> Gedichte und Zitate für alle: Goethes Tagebücher: September 1831

2020-04-02

Goethes Tagebücher: September 1831



September 1831



1. 09. Weimar. 


Nahmen den Bericht an das Landschaftskollegium wieder vor. Ich übersah die angenehmen Geburtstagsgeschenke. Eröffnete die vielen Briefe und Pakete, die inzwischen angekommen. Mittag Ottilie. Mancherlei Zustände der Gegenwart und Vergangenheit erzählend und vorrufend. Herr Geh. Rat von Müller war abgereist. Dr. Eckermann und Professor Riemer besuchten mich. Abends Ottilie. Las die Festgedichte und Reden. Erzählte die Vorkommnisse. Die Kinder wiederholten ihre Reiseabenteuer.

2. 09. Weimar

Die Munda der Tabellen zum Etat fortgesetzt. Anderes Oberaufsichtliche. Nach 12 Uhr Frau Großherzogin und Mademoiselle Mazelet. Mittag mit Dr. Eckermann. Zunächst zu fördernde Arbeiten durchgesprochen. Nachher Oberbaudirektor Coudray. Abends Professor Riemer, welcher manches von Berlin zu erzählen hatte.

3. 09. Weimar

Nebenstehendes abgeschlossen und abgesendet: Communicat an das Landschaftskollegium. – Im Oberaufsichtlichen fortgefahren. Briefkoncepte. Kollegienrat von Otto, wegen der Freyberger Mineraliensammlung. Von Conta einige Mineralien von seiner Reise in's Voigtland vorlegend. Mittags mit Hofrat Vogel. Sodann Hofrat Meyer; demselben die angenehmen Sendungen von Rösel vorzeigend. Fräulein Ulrike, bisherige frauenzimmerliche Vorkommnisse. Ihro Königliche Hoheit der Herr Großherzog. Abends Ottilie über das Chaos gesprochen. Einsendungen dazu, Vorrat, Bedenklichkeiten.

4. 09. Weimar

Nebenstehendes expediert: Eingegangene Bücher im August, an Ihro Kaiserliche Hoheit das Verzeichnis. Schreiben an die Frankfurter Gönner und Freunde durch Einschluß an Geh. Rat von Müller nach Frankfurt a. M. Herrn Professor Zelter nach Berlin. -Mit diesen Expeditionen den Vormittag beschäftigt. Um 12 Uhr Herr Alexander Koscheleff. Mittags Professor Riemer. Demselben manches bisher Eingekommene vorgezeigt und durchgesprochen. Dr. Eckermann, der sich von seiner Liebhaberey zu den Vögeln losgesagt hatte. Abends Frau von Savigny, von Bardeleben, Jenny von Pappenheim, Sohn von Frau von Savigny, ein junger Guaita. Ein Engländer Goff bey meiner Tochter zum Tee. Ich war ein Stündchen oben.

5. 09. Weimar


Konzepte von Briefen. Ordnung in manchen Dingen. Vorbereitung auf's Nächste. Um 12 Uhr Serenissimus. Manches besprochen. Gestern hatten mir die Weimarischen Blumenfreunde ein Erodium gruinum in besonderm interessantem Blüten- und Fruchtstande zugesendet. Mittag Dr. Eckermann. Nach Tische mit Wölfchens Kupfersammlung beschäftigt. War angekommen Neue Kostüme der Berliner Theater, 23. Heft von Graf Brühl. Rapport sur les épopées françaises du XII. siècle. Mit beyden bis gegen Abend beschäftigt. Oberlandjägermeister von Fritsch, hatte sich windende Floßscheite geschickt. Abends Ottilie. Einiges in Herzogs altdeutschen Dichtungen.

6. 09. Weimar

Nebenstehendes ausgefertigt: An Herrn Generalkonsul Küstner nach Leipzig. Herrn Dr. Göttling nach Jena. – Anderes für morgen und zunächst vorbereitet, diktiert und mundiert. Um 12 Uhr Herr von Groß, die ergänzte Karlsbader Sammlung in Empfang nehmend. Mittag Dr. Eckermann. Gegen Abend mit Ottilien eine Stunde spazieren gefahren. Nachher Herr Oberbaudirektor Coudray.

7. 09. Weimar

Nebenstehendes ausgefertigt: An Hofrat Bachmann, Revision des Diploms und Zwey Buch Papier dazu. An Färber autorisierte Zettel. An Grafen Reinhard in Dresden. An Hofrat Winkler, dahin. An Dr. Herzog, den französischen Aufsatz über die alten Heldengedichte. An Hofrat Winkler 250 Tlr. Sächs., Dresden. – Anderes vorbereitet. Um 12 Uhr Herr Staatsminister von Fritsch. Nachher in den untern Garten gefahren. Speiste daselbst allein. Las im 1. Bande meiner Biographie. Ordnete einiges an. Zurück um 6 Uhr. Oberbaudirektor Coudray. Später Ottilie.

8. 09. Weimar

Briefe konzipiert und mundiert. Gruithuisens Analecten. Um 11 Uhr der junge Graf Reinhard und Frau. Um 12 Uhr Kaiserliche Hoheit und Demoiselle Mazelet. Kapellmeister Chelard und Baumgärtner von Genf, der deutschen Sprache wegen sich hier aufhaltend. Zu Tische Dr. Weller. Jenaische Verhältnisse. Lebhafter Partheysinn. Nach Tische mit Wolf in den untern Garten. Die wenigen Erdarbeiten betrachtet. Abends Ottilie. Sie las den 1. Band meiner Biographie hinaus.

9. 09. Weimar

Das Dringende fortgesetzt. Ein sogenannter armenischer Pfaffe. Mittag Dr. Eckermann. Nach Tische spazieren gefahren und nachdenkend. Abends Oberbaudirektor Coudray. Dann Professor Riemer. Abends Ottilie, den ersten Band meiner Biographie hinauslesend.

10. 09. Weimar

Konzepte und Munda. Nebenstehendes deshalb: Herrn Professor Zelter, Übersetzung aus Longhi, Berlin. Dr. Sulpiz Boisserée, München. Felix Mendelssohn dahin. Frau von Münchhausen nach Herrengosserstedt. – Regime der Untersuchungen wegen des von Voigtischen Münzkabinetts. Rückkommunikat an das Landschaftskollegium. Schreiben an Herrn von Quandt. Um 1 Uhr mit Ottilien spazieren gefahren. Mittag dieselbe und Hofrat Vogel. Nach Tische Hofrat Meyer, welcher die Zeichnungen nach Faust des jungen Nehrlich in Karlsruhe durchsah. Anmeldung von Herrn von Münchhausen von Herrengosserstedt. Agenda notiert und vorbereitet. Abends las Ottilie im 2. Teil meiner Biographie.

11. 09. Weimar


Konzepte und Munda. Vorarbeiten auf's Nächste. Um 10 Uhr Herr und Frau von Münchhausen zum Frühstück. Zum Mittagessen Frau von Pogwisch, Fräulein Ulrike, Ottilie und Dr. Eckermann. Gegen Abend Oberbaudirektor Coudray, von dem Wegebau und dem Bau im Schloß Nachricht gebend. Auch von der Brauchbarkeit des angestellten gereisten Hütters. Spät Ottilie von Belvedere kommend, den Hofzustand schildernd, mit Neigung, wie ich's liebe. Die Kinder schlossen nach ihrer Art den Abend.

12. 09. Weimar

Briefkonzepte. Oberaufsichtliches. Nebenstehendes: An das Großherzogliche Landschaftskollegium. – Um 1 Uhr Ihro Königliche Hoheit der Großherzog. Nachher Demoiselle Seidler von Dresden zurückkehrend. Mittag Dr. Eckermann. Ich beschäftigte mich mit Betrachtung der von Börner aus Leipzig gesendeten Kupfer. Um 7 Uhr Ottilie. Die Nachricht von der verlernen Sache der Polen machte große Sensation. Sie las im 2. Bande meiner Biographie.

13. 09. Weimar

Nebenstehendes ausgefertigt: Herrn von Quandt nach Dresden. Herrn Hofrat Rochlitz, Leipzig. Herrn Hofrat Meyer, Belvedere, inliegend untertänigster Vortrag an die Frau Großherzogin. – Professor Stickel aus Jena besuchte mich. Brachte manches Erfreuliche vom Orient her zur Erinnerung. Ich fuhr fort, die Börnerischen Kupfer mit Aufmerksamkeit durchzusehen. Mittag Dr. Eckermann. Nach Tische die Börnerischen Kupfer, den Füeßli dabey zu Rate gezogen. Abends Professor Riemer. Wir fingen an, den 4. Band der Biographie wieder durchzugehen.

14. 09. Weimar

Im Geschäft von gestern Abend fortgefahren. Für die nächsten Sitzungen einiges vorbereitet. Um 9 Uhr in's Jägerhaus zur Ausstellung. Auch die neue Gliederfigur und das sonstige Museum in Augenschein zu nehmen. Nebenstehendes: Dr. Weller, autorisierte Quittungen zurück. Herrn Professor Dr. Göttling, Jena. An den Rentamtmann Steinert, daselbst. Herrn Graf Henckel nach Merseburg. Herrn Geh. Rath Schweitzer, mit einem Fascikel Akten das von Voigtische Münzkabinett betreffend. – Mittag Dr. Eckermann. War seine bevorstehende Veränderung zur Sprache gekommen. Ich nahm den 4. Band meiner Biographie wieder vor. Im Einzelnen und Ganzen einiges zu bewirken und zu leisten. Abends beyfällige Resolution Ihro Kaiserlichen Hoheit wegen der Seidlerischen Beyhülfe. Ottilie kam aus der Oper: Der Barbier von Sevilla. Las einiges vor. Sprach die Tagesangelegenheiten durch. Später die Kinder, gleichfalls aus der Oper kommend. Da denn der Münchner Tenorist Bayer günstig beurteilt wurde.

15. 09. Weimar

Nebenstehendes: Erlaß an Louise Seidler, wegen der Gliederfigur; zwey Quittungen, jede zu 25 Tlr. Sächs. als Beytrag zu ihrer Dresdener Reise. – John überzog die Bleistiftkorrekturen mit roter Tinte. Ich wirkte einiges auf den 4. Teil. Wölfchen zeigte sich besonders tätig, geistreich und aufmerksam. Mittags Ottilie. Ich fuhr fort mich in's Jahr 1775 zu versetzen und den 4. Band auszustatten. Um 12 Uhr Ihro Kaiserliche Hoheit und Mademoiselle Mazelet. Die nächsten großen Ereignisse besprochen. Blieb nach Tische für mich und suchte gar manches in Ordnung zu bringen. Abends Ottilie vorlesend.

16. 09. Weimar. 

Nebenstehendes: Zwey Interimsquittungen an neue Aktionärs. – NB. Gestern Nachmittag war Demoiselle Seidler gekommen, für die verwilligte Beyhülfe zu danken und über manche Vorsätze zu sprechen. Ich sagte ihr aufrichtig meine Meynung, inwiefern es fruchtet, wollen wir abwarten.An dem Jahre 1775 redigiert. Anderes beseitigt und vervollständigt. Höchst interessantes Tagebuch des Herrn von Müller. Ich behielt das Notwendigste immer im Auge. Die englische Familie Simson nach 12 Uhr. Mittag Dr. Eckermann. Sehr erfreulicher Brief von Herrn Schultz vor seiner Abreise von Wetzlar. Gegen Abend Professor Riemer. Ging mit ihm einige Einschaltungen vom Jahr 1775 durch. Die englische Familie war bei meiner Schwiegertochter zum Tee.

17. 09. Weimar

Konzepte und Munda. Nebenstehendes ausgefertigt: An Graf Henckel ging die Metamorphose heute erst fort. Professor Zelter, Berlin. Professor Bachmann, vier Diplome ausgefertigt. – Anderes konzipiert. Übersicht des Mannichfaltigen. Herr .... von Stettin aus dem südlichen Deutschland zurückkehrend. Mittag Hofrat Vogel, Relation seiner Expedition nach Jena in oberaufsichtlichen Angelegenheiten. Das Notwendigste vorschiebend. Abends Ottilie. Gegen Abend war Geh. Rat von Walther angekommen, hatte Ihro Majestät die Königin von Bayern angemeldet, welche auch bald darauf mit ihrem zweyten Prinzen, unserm Großherzog und beyderseitigen Umgebungen eintraf. Schillers Zustände und mein Verhältnis zu ihm dienten zu bedeutender Unterhaltung.

18. 09. Weimar

Nebenstehendes ausgefertigt: Herrn Geh. Oberregierungsrat Schultz nach Bonn. An Rentamtmann Steinert nach Jena, Verordnung. – Anderes geordnet und eingeleitet. Geh. Hofrat Helbig, eine Mailändische Sendung bringend. Geh. Rat Walther von München, zutrauliche und bedeutende Unterhaltung. Ihro Hoheit Prinz Carl, Hofrat Soret. Der junge Martersteig. Mittags Dr. Eckermann. Gegen Abend Oberbaudirektor Coudray. Später Ottilie.

19. 09. Weimar

Nebenstehendes: Herrn Carl Nehrlich, Karlsruhe. Herrn Rentamtmann Mahr, Ilmenau. Fräulein Adele Schopenhauer nach Unkel. – Oberberghauptmann von Herder sendet durch Herrn von Reitzenstein sehr Angenehmes. Um 12 Uhr mit Ottilien und Walther spazieren gefahren. Mittags Dr. Eckermann. Betrachtung des von Freyberg gesendeten unschätzbaren Beyspiels der wechselnden Spiegelung an einem ganz frischen Exemplar von gestricktem Kobalt. Abends Ottilie. Las die widerwärtigen Krankheitsfälle des 2. Teils meiner Biographie.

20. 09. Weimar. 

Früh einige Konsultationen mit Hofrat Vogel. Sodann Entwicklung der verschiedenen bei seinem Aufenthalt in Jena mehr oder weniger deutlicher gewordenen Erfordernisse. Manches andere überlegt, besonders die Grundphänomene der entoptischen und anderer verwandten Erscheinungen. Mittag Wölfchen; dessen Geburtstagsdiner. Auch Dr. Eckermann. Ich war mit meinen tieferen Naturbetrachtungen beschäftigt und konnte nur freundlich sein. Gegen Abend Hofrat Meyer; ward manches durchgesprochen in Bezug auf lebende Künstler. Hofrat Vogel; einige Konsultationen wegen diätetischen Betragens. Abends Ottilie. Gesellige Zustände, erheiternde Vorlesung von einigen Märchen. Professor Riemer. Mit Recht sehr beängstigt wegen seines Sohnes, den er im Berliner Kadettenhaus gebracht hatte. Es ist einer der unangenehmsten Fälle, die mir vorgekommen sind. Ein solange mit Verstand und Konsequenz durchgeführtes Geschäft, daß nun gerade die Hauptfigur, zu deren Gunsten so viele Jahre bis in die letzten Wochen alles Fördernde und Hoffnungsreiche geschah,. . . . nun von jenem orientalischen Ungeheuer bedroht zu sehen. Wir schieden bald.

21. 09. Weimar

Ein sehr verständiger beruhigender Brief von Herrn von Quandt. Nebenstehendes abgesendet: An Professor Renner, Verordnung. An Steinert, Verordnung in Bezug auf die Veterinärschule. An Steinert ergänzende Verordnung. – John heftete die letzten Exhibita. Die Famiglie celebri, mit der 17. Lieferung geschlossen, hatte ich angesehen und sie zum Binden an Römhild abgegeben. Wölfchen schrieb seine Theaterurteile und war überhaupt anhaltend tätig. Mittags Dr. Eckermann. Über die Oper Macbeth. Auch sonstiges Ästhetische. Ich hatte frühmorgens einen Brief an Schultz diktiert. Gegen Abend einiges in Ordnung gebracht. Später Ottilie, Berliner Geschichten, Furcht und Hoffnung mit sich bringend. Hofrat Meyer, die Leipziger Kupferstiche anzusehen.

22. 09. Weimar

Nebenstehendes: An Färber, Quittung für seine Schwester, ferner Verordnung an Hofrat Voigt mit Beylagen. Desgleichen an Schrön mit Beylagen und Quittung. Desgleichen an Steinert nach Jena. Herrn Geh. Rat Willemer nach Frankfurt a. M. – Von Martius' brasilianische Reise war angekommen. Manches in Ordnung gebracht. Um Zwölf Ihro Kaiserliche Hoheit und Demoiselle Mazelet. Nachher Geh. Rat von Müller und Minister von Gagern. Von der Lage dessen Gutes Hornau am Taunus und von den anmutigen Mayngegenden vieles gesprochen. Mittag Wölfchen. Ich beschäftigte mich nachher mit dem englisch-zoologischen Werke. Abends Ottilie. Über die religiosen Gespräche und Verhandlungen mit Engländern, kamen die wunderbarsten Dinge zur Sprache.

23. 09.Weimar

Das Chaos Nr. 5. Einiges in Reisebeschreibungen gelesen. Nebenstehendes: Herrn Hofrat Soret nach Belvedere. An Zeichenlehrer Lieber mit zwey Holzplättchen. – John erkundigte sich nach Orangestämmchen. Einen Brief von Herder aus Freyberg mit einer Untersuchung des Wismutskobalterzes erhalten. Professor Riemer sendete die sämmtlichen Werke Castelli's, welche Winterberger mitgebracht hatte. Ich machte mich damit bekannt. Mittag Dr. Eckermann. Professor Riemer entschuldigte sich für den Abend, die Komplikation, in welche die Berliner Cholera seine Familie gesetzt hatte, als traurigen Grund anführend. Später Ottilie und die Kinder, welche des Tags auf dem Lande gewesen waren. Sie las in Castelli's Wiener Lebensbildern vor.

24. 09. Weimar. 

Nebenstehendes: Herrn von Cotta, München, Dankschreiben für 28. August. Herrn Geh. Rat von Müller, wegen des Porträts des Herrn von Gagern. Herrn Hofrat Meyer, Antwort auf seinen gestrigen Brief.

Die bevorstehenden Zustände überdacht. Das Notwendigste angeordnet und expediert. Bibliotheksekretär Kräuter, einiger Geschäftsangelegenheiten wegen. Zu Mittag Hofrat Vogel. Publica und Privata, Physiologica und Pathologica. Ich suchte mir nachher aus der Börnerischen Sendung verschiedene Blätter aus. Später Hofrat Meyer, dem Ich sie vorwies; er billigte die Wahl. Weitere Verabredung deshalb. Ottilie hatte den ersten Akt des Alpenkönigs gesehen und referierte denselben. Der Gedanke ist nicht übel und verrät Theaterkenntnis. Castellis Bären gaben eine heitere Unterhaltung.

25. 09. Weimar. 

Wölfchen referierte beim Frühstück die folgenden Akte des Alpenkönigs und schrieb nachher seine Rezension auf. Ich suchte die vorliegenden Geschäfte vorzuschieben. Kam ein freundlicher Brief von Boisseree. Geh. Hofrat Helbig, wegen einer Meldung von Mylius. Sekretär Vulpius, wegen Aufkündigung eines Kammerkapitals, auch sonstige Häuslichkeiten. Um 12 Uhr bei sehr schönem Sonnenschein spazieren gefahren. Mittag Dr. Eckermann. Kam von Clausthal eine sehr angenehme Sendung zum 28. August. Später Herr Minister von Gagern und Herr Geh. Rat von Müller. Besahen die französischen Medaillons, und ward manches Politische voriger Zeiten ausführlich entwickelt. Dem Gegenwärtigen und Künftigen manche Betrachtung geschenkt. Später für mich. Einiges Heitere intercaliert, welches nötig war, da eine umständliche Nachricht vom Ableben des Minister von Stein eingegangen. Höchst unerfreuliche Schwäche.

26. 09. Weimar

Einiges mundiert. Anderes überdacht. Ankunft des Thesaurus Graecae Linguae. Vol. I. Nähere Betrachtung des wichtigen Werkes. Sendung von Boisserée, das letzte Domheft für's Museum, die lithographischen Hefte, Lieferung 27 und 28, für das Museum und mich. Bewunderung der drey Könige van Eycks. Verhandlung mit dem Tischer Hager wegen der Bretchen aus Orangenholz. Herr Banquier Lesser aus Dresden durchreisend. Um 12 Uhr mit Ottilien in den untern Garten gefahren. Mittag Dr. Eckermann. Einleitung verschiedener Geschäfte überlegt. Besonders Hofrat Vogels Vortrag wegen der Veterinärschule. Abends ward Mahomet gegeben. Ottilie nach den ersten Akten, gab Auskunft über das Spiel.

27. 09. Weimar


Nebenstehendes: Herrn Dr. Sulpiz Boisserée nach München. – Hofrat Vogel, über die Vorstellung des Mohomets. Einsichtige Relation. Verschiedenes eingepackt für die nächsten Posttage. Konzipiert, mundiert. Lücken ausgefüllt. Betrachtung der Clausthaler Feyer meines Geburtstags. Geschäftliches. Elisabeth, Kupferstich von Schmidt, an Buchbinder Bauer. Porträt des Herrn von Gagern. Höchst bedeutend in der Sammlung. Abrechnung mit Schmeller. Mit Ottilien in den Garten bey sehr schönem Wetter gefahren. Blieben drunten zu Tische, bis gegen Abend. Um 6 Uhr Professor Riemer. Über die Acquisition der von Voigtischen antiken Münzsammlung. Später Ottilie. Verschiedene Tagesverhältnisse. Vorher Geh. Rat Schweitzer, wegen gedachter Münzsammlung.

28. 09. Weimar

Eben dieses Geschäft weitergeführt. Mehrere kleine Geld- und andere Geschäfte besorgt und in's Gleiche gebracht. Berliner Staatszeitung, wegen dem neulichen atmosphärischen Phänomen bey'm Untergang der Sonne. Auch über den neuen Vulkan gegen Sciacca gegenüber. Schmellern bezahlt. Um 12 Uhr mit Ottilien ausgefahren. Mittag Dr. Eckermann. Wir lasen Wolfs Rezensionen der Theaterstücke. Hofrat von Meyer; wir suchten Kupfer für's Museum aus. Später Oberbaudirektor Coudray, von der Aufführung des Mahomets erzählend, auch von den neuen Zimmern der Frau Großherzogin referierend. Ottilie, den Theseus aus Plutarchs Biographien lesend. – Herrn Dr. Sulpiz Boisserée, München. Herrn Professor Begas, mit einem Berlinexemplar meiner Werke, Berlin. Museumsschreiber Färber, autorisierte Rechnungen.

29. 09. Weimar. 

Einiges Oberaufsichtliche. Nebenstehendes expedirt: An Kontrolleur Hoffmann, die vollzogene Quittung der Oberaufsichtscasse-Rechnung. – An die achtzehn Frankfurter Freunde Danksagung. Fortgesetzte Beförderung alles Notwendigen. Mittag Wölfchen. Ich las den Lykurg in Plutarchs Biographien und verwunderte mich, wie man einem solchen ganz unwahrscheinlichen Märchen einigen Glauben habe schenken können. Das Gedicht an die Freunde durchgegangen. Abends Ottilie. Las die Biographie Solons. Das sieht nun freilich schon menschlich-historischer aus und ist sogar naturgemäß grandios, daß einer zeitlebens will, die Menschen sollen sich untereinander regieren, und muß zuletzt noch Kabinettsrat eines Despoten werden, mit dem er von Jugend auf rivalisierte, um in seinem alten hohen Sinn nur einiges Gute zu bewirken.

30. 09. Weimar

Nebenstehendes ausgefertigt: Bericht an Serenissimum, wegen Voigts Münzkabinett. Herrn Oberberghauptmann von Herder nach Freyberg. – Das Gedicht an die Frankfurter in's Reine gebracht. Einiges Bedeutende aus Longhi mir zugeeignet. Hofrat Vogel von den Zuständen des Museums einige Kenntnis gebend. Um 12 Uhr mit Ottilien spazieren gefahren. Mit Eckermann gespeist. Die neuen Bewegungen besprochen. Blieb für mich. Gegen Abend Herr Kanzler von Müller. Später las noch Wölfchen in dem Büchlein über Nationen.



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