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2020-03-05

J.W.v.Goethe: Knochen, die Gehörwerkzeuge betreffend -Ulna und Radius




Knochen, die Gehörwerkzeuge betreffend 


Ältere Einteilung, da man sie als einen Teil [Partem pctrosani) des Ossis temporum beschrieb. Nachteil dieser Methode. Nachfolgende Einteilung, als man Partem petrosam vom Osse iemponim trennte und als Os petrosum beschrieb. Nicht genau genug. Die Natur zeigt uns eine dritte i\rt, durch die wir bei der großen Komplikation der Teile allein zum deutlichen Begriff kommen können. Nach dieser besteht das Os petrosum aus zwei besonders zu betrachtenden, in ihrem Wesen höchst verschiedenen Knochen: der Bulla und dem Osse petroso proprie sie dicendo. 

Wir haben das Schläfebein schon ganz davon separiert, auch das Hinterhauptsbein schon beschrieben und fügen die Knochen, welche die Gehörwerkzeuge enthalten, nunmehr in die zwischen dem Schläfebein und dem Hinterhauptsbein befindliche Öffnung. 

Wir unterscheiden hier: 

I. Bulla und 
II Os petrosum. Sie hängen unter sich zusammen: 
a.) durch Verwachsung, 
b) durch das Übergreifen des Processus styloidei, 
c) oder durch beides. 
Sie hängen mit dem Osse teinporuin und dem Osse occipitis zusammen. 
Mehrere Figuren. 
I. Bulla. 
An ihr ist zu bemerken: 
a) Meatus auditorius externus, Collum, Orificium bullae. 
I. Collum, Röhre. 
Sehr lang beim Schwein, 
nimmt ab beim Ochsen. 
nimmt ab beim Pferdebei 
nimmt ab bei Ziege, Schaf.
Orificium kann sie genannt werden, wenn die Öffnung nur einem Ring gleicht. 
Bei der Katze
bei dem Hunde. Verwachsen mit der Bulla, doch eine Spur der Separation. Junge Katzen? Hunde? Beim Embryo des Menschen, wo der Ring sichtbar und getrennt ist. 
Beim erwachsenen Menschen wird es eine Rinne, die vom Schlafbein bedeckt wird. 

Man kann sich also den Meatus auditorius externus als eine nach oben oder hinten gekehrte Rinne und in andern Fällen als einen nach oben oder hinten gekehrten Ring denken. Die Rinne schließt sich bei obgenannten Tieren, doch ist bemerklich, daß der nach vorn gerichtete Rand immer der stärkere ist. 

Der Ring schließt sich oberwärts gleichfalls, und man merkt: das von vorn sich anschließende Ende ist gleichfalls das stärkere. 

Sie hat so wenig Knochenmaterie als möglich (Ausnahme Lapis manati), ist rund wie aufgeblasen, durch äußern Druck nicht gehindert. 

Von ihr selbst geht nur ein sehwacher spitzer processus aus, um sich mit den nächsten tendinibus zu verbinden. Hund. Bei Schafen und schafartigen Tieren schon sackartiger, zwar noch wenig Knochenmaterie, dünn wie Papier, inwendig glatt. Von außen durch den Processus styloideus gedrückt. Es gehen von diesem Sacke strahlige processus aus, die mit tendinibus zusammenhängen.

 Ulna und Radius 

Betrachtet man die Bildung beider langen Knochen im allgemeinen, so ist die größte Stärke der Ulna nach oben, wo sie durch das Olekranon die Verbindung mit dem Ober- arme hat. Die größte Stärke des Radius ist unten, wo er sich mit dem Carpus verbindet. 

Wenn beide Knochen am Menschen durch Supination nebeneinander gebracht sind, so liegt die Ulna inwärts nach dem Körper zu, der Radius nach außen; bei den Tieren, bei denen diese Knochen in der Pronation verharren, befindet sich die Ulna nach unten und hinten, der Radius nach vorn und oben, beide Knochen sind getrennt, nach einem gewissen Gleichgewicht gebildet und sehr geschickt beweglich. 

Beim Affen lang und schwank; wie denn dessen Knochen überhaupt als verhältnismäßig zu lang und zu schmal angesehen werden können. 

Bei fleischfressenden Tieren zierlich, proportionierlich und beweglich; sie ließen sich wohl nach einer Stufenreihe anordnen, da denn das Katzengeschlecht wohl den Vorzug behaupten möchte. Löwe und Tiger haben eine sehr schöne schlanke Bildung, beim Bären wird sie schon breit und schwer. Hund und Fischotter ließen sich besonders bezeichnen; alle haben Pronation und Supination mehr oder weniger beweglich und zierlich. 

Getrennt zwar sind Ulna und Radius noch bei verschiedenen Tieren, beim Schwein, Biber, Marder, allein sie liegen doch fest aufeinander und scheinen durch Ligamente, ja manchmal durch Verzahnung an- und ineinander gefügt zu sein, daß man sie fast für unbeweglich halten möchte. Bei Tieren, die nur auf Stehen, Gehen, Laufen eingerichtet sind, gewinnt der Radius das Übergewicht, er wird zum Fulcrum, die Ulna ist gleichsam bloß Artikulation mit dem Oberarm. Ihr Stab wird schwach und lehnt sich nur an der Hinterseite nach außen zu an den Radius an, man könnte sie mit Recht eine Fibula nennen. So findet sichs an der Gemse, den Antilopen und Ochsen. Auch verwachsen beide schon manchmal, wie ich das Beispiel an einem alten Bock gesehen habe. 

Bei diesen Tieren hat der Radius schon eine doppelte Verbindung mit dem Humerus durch zwei Gelenkflächen, denen der Tibia ähnlich. 

Beim Pferde sind beide Knochen verwachsen, doch läßt sich unter dem Olekranon noch eine kleine Separation und ein Interstitium zwischen beiden Knochen bemerken. Endlich, wo die Körperlast des Tiers groß wird, daß es viel an sich selbst zu tragen hat, und Stehen, Gehen, allenfalls Laufen seine Bestimmung ist, verwachsen beide Knochen fast ohne Spur, wie beim Kamel. Man sieht, der Radius gewinnt immer mehr Übergewicht, die UIna wird bloß Processus anconaeus des Radius, und ihre zarte Röhre verwächst nach dem bekannten Gesetze.

 Rekapitulieren wir das Gesagte auf umgekehrte Weise: verwachsen und einfach, stark und schwer sind beide Knochen, wenn das Tier genug an sich selbst zu tragen hat, hauptsächlich nur steht und schreitet. Ist das Geschöpf leicht, läuft und springt es, so sind beide Knochen zwar getrennt, doch die Ulna ist gering und beide gegeneinander unbeweglich. Wenn das Tier ergreift und hantiert, sind sie getrennt, mehr oder weniger voneinander entfernt und beweglich, bis vollendete Pronation und Supination dem Menschen die vollkommen zierlichste und geschickteste Bewegung erlauben, 

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