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2020-02-09

J.W.v.Goethe: III. Vorarbeiten zur Morphologie der Pflanzen



III. Vorarbeiten zur Morphologie der Pflanzen 


Untere Kotyledonen sind entweder: 

ganze, ohne daß ein Teil an selbigen 
zu erkennen ist. 
Diese sind wieder:                                     geteilte
Vollkommen ganz oder ganz geteilt. 

Von den ganzen zu den geteilten ist ein leichter Übergang. Die untern Kodyledonen werden durch die Feuchtigkeit des Erdbodens aufgeschwellt, sie geben dem zwischen ihnen verborgnen Pflanzenanfange die erste Nahrung, so daß das Wurzelchen hervortreiben und dieselbe selbst weiter in der Erde suchen kann. 

Ehe wir weiter gehn, können wir einstweilen die bekannte Einteilung eines Pflanzenanfangs nehmen, da sie in Herzchen (corculum), Schnabelchen (rostellum) und Federchen (plumula) eingeteilt wird, ob uns gleich diese Einteilung im Folgenden kein Genüge tun kann. 

Bei denen Pflanzen, welche untere Kotyledonen haben, stehen diese mit dem Herzchen und Schnäbelchen dergestalt in Verbindung, daß die Gefäße, welche aus ihnen die Säfte zur Pflanze führen, zwischen beiden sich in die zarte Haut des Pflänzchens hinein begeben, und vermittelst dieser Haut sowohl mit der Wurzel als dem Herzchen, und da das Federchen oder Büschelchen mit diesem so genau zusammenhängt, auch damit verbunden werden. 

Die Gefäße, welche die untern Kotyledonen mit dem Pflanzenanfange verbinden, sind, soviel bis jetzt zu bemerken gewesen, entweder einfach, wie bei denen meisten ganzen unzertrennten Kotyledonen, oder doppelt, wie bei denen geteilten; doch kommt ein Fall vor, wo bei einem übrigens ungeteilten Kotyledon zwei Gefäße in die Pflanze hinübergehn. Es ist dieses bei dem Nasturtio bemerkt worden, und wahrscheinlich gibt es mehrere dergleichen, welche dem Beobachter nicht entgehn werden. 

Der untere Kotyledon, wenn er einfach ist, bleibt gewöhnlich unter der Erde; seine Funktion ist nur, wie schon oben gesagt, durch die in seinen Gefäßen zubereitete Milch der Pflanze die erste Nahrung zu geben. 

Seine Bestandteile sind mehlige und mandelartige, welche durch Verbindung mit dem Wasser, die in ihren Gefäßen einen flüchtigen Geist erzeugt, gedachte Milch hervorbringen. Diese unteren Kotyledonen bleiben daher auch meist in der Erde und verrichten dort ihr Geschäfte. Sie sind ihrer Natur und Gestalt nach ungeschickt, sich Licht und Luft zuzueignen und durch diese der Pflanze neue Nahrung und Bestimmung zu geben. 

Sie nehmen ab, sobald sie an die freie Luft kommen, anstatt daß andre Blätter sich bilden und ausbreiten; sie verwelken und fallen ab und zeigen dadurch, daß ihre Verrichtung vollendet ist, und daß sie keine zu dem überirdischen Reiche des Lichts und der Luft gebildeten Organe in sich tragen. Nur bei einigen Pflanzen, welche doppelte Kotyledonen haben, die dadurch schon blattähnlicher werden, werden sie emporgehoben und färben sich gleich dem Stiel, der über die Erde hervorragt, grünlich. In der Folge soll mehr gesagt werden. Diese Pflanzen sind Ursache, daß das, was ich gegenwärtig vortrage, neu ist, denn sie sind an einer Vergleichung Ursache gewesen, welche, wenn meine Beobachtungen gegründet sind, unrichtig befunden werden muß.

Obere Kotyledonen 

Diese sind nach meinen Beobachtungen schon blätterartig, oder vielmehr es sind schon wirkliche Blätter, welche denen folgenden Blättern meistens ähnlich sind. 

Sie können nicht lange unter der Erde verborgen bleiben, vielmehr müssen sie sich auf das schnellste über sie erheben'. Sie sind bei gewissen Pflanzen der Teil, den man, nach oben angeführter Einteilung des Pflanzenanfangs, das Federchen oder plumula nennt. 

Sie sind entweder: einblättrig, zweiblättrig, vielblättrig. Nach meinen bisherigen Beobachtungen gibt es Pflanzen, welche

1) obere und untere Kotyledonen zugleich haben, 
2) andre, welche nur obere Kotyledonen, 
3) wieder andre, welche nur untre Kotyledonen haben. Um den Begriff von obern und untern Kotyledonen deutlicher zu machen, würde man denen untern den bisherigen Namen lassen und sie untere Kotyledonen, untere Kernstücke nennen. Die obern könnte man auch Samenblätter (folia seminalia), Wurzelblätter (folia radicalia) obere Kernstücke nennen, welche drei Namen ihnen, wie wir in der Folge sehn werden, ihren verschiednen Eigenschaften und Stellung nach bei verschiedenen Pflanzen noch zugeeignet werden. 

Es wird niemand wundern, wenn ich sage, daß bei manchen Pflanzen die untern, bei andern die obern Kotyledonen fehlen, wenn man bedenkt, daß bei verschiedenen Pflanzen Haupt- und wesentliche Teile fehlen oder vielmehr zu fehlen scheinen, sich unserm Auge entziehn, oder in so abweichenden Gestalten gegenwärtig sind, daß wir sie schwer zu erkennen imstande sind, aber wenn wir sie auch erkennen, sie kaum dafür anzugeben wagen. Der genauste Zusammenhang und die wunderbarsten Übergänge eines Teils in den andern liegen uns in dem ganzen Pflanzenreiche vor Augen. 

Es sei mir erlaubt, um mehrerer Deutlichkeit willen zu einigen Zeichnungen mich zu wenden, das, was ich bisher vorgebracht, durch Beispiele zu erläutern und sodann weiter fortzufahren. 

Ich muß hierbei meine Bitte erneuem, daß man sich an meiner ungewöhnlichen Terminologie nicht stoßen, sondern das Ganze erst unbefangen durchsehn möge. 

Das türkische Korn 

Dieses hat nach meiner Einteilung einen untern ungeteilten Kotyledon, aus diesem entspringt die Wurzel und sucht ihren Weg unterwärts; ein andrer Trieb geht aufwärts und enthält in einer einblättrigen Scheide die künftige Pflanze. 

Diese einblättrige Scheide will ich hier das Samenblatt nennen, damit es nicht auffallen möge, wenn ich behaupte, daß es die Stelle des obern Kotyledon vertritt. 

Allein wer sich dessen erinnert, was ich oben von denen Eigenschaften und Verrichtungen des obern Kotyledons erwähnt, der wird hierüber nicht stutzen. Diese einblättrige Scheide, welche denen folgenden Blättern an Gestalt einigermaßen ähnlich ist, begibt sich aus der Erde, färbt sich grün und bringt Luft und Licht zuerst nach der Pflanze zu. Diese Scheide hängt zwar von oben herunter mit dem Kotyledon zusammen, sie verbindet sich aber inzwischen mit einem Knoten durch ihre diploe. Diesen Knoten müssen wir genauer betrachten. Da nichts wünschenswerter ist, als daß bei fortgehenden Beobachtungen ältere Terminologien so viel als möglich beibehalten, nach denen Umständen berichtigt und anders angewendet oder, wenn sie gar nicht mehr passen wollen, abgeschafft werden, so kehre ich auch gegenwärtig wieder zu der oben gebrauchten Terminologie zurück. 

Man sieht hier deutlich, daß die Wurzel, der eigentliche faserige, abwärts steigende Teil, ganz unterschieden von dem aufwärts steigenden Knoten ist, der jedoch auch Wurzeln zu treiben die Fähigkeit hat. Man sieht hier die Wurzel gleich aus dem untern Kotyledon hervordringen und die Tiefe suchen, den andern Pflanzenteil aber sich in die Höhe schwingen, ohne daß man sich einen ganz deutlichen Begriff von denen verschiednen Punkten des neu entstehenden Pflanzenlebens machen kann. 

Es ist auch noch der Ort nicht, hierüber umständlich zu sein, weil dieser Gegenstand gedachte Punkte nicht alle deutlich sehen läßt. 

Nur will ich hier so viel erwähnen, daß ich geneigt bin den Knoten das Herzchen zu nennen, welches in der Folge weiter erläutert werden soll. 

Die Pflanze Tabula 2 hat einen bessern Wuchs, der Knoten ist mehr in die Höhe geruckt, und es sind deswegen keine Würzelchen oder Wurzelpünktchen daran zu sehen, weil er aus der Erde hervortrieb und der zu dieser weitern Räumung nötigen Feuchtigkeit entbehren mußte.

Ich wende mich zu einer andern, zu unserer Absicht höchst merkwürdigen Pflanze, welche, da sie bisher Ursache an der Verwirrung gewesen, welche die von mir vorgeschlagne Einteilung und Terminologie heben soll, uns auch gegenwärtig den Dienst leisten mag, zur schnelleren Aufklärung behülflich zu sein. 

Es ist die Bohne. 

Ich rechne solche zu denen Pflanzen, welche sowohl untere als obere Kotyledonen haben, beide sind auf der dritten Tafel deutlich vorgestellt. 

a ist hier wie bei dem vorigen der Wurzelpunkt, jedoch sehr weit von dem Punkte b, wo die unteren Kotyledonen ansitzen, entfernt. 

Diese mit ß bezeichnet, sind hier in zwei geteilt und sitzen an zwei Seiten des Stengels, einander gegenüber, an.

Die beiden Blätter y welche an dem Punkte c ansitzen, sind nach meiner Meinung die Samenblätter, die obern Kotyledonen. 

Es sind die ersten blattähnlichen Gefäße, welche Licht und Luft sich zueignen und in den Punkt e zurückführen, der von da aus zuerst wirklich in die Höhe steigenden Pflanze die erste Nahrung aus der überirdischen Region reichend. 

Man bemerke, daß diese beiden Blätter indes einzeln stehn, die folgenden aber jedesmal drei an einem Stiel verbunden sind. 

An dieser Pflanze wäre nun also dasjenige am sichtbarsten, was ich festzusetzen wünschte, die verschiedenen Punkte des Pflanzenanfangs:

a ist der Wurzelpunkt, 

b der Punkt der untern Kotyledonen oder der Nabelpunkt. Ich darf mich dieses Ausdrucks ohne Sorge bedienen, indem man schon lange die Kotyledonen mit der Placcnta verglichen. 

c der Herzpunkt. 

Auf diese Weise würde also, was unter dem Punkt a ist, das Schnäbelchen oder rostellum sein, was über dem Punkt c ist, also die beiden folia seminalia yy, und das zwischen ihnen emporsteigende eingewickelte Keimchen die plumula heißen, und der Stiel zwischen c und a vielleicht den Namen des Halses verdienen. 

Linne bedient sich zwar dieser Benennungen, insofern diese Teile noch in der Pflanze stecken und dort schon sichtbar sind; es ist aber dieses ein seltner Fall, und man muß immer erst eine Entwickelung vorausgehn lassen, ehe man die Teile bemerken kann, und ich habe deswegen vor nötig erachtet, auseinanderzusetzen, inwiefern jene Terminologie mit derjenigen, welche ich vorschlage, in Verbindung gebracht werden kann. 

Von diesen beiden Beispielen, welche beiderseits obere und untere Kotyledonen zeigen und zwar die einen ungeteilte, die andern geteilte, wende ich mich zu der zweiten Art der Pflanzen, welche zwar obere, aber keine untern Kotyledonen haben, und vorzüglich führe ich hier zuerst den Kürbis ein, weil er uns einen Übergang deutlicher machen kann. 

a ist hier wieder unstreitig der Wurzelpunkt; das vorstehende Gefäßchen ß halte ich, daß es an der Stelle des untern Kotyledon sei, der sich hier gleichsam zurückzieht und, ehe er ganz verschwindet, uns noch eine Spur zur Bemerkung übrig läßt. Der Punkt r, welcher hier kaum merklich ist und keinen Knoten sehen läßt, wäre auch hier der Herzpunkt. Von da aus steigt eine lange Scheide in die Höhe, die sich oben in zwei Lippen oder Blätter teilt. Hier rücken die drei auf der vorigen Tafel weit auseinander sich befindenden Punkte dergestalt nahe zusammen, daß man sie kaum unterscheiden kann; ja, sie werden in den folgenden ganz zusammenfließen. 

NB. Ist zu bemerken, wie die folgenden Blätter der Gurkenpflanze sich von denen beiden echten unterscheiden, und sind über diese Art Pflanzen mehr Beobachtungen anzustellen und mehrere Zeichnungen zu machen. 

Dritte Art Pflanzen

Es sind diejenigen, welche sehr sichtbare untere, aber keine bemerkbare obere Kotyledonen haben, wo hier zum Beispiel die Wicke gezeichnet ist. Hier ist offenbar a der Punkt, wo die Wurzel anfängt, b der Nabelpunkt. Doch würde ich nach meiner oben gesetzten Bestimmung verlegen sein, wenn man [von] mir genau den Punkt des Herzchens verlangen sollte. Doch wollen wir einen Versuch machen, eine besondere Bemerkung anzubringen. Hier sind eigentlich keine obern Kotyledonen, das heißt nach meiner nicht oft genug zu wiederholenden Erklärung jene ersten von den folgenden wenig unterschiedenen Blätter, welche Licht und Luft einsaugen und zur Pflanze bringen. Allein wir werden hier durch andere Organe aufmerksam gemacht. Wie der aufsteigende Keim sich entwickelt, erscheinen gleich kleine schmale Hülfsblättchen, welche dem dahinter steckenden Auge und künftigem Zweigelchen ebendenselben Dienst leisten, welchen nach meiner Meinung die oberen Kotyledonen  folia seminalia dem ganzen aufsteigenden Stiele leisten. Diese Hülfsblättchen wiederholen sich bei jedem Auge und erneuern ihren Dienst. Merkwürdig ist es, daß die untersten Zweigelchen S3 später wachsen als die obern, obgleich ihre Hülfsblättchen pp. schon vollkommen da sind, woraus ich schließe, daß sie, ob sie gleich ihrem besondern Zweiglein zugeteilt scheinen, doch einen Einfluß auf das Ganze haben und im Anfange wirklich die Stelle foliorum seminalium vertreten, bis die obern Knospen ihren vollkommnen Trieb haben. Eben von dieser Art scheint mir das nasturtium zu sein, welches ich hier jedoch zweifelhaft anführe.

 a. der Wurzelpunkt. 

b. der Nabelpunkt mit dem Wurzelpunkt auf das innigste vereint. 

Dieser Same, wenn man ihn seiner Hülle entblößt, besteht aus einem Kerne, obgleich, wie man bei ßß sehn kann, zwei Gefäße in den Stiel sich hineinbegeben. Nun könnte man zwar den Herzenspunkt an dem Punkte x suchen und die beiden Blätter für folia seminalia halten, allein ich bin geneigter, zu glauben, daß der Herzenspunkt mit denen beiden untern Punkten genau verbunden sei:

 1) weil eine so saftige und leicht in die Höhe wachsende Pflanze schon durch den Stiel selbst Licht und Luft einsaugt, weil die ersten Blätter wenig von denen andern unterschieden sind und 

2) weil ich vier kleine, spitze, braune Hülfsgefäßchen bemerke, die gewiß nicht ohne Einfluß sind. Doch will dieses genauer beobachtet sein.

Dattelpalme 

Die Entwickelung dieser Pflanze aus ihrem harten Kern wird uns, wenn wir sie genau betrachten, manche Aufklärung geben. 

Fig. a und b ist der Kern von beiden Seiten. Mit dem , Teile, welcher hier oben gezeigt ist, ist er dem pericarpio und dem Stiele verbunden. Er hat, wie man sieht, eine glatte Seite a und eine gerunzelte, in zwei geteilte b. In der Mitte des Kerns a sieht man einen kleinen weißen

Punkt; hinter demselben befindet sich im Kerne der Keim, wie aus Fig. 3 zu sehn ist, und es scheint in die Augen zu leuchten und läßt sich aus der Verbindung eines Häutchens des pericarpii beweisen, daß der Keim von der Seite 2 hineindringt oder, wenn man will, der Kern von dieser Seite befruchtet wird. Der Kern schließt sich nach dieser Befruchtung mit Gewalt, und daher entstehn die beiden Wülste der Seite 2 und die übrigen Runzeln gedachter Seite. Wenn man den Kern entzweischneidet, so findet man denselben aus einem festen mandel-, vielmehr hornartigen bläulich-graulichen Wesen bestehn, in welchem der zarte milchweiße Keim in oben beschriebner Richtung und Gestalt liegt. Es behält derselbe lange seine Lebenskraft, und es wäre der Mühe wert, daß man Versuche auf mehrere Jahre damit anstellte. 

Wird aber derselbe in die Erde gebracht und Wärme und Feuchtigkeit in gehöriger Masse zugeführt, so entwickelt er sich bald und zwar auf eine wunderbare, mir noch bei keiner andern Pflanze bekannte Art. 

Der vordere rundlichere Teil begibt sich zu der Öffnung des Kernes hinaus und bildet, wie wir nachher sehen werden, Wurzel und Trieb. Der hintere flachere Teil dehnt sich auf eine bewundernswürdige Weise aus, und indem er Nahrung von dem Kerne zieht, bildet er sich in demselben eine Höhle, worin er wie ein Schwamm recht in der Gestalt eines Mutterkuchens anliegt, Nahrung einsaugt und nach und nach den Kern verzehrt. Seine Lage und Verbindung mit dem Kern zeigt die dritte Figur, welches der aufgeschnittne Kern No. 5 ist und seine Gestalt No. 4, welches schwammartige Kügelchen aus dem Kern der schon weiter aufgegangnen Pflanze No. 6 und 7 genommen war; doch ist er hier um etwas weniges zu groß gezeichnet. 

NB. Die sukzessive Entwicklung des Keims ist nun näher zu beobachten, wie auch der Wachstum der kleinen Placentae bis zu völliger Aufzehrung des Kernes. 

Wir gehn nunmehr zu der äußern Entwicklung der Wurzel und des aufsteigenden Keimes über, wobei wir manches Sonderbare gewahr werden.

Bei der fünften Figur sehen wir ein längliches, ziemlich einfaches Gefäß herausgetrieben. 

a ist auch hier der eigentliche Wurzelpunkt; der Punkt b, wo ein kleines Würzelchen zum Vorschein kommt, ist der Nabelpunkt, und von da bis zu dem Punkte . . geht ein Gefäß, welches man vollkommen mit der Nabelschnur vergleichen kann. Dieses schlitzt sich in der Mitte und läßt der Spitze des ersten Blattes, welches nach mir den Namen des obern Kotyledons verdient, den Durchgang. Wie dieses sich wieder entwickelt, sehn wir bei Fig. 6. Der eigentliche Wurzelpunkt a ist hier verdorrt, indem er zu tief auf den Grund des erwärmten Gefäßes herunterkam, und es hat sich dagegen die Pflanze durch Seitenwurzeln, welche zwischen dem Punkt a und b hervordrangen, geholfen. Aus dem Punkte b selbst sind Wurzeln hervorgedrungen, und es zeigt sich dadurch, wie auch aus dem sich daselbst festsetzenden Knoten, noch mehr aber bei Zerschneidung der Pflanze, daß sich der von uns so genannte Herzenspunkt auch an diesem Fleck befinde und mit dem Nabelpunkte innigst vereinigt sei. 

Durch die Spalte der Nabelschnur treibt das erste Samenblatt in Gestalt eines Röhrchens heraus und wird oben an der Spitze durch zwei ungleich tiefe Einschnitte gleichsam zweiblättrig; der größere Einschnitt ist bei / zu sehn, der kleinere [bei] s. 

Man vergleiche die Entwickelung dieser Pflanze mit der Entwicklung des türkischen Korns, so wird man eine bewundernswürdige Ähnlichkeit finden. Aus der gedachten oben doppelt eingeschnittnen Scheide treibt nun das erste eigentliche Blatt hervor, welches, wie die folgenden, nunmehr eine ganz andre Gestalt annimmt und sich von dem ersten sehr merklich unterscheidet.

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