> Gedichte und Zitate für alle: J.W.v.Goethe: Versuch einer allgemeinen Knochenlehre -IX. Das Felsenbein

2020-03-27

J.W.v.Goethe: Versuch einer allgemeinen Knochenlehre -IX. Das Felsenbein




IX. Das Felsenbein 


Es ist auch dieses Bein ohne den Zusammenhang mit dem vorigen schwer zu beschreiben. 

Wir teilen dasselbe in zwei Teile, in den Innern, der nach dem Schlafe, und in den äußern, der nach dem Hinterhaupt zu liegt. An dem ersten unterscheiden wir zwei Seiten, die vordere und hintere. Die vordere schließt sich an die Öffnung der Paukenhöhle an und enthält die verschiedenen Vertiefungen des Labyrinths. 

Die hintere Seite liegt gegen das Gehirn zu, und es tritt der Gehörnerv in eine Vertiefung derselben ein. Es sind noch verschiedene Vertiefungen an dieser Seite, welche näher zu betrachten sein werden. 

Dieser Teil ist eigentlich der felsenfeste Teil zu nennen; denn es besteht derselbe aus einem festen, nicht mit den mindesten Zellen angefüllten Knochen. 

Der andere Teil des Knochens, der gegen das Hinterhaupt zu gerichtet ist, wird mehr schwammig angetroffen; er setzt sich wie ein Keil zwischen das Schlaf-, Zitzen - und Hinterhauptbein; und der Felsenteil wird dadurch an seinem Platze gehalten. Bei den meisten Tieren erscheint er an der Seite des Hinterhauptbeins und liegt unter der erhabenen Linie, welche sich über das Hinterhauptbein, über die Scheitelknochen, nach dem Schlaf- bein zu, erstreckt. Man sieht also, daß er den flachen Teil partis mastoideae des Schlafknochens des menschlichen Schädels ausmacht. 

Von diesem gehet der Processus styloideus aus, welcher eigentlich ein stumpfer Knochenfortsatz ist, an welchen sich ein tendo ansetzt, worauf sodann erst der Processus styloideus folgt. Es kommt dieser Fall auch beim Menschen vor, ob sich gleich da auch gewöhnlich der tendinöse Zwischenraum zu verknöchern pflegt. Wie schon sich das Felsenbein durch diesen Fortsatz mit dem Zitzenbein verbindet, wie beide alsdann durch den zitzenförmigen Fortsatz des Schlafbeins mit dem Schlafbein verbunden werden, so daß der äußere Gehörgang unmittelbar unter den Bogen zu stehen kommt, kann man an dem Schädel einer Ziege, wo die Knochen noch nicht verwachsen sind, am besten sehen, weil es die Struktur erlaubt, daß man diese drei Knochen mit einiger Sorgfalt auseinander nehmen und wieder miteinander verbinden kann. Hat man sich dann an der Betrachtung dieser und anderer Tiere geübt, so wird man diese drei entschiedenen Knochen-Abteilungen auch bei dem menschlichen Schädel entdecken und ohnerachtet ihres hartnäckigen Verwachsens die Grenzen derselben bestimmen können.



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