> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte von Christian Friedrich Hunold: Betrachtung der Welt/ von der Erschaffung biß nach der Sündfluth (11)

2020-03-05

Gedichte von Christian Friedrich Hunold: Betrachtung der Welt/ von der Erschaffung biß nach der Sündfluth (11)





Betrachtung der Welt/ von der Erschaffung biß nach der
Sündfluth

Gott schuf zu allererst den Himmel und die Erde.
Bewundre Geist und Hertz diß Werck ist Heiligkeit!
Damit die Finsterniß in Licht verhandelt werde!
Sprach Gott: es werde Licht! gleich war das Licht bereit.
O welche Majestat/ die in den Worten stecken!
Da alles auf der Welt nunmehr hervor gebracht/
Hat Gott die Wunder Hand zum Menschen ausgestrecket/
Und aus der Erden ihn zu Gottes Büd gemacht
Wie herrlich bist du Gott/ wie huldreich/ und wie milde!
Hier ist ein Liebes Meer in einer Vater Brust
Hier ist der Güte Thron. Gott schuf uns sich zum Bilde/
Zum Bilde: Zweymahl steht/ was unsre höchste Lust.

Da nun das Paradieß/ der Garten unsrer Wonne/
Vor uns erbauet war/ fiel unser Heil und Glück
Im Ungehorsam hin. O unerschaffne Sonne!
Weicht denn dein Gnaden-Strahl/ dein Licht in uns zurück?
Du hast/ Armseliger/ dein höchftes Gut verlohren.
Dein Auge gehet auf/ dein Elend anzusehn
Die Sünde wird durch dich der gantzen Welt gebohren.
Vor Scham und Schande kan der Mensch vor Gott nicht stehn
Verbirge dich! Allein/ wo wird ein Baum dich decken.
Vor Gottes Angesicht? doch deine Furcht ist groß;
Des Höchsten Stimme rufft/ und Adam bebt vor Schrecken/
Nun Gottes Bildniß fort/ so steht er nackt und bloß.
Der Arme zieht sich aus/ giebt weg/ was er getragen/
O die Vollkommenheit/ die dich verlassen hat!
Das allerschlimste Kleid und Centner schwer von Plagen
War da/ so leicht es schien/ ein dünnes Feigen-Blat.
Diß war die erste Noth/ die unsern Leib umgeben.
Der Seelen Unschuld starb durch Gifft und Schlangen List/
Ist kein Erbarmen da/ vor Todte/ welche leben?
Wir lesen gleich darauf/ wie gnädig Herr du bist.
Gott sprach: Zum neuen Heil bereit ich dir den Saamen.
O Liebe/ welche nicht vollkommener kan seyn?
Gott tröstet nach dem Fall: Ihr Sünder sprechet Amen.
Die Liebe nimt das Hertz mit Freuden Thränen ein.
Wer diesen Worten traut/ dem kan der Fluch nicht schaden;
Der stirbt nicht/ wenn er stirbt/ arbeitet in der Ruh/
Und legt im Glauben sich/ o tiesses Meer der Gnaden/
Durch Christum wiederum/ des Höchsten Bildnis zu.
Doch diese Liebe hat Undanckbarkeit belohnet.
Die Kinder Gottes sah'n den Menschen Töchtern nach/
Den Kindern Cains-Art/ in welchen Schönheit wohnet/
Die Schönheit/ die der Welt das Hertz und Leben brach.
Die Schönheit/ die der Geist des Himmels nicht regieret;
Die Schönheit/ da der Herr den Erden-Kreiß beschaut/
Und nichts/ als Boßheit sieht/ und nichts als Frevel spüret/
Macht/ daß dem Schöpffer selbst vor den Geschöpfen graut.
Daß es dem Gütigsten/ den wir die Liebe nennen/
Gereuet/ daß er uns aus Staub und Koth gemacht.
Daß aus Gerechtigkeit sein Eyser muß entbrennen/
Der Menschen/ wie das Vieh/ das gleich war/ umgebracht.
O Schönheit/ Pfuy dich an! Verflucht ist dein Gerichte!
Trinck Wasser/ Häßliche! die Sündfluth kömt durch dich.
Hier schwimmt der Menschen Heer. Welch jämmerlich Gesichte!
Man säufet seinen Tod/ wie vor die Sünd in sich.
Die Welt verderbe nur/ die schon durchaus verdorben.
Doch Noah/ spricht der Herr/ geh in die Sicherheit:
Ich habe dich gerecht/ den Lüsten abgestorben/
Gerecht vor mir ersehn/ zu dieser bösen Zeit.
Die Erde ward vertilgt/ und alles Fleisch gieng unter;
Nur Noah blieb gesund und was im Kasten war.
Auf Seele/ lobe Gott/ sey danckbar/ freudig/ munter/
Es liegt/ was Leben hat auf seiner Todten-Bahr.
Die Wasser übergehn der höchsten Berge Spitzen.
Vieh/ Menschen/ Vögel/ Wild/ Gewürm ersäuft/ ertrinckt.
Nur ein Gerechter kan in Ruh und Frieden sitzen;
Sein Felß der Zuversicht/ ist Gott/ der nicht versinckt.
Sein Schloß der Sicherheit baut er in wilden Wellen.
Das Wasser/ andrer Todt/ trägt ihn gesund davon.
Es mag der Grim der Fluth biß an den Himmel schwellen/
Er spricht in Gottes Krafft dem Wüten Trotz und Hohn.

Gott hielte sein Gericht/ und da er sich gerochen/
Bracht um die Vesper Zeit der holden Tauben Mund
Ein Oelblat/ welches sie zum Zeichen abgebrochen/
Das Gottes Frieden nun auf Erden wieder stund.
Mit Noah ist zugleich der Seegen ausgegangen
Bald ward ein Lob-Altar dem Höchsten aufgebaut
So pflegt es nach der Noth ein Frommer anzufangen;
Und dieses Opfer hat Gott gnädig angeschaut.
Es hatte sich dadurch die Danckbarkeit entzündet.
Die Andacht trug das Holtz/ die Liebe legt sich drauf.
So daß das Vater Hertz daran Gefallen findet/
Ein lieblicher Geruch stieg zu dem Höchsten auf.

Wie gütig ist der Herr vor diese/ die Ihn suchen?
O Liebe! die hierauf in ihrem Hertzen spricht:
Ich will hinfort nicht mehr den Erden Kreiß verfluchen/
Denn was ist doch der Mensch vor meinem Angesicht?
Zum Bösen ist sein Hertz von Jugend auf geneiget/
Darum soll/ was da lebt/ nicht weiter untergehn.
So lange sich die Welt in ihren Angeln zeiget/
Soll Saamen/ Erndte/ Frost und Hitze nicht entstehn.
Ich will so Tag als Nacht/ und alle Zeit erwecken.
Zu Noah sprach der Herr: seyd fruchtbar mehret euch;
Erfüllet diese Welt; und euer Furcht und Schrecken
Sey über Fische/ Thier' und Vögel auch zugleich.
Ich richte meinen Bund mit Noah samt den Erben
In dieser Meinung auf: daß hinfort keine Fluth/
Kein Wasser alles Fleisch auf Erden soll verderben.
Und dieses ist mein Bund/ der ewiglich beruht.
Ich habe/ sagte Gott/ zum Zeichen meinen Bogen
Ins Wolcken Heer gesetzt/ auf daß ihr darnach seht/
Wenn ich die schlimme Welt mit Wolcken überzogen/
Daß alles Fleisch dadurch nicht mehr zu Grunde geht.

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