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2020-05-06

J.W,v,Goethe: Steigerung innerhalb der Metamorphose



 

 Steigerung innerhalb der Metamorphose 

Bei der Entwicklung des Samenkorns bemerken wir einen entschiedenen Trennungspunkt; was nieder in die Erde geht, pflegen wir Wurzel zu nennen, das Aufwärtsstrebende mag einstweilen Stengel heißen.

Die ersten Samenblätter, Kotyledonen, erscheinen wieder unmittelbar am Trennungspunkte, oder sind durch ein Stielchen davon entfernt.

In jenem Falle zeigt sich gleich eine große Produktionskraft an jenem Punkte; viele Blätter und Augen sind da zusammengedrängt, wahrscheinlich in einer Spiralen und entschiedener Nähe sich entwickelnd. Bei den Monokotyledonen ist es auffallend; und die durch Kunst zu erreichende grenzenlose Vermehrung, sowie das sogenannte Bestocken, beruht auf dieser gedrängten Entwicklungsfähigkeit.

Auch bei Dikotyledonen zeigt sich die gleiche Erscheinung, die man da am besten bemerken kann, wo die Wurzel sich alsbald zur Rübe ausdehnt und mit ihrem Organe, welches den Stengel bilden soll, unmittelbar in Verbindung steht. Auch die so seltsame als seltene Eigenschaft gewisser an diesem Punkte vielfach sich entwickelnder Augen und ganz eigener Blütenbildungsart bezieht sich hierauf, und das Monströse kehrt zur Natur zurück. Bekannt sind uns hievon geworden: Lathyrus amphicarpus, Vicia amphicarpa, Milium amphicarpum.

Auch über den Kotyledonen, die sich einigermaßen steigend entfernen, findet man eine voreilige Fruchtbarkeit; die hinter den Kotyledonen vicia faba naturgemäß befindlichen Augen entwickeln sich frisch und stark; auch die folgenden Augen, an dem in die Höhe strebenden Stiel, entwickeln sich gleich, und die Blätter werden dagegen gleichsam als stipulae zurückgehalten, bis endlich bei fernerem Wachstum erst die Blattbildung überwiegt und die Pflanze in regelmäßigem Gang der Metamorphose fortschreitet. Auch hier ist die grenzenlose Willkür innerhalb des gesetzlichen Kreises auffallend, und die Ausnahmen bilden sich zur Regel.

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