> Gedichte und Zitate für alle: J.W.v.Goethe: Verbreiterung

2020-03-10

J.W.v.Goethe: Verbreiterung



Verbreiterung

Sollte man irgendeine Vermutung aussprechen, woher dieses Phänomen eigentlich entstehe, so kann ich nach genauer Betrachtung und Forschung nur so viel sagen, daß ich glaube, es werde bewirkt an Stamm, Zweigen, Ästen aus einem allzu starken, durch regelmäßige Bildung nicht zu verwendenden Antrieb von vorbereiteten und ausgebildeten Säften. Bei den Eschen habe ich die Verbreiterung nur gefunden an Ästen, die aus geköpften Stämmen entsprangen, niemals an hohen freiwachsenden Bäumen. 

Ferner war mir ein Fall höchst merkwürdig, daß aus dem Stamm einer starken Linde, den man bei der Wurzel niedergehauen hatte, drei bis vier starke, aber durchgängig ovale Stengel herausgewachsen waren. Auch hier kann man eine Ähnlichkeit finden mit jenen Fällen, wo man den Blütenstand erzwingt durch Abhauen der Wurzeln; der F'all wäre nur umgekehrt. 

Abzulehnen wäre daher ernstlich fürs künftige die Vorstellungsart, die von Jägern (pag. 18. 20) nicht eingehen will, daß diese Verbreiterung durch Verwachsung früher getrennter Stengel und Stämme, oder gar durch Beschädigung entstanden sei; dergleichen Vorstellungsarten sind mit dem Bann zu belegen.

Keine Kommentare: