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2020-03-17

E. Mühsam- Gedichte: Das braune Haus (2)




Das braune Haus

Stempeln gehn ist kein Vergnügen.
Arbeitsfrau und Arbeitsmann -
täglich stehn in langen Zügen
sie beim Arbeitsnachweis an.
Ohne Ansehn der Partein
heißt es: Danke bestens, nein!

Hungrig in der Mietskaserne
quetscht man sich im engen Raum.
Nur der Nazi trägt dies gerne,
denn nach München schwebt sein Traum.
Wohnt er selbst im stinkigen Loch -
im Palais wohnt Hitler doch!

Zwischen Marmor, Glas und Bronze,
Persern, Lüstern und Damast
grambeladen seufzt der Bonze
unter Deutschlands Schuldenlast.
Hakenkreuze schmücken rauh
Mobiliar wie Außenbau.

An den Wänden Heldenschwarten,
Schwerter im Beratungssaal,
Fahnen, Harnische, Standarten
und ein Waffenspind (legal!).
Hitlers Braunhaus schreit vor Pracht,
bis das deutsche Volk erwacht.

Braunbehemdete Proleten
der SA versehn den Schutz
und behüten die Tapeten
vor Gefahr und Judenschmutz,
welche, hakenkreuzdurchwebt,
Hitlers eignem Geist entschwebt.

Adolf Hitler, von Berufe
selber einst Dekorateur,
klimmt von Stufe so zu Stufe
seiner Laufbahn immer höh'r.
Denn das braune Haus zeigt klar:
Dieser bleibt das, was er war!



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