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2020-03-28

Gedichte von Martin Opitz: Elegie (13)




Elegie

Indem die Sonne sich hat in das Meer begeben,
Und das gestirnte Haupt der Nacht herauffer bricht,
Sind Menschen, Vieh und Wild wie gleichsam ohne Leben,
Der Monde scheinet auch gar kaum mit halben Liecht.
Ich, ob schon alles schläfft, muß ohn Auffhören wachen
Von vielen Tagen her, und wallen ohne Ruh;
Ist schon die gantze Welt befreyt von ihren Sachen,
So bring' ich doch vor Lieb' und Angst kein Auge zu.
Auch dich, Asterie, hat gantz der Schlaff umbringet,
Der Tagesarbeit Furth, deß Todes Ebenbild;
Da mir der Zehren Bach auß beyden Augen dringet,
Bist du mit sanffter Rhu auff deinem Bett' erfüllt.
Wie wann sich Delia hat in den Walt verborgen,
Wird durch den Schlaff erwuscht, und fellt ins grüne Graß,
Und wie die Nymphen auch sich legen gegen Morgen,
Nach dem der Nachttantz sie gemacht hat müd und laß:
Sie ruhen sicherlich bey einem frischen Bronnen,
Die Bäume halten auff der Morgenröthe Liecht;
Daß sie nicht alsobald erwachen von der Sonnen,
Deckt sie der dicke Wald; Pan aber schläffet nicht.
Er geht, er rufft, er schreyt mit sehnlichem Verlangen,
Daß seine Stimm erklingt durch Büsche, Berg und Thal,
Und sie sind sänfftiglich mit süssem Traum umbfangen;
Dem Pan antwortet nur der blosse Wiederschal:
Du auch, mein Leben, schläffst, ich muß in Nöthen wallen,
Du bist in guter Rhu, ich wache für und für,
Biß mich der letzte Tod wird endlich überfallen,
Auff den ich sehnlich wart allhier bey deiner Thür.

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