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2020-03-04

Gedichte von Christian Friedrich Hunold: Cantata (9)





Cantata

Thyrsis zieht seine Liebe zu seiner Schönen der Liebe zu
seinen Schaafen vor

Auf eine gewisse Liebes-Begebenheit.

Aria.

Weidet euch ihr liebsten Schaafe/
Wie mein Hertz geweidet wird.
Meine Seel ist auf den Auen
Meiner Schäferin zu schauen.
Geht sie fern/
Folgt ihr doch die Seele gern.
Und wird auch von ihr im Schlaffe
Wie ein säugend Lamm gekirrt.
Weidet euch ihr liebsten Schaafe/
Wie mein Hertz geweidet wird.

Ich weide meine Schaafe hier/
Und Daphne weidet sich
In einem fremden Lust- Revier.
Die Sonne brennet mich.
Sie kan in kühlen Hütten sitzen/
Ich muß bey Müh und Arbeit schwitzen.
Sie aber lacht im Schatten voller Lust.
Sie übergiebt mir ihre Hütten/
Damit kein Dieb in ihre Ställe bricht:
Und sie läst sich vieleicht wohl selbst erbitten/
Daß diß ein Wolf bekommt/ was Sie mir nur verspricht.
Ja/ denn sie schreibt mir nicht einmahl.
Ihr Schertzen reimt sich nicht zu meiner Qual.
Ich bin entfernt/ auch fern in ihrer Brust.
Wie? Thyrsis säumst du dich?
Wohin dein Hertz voran gegangen/
Nicht mit dem Leibe zu gelangen?

Aria.

Itzt fliehet ein Hirte/ wie Schaafe sonst fliehn/
Die ihren geliebtesten Hirten nach ziehn.
Die Pflicht will gebieten
Der Schaafe zu hüten:
Die Klugheit läst aber ehr welche zerbeissen/
Als selber sein Hertze zerreissen.

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