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2020-03-23

Gedichte von Martin Opitz; Am Grünen Donnerstage (1)

Martin Opitz



1. Chorinth. 2.
Auff den 46. Psalm
Zu Gott wir unser Zuflucht haben.

Vom Herren hab' ich es bekommen,
Was ihr von mir habt angenommen,
Dann Jesus in derselben Nacht,
Eh er gefangen ward gebracht,
Das Brod mit Dancken hat gebrochen
Und seine Jünger angesprochen:
Diß ist mein Leib; nemt hin und eßt,
Darmit ihr meiner nicht vergeßt.

Den Kelch nam er hernach ingleichen,
Ihn auff das Abendmal zu reichen,
Sprach: Dieser ist in meinem Blut
Das neue Testament; diß thut,
Mich, wann ihr trinckt, nicht zu vergessen.
Ihr solt, so offt ihr diß Brod essen
Und trincken werdet diesen Wein,
Deß Herren Todtes indenck seyn.

So sehet euch nun für und wisset,
Daß wer nicht würdig trinckt und isset,
Der schertzt deß Herren Leib und Blut.
Drumb schau' ein jeder, was er thut;
Dann welcher nur auß böser Weise
Nimbt diesen werthen Tranck und Speise,
Der trinckt und isst für Wein und Brod
Ihm selber das Gericht' und Todt.

Drumb müsst ihr Theiles Kranckheit haben
Und Theiles ligt ihr auch begraben,
Müsst vor der Zeit hierumb darvon;
Jedennoch, ob wir jetzund schon
Durch's Herren Hand gezüchtigt werden,
So strafft er darumb hier auff Erden,
Dieweil er uns nicht richten mag,
Wie sonst die Welt, auff jenen Tag.

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