> Gedichte und Zitate für alle: J.W.v.Goethe: Gedichte letzter Hand- Lieder: Kriegserklärung (18)

2020-06-25

J.W.v.Goethe: Gedichte letzter Hand- Lieder: Kriegserklärung (18)

Goethe Gedichte


Kriegserklärung 

Wenn ich doch so schön wär 
Wie die Mädchen auf dem Land! 
Sie tragen gelbe Hüte 
Mit rosenrotem Band. 

Glauben, daß man schön sei, 
Dächt ich, ist erlaubt. 
In der Stadt, ach! ich hab es 
Dem Junker geglaubt. 

Nun im Frühling, ach! ist's 
Um die Freuden getan; 
Ihn ziehen die Dirnen, 
Die ländlichen, an. 

Und die Taill' und den Schlepp 
Verändr' ich zur Stund; 
Das Leibchen ist länger, 
Das Röckchen ist rund. 

Trage gelblichen Hut 
Und ein Mieder wie Schnee;
Und sichle, mit andern, 
Den blühenden Klee. 

Spürt er unter dem Chor 
Etwas Zierliches aus; 
Der lüsterne Knabe, 
Er winkt mir ins Haus. 

Ich begleit ihn verschämt, 
Und er kennt mich noch nicht, 
Er kneipt mir die Wangen 
Und sieht mein Gesicht. 

Die Städterin droht 
Euch Dirnen den Krieg, 
Und doppelte Reize 
Behaupten den Sieg. 

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