurückkommen der Wasser in dem, was man Sündflut nannte. Alte Nachrichten andrer Völker stimmten damit überein. 
Man gab die ersten Gebirge als bei der Erschaffung entstanden wohl zu. Dagegen alle organischen Reste, die sich im Steinreiche fanden, sollten von der Sündflut herstammen.

Daher so manche diluvianische Bücher und Abhandlungen. 
Die Gegner der heiligen Schriften leugneten im Widerspruch alle Versteinerungen, und Voltaire erklärte die sämtlichen versteinerten Muscheln für lusus naturae. 
Weitre Blicke über diese Dinge gingen auf. Was Maillet in seinem Telliamed. 
Entwicklung des Ganzen aus dem Wasser. Gegner, worunter auch Voltaire. Einstimmende. 

Diese Meinung traf mit der Meinung der Theologen zusammen. Die Welt habe ihren Anfang im Wasser gewonnen und werde durch Feuer untergehen. Nun zeigten sich unter den Gegnern der Offenbarung Antihydoristen. Die Entstehung der Welt wird aus dem Feuer erklärt. Feurige Phänomene auf der Erde. Sah man als Überbleibsel älterer Wirkungen an. 

Freiberger Schule. 
Behandlung aller Dokumente in einem Sinn. 
Verschiedene Lehren in Verbindung. 
Die Entstehung der Erde aus Wasser behielt die Oberhand. 
Bis eine partielle Feuer-Meinung eintrat. 
Bei Gelegenheit der Basalte. 
Welche man vulkanischen Wirkungen zuschrieb. 

Vereinigung der Meinungen unmöglich. 
Dokumente nicht von jedem. 
Nicht in derselben Ordnung. 
Nicht mit denselben Augen gesehen. 
Notwendiger Gegensatz der Vorstellungsarten. 
Gegen hundert verschiedene Theorien der Erdentstehung, teils sich einander entgegengesetzt, teils sich einander mehr oder weniger zuneigend.
Ehe wir davon sprechen können, ist es nötig, die Dokumente selbst durchzugehen. 
Da, wo die Meinungen zusammentreffen, es zu bemerken. Wo sie einander entgegenstehen, die Ursachen, insofern sie im Menschen, oder in den Sachen liegen, anzumerken.


Zeitgenossen und Nachfahren



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