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2020-03-06

Gedichte von Christian Friedrich Hunold: Fabel (18)





Fabel

Als einer disputirte/ In Nahmen eines andern.
Ins Land der Wissenschafft gieng Damon nechst spatzieren/
Und traff drey Menschen an:
Er dachte/ wenn ich sie zu Freunden haben kan/
So werden sie mich wohl zu rechte führen.
Die Mine war an ihnen gut.
Der erste sprach zu ihm: Wir werden Mühe haben/
Durch dieses Land zu gehn: drum unser junges Blut
Soll/ wenn es dir beliebt/ sich unter wegens laben.
Ich weiß ein Hauß/ da hat man guten Wein/
Ich weiß ein Hauß/ da Schönen drinnen seyn/
Ich weiß ein Hauß/ da spielet man in Karten:
Wenn wir daselbst gewesen sind/
So wollen wir auch unsrer Sachen warten.
Ein Kluger wehlt die Lust/ und lauter Müh ein Kind:
Bey den Gelehrten gilt diß Kleeblat allzuviel;
Wein/ Weiber/ Karten-Spiel.
Der andre sprach zu ihm: was wilst du hier studir en/
Und deine Zeit verliehren?
Ein besser Weg geht in des Martis Feld;
Ein Degen und ein Pferd verdienen eher Geld/
Als ein gelehrtes Buch. Ich soll allhier zwar leben;
Doch weil ich mich will in den Krieg begeben/
Was ist es nutz/ daß ein Soldat
Viel Wissenschafft gelernet hat?
Die er doch wieder wird vergessen.
Das Geld vergnügt verthan/ Collegia verfressen;
Denn die Musqnete her/ das ist mein Symbolum.
Hier sahe sich der Damon schrecklich um.
Was/ dacht er in sich selbst/ sind in des Phoebus Auen
Nur Menschen/ die so artig/ anzuschauen?
Er sprach darauf den dritten an/
Der bath ihn/ durch diß Land/ und endlich durch Athen
Mit ihm zu gehn.
Dieweil es bald um diesen Tag gethan;
Vor Abends würden sie sonst an den Ort nicht kommen/
Alwo der klügste Theil stets Herberge genommen/
Und müsten sonst zur Schande/ Schmach und Pein
Im Narren Wirths-Hauß Gäste seyn.
Es würde sich das andere Vergnügen
Rach abgelegter Reise fügen.
Gelehrt- und Wehrter Freund/ du eilest nun dahin/
Wo wir die Ehren Frucht auf Müh und Arbeit lesen.
Wodurch ich aber glücklich bin/
Ist weil wir lange Zeit Gefehrten sind gewesen.

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