> Gedichte und Zitate für alle: J.W.v.Goethe : Ausg. letzter Hand-Balladen: Der Edelknabe und die Müllerin (122)

2020-07-03

J.W.v.Goethe : Ausg. letzter Hand-Balladen: Der Edelknabe und die Müllerin (122)

    Goethe Gedichte



   
             Der Edelknabe und die Müllerin              

Edelknabe 
Wohin? wohin? 
Schöne Müllerin! 
Wie heißt du? 

Müllerin 
Liese. 
Edelknabe 
Wohin denn? 
Wohin Mit dem Rechen in der Hand? 

Müllerin 
Auf des Vaters Land, 
Auf des Vaters Wiese. 

Edelknabe 
Und gehst so allein? 

Müllerin 
Das Heu soll herein, 
Das bedeutet der Rechen; 
Und im Garten daran 
Fangen die Birnen zu reifen an; 
Die will ich brechen. 

Edelknabe 
Ist nicht eine stille Laube dabei? 

Müllerin 
Sogar ihrer zwei, 
An beiden Ecken. 

Edelknabe 
Ich komme dir nach, 
Und am heißen Mittag 
Wollen wir uns drein verstecken. 
Nicht wahr, im grünen, vertraulichen Haus - 

Müllerin 
Das gäbe Geschichten! 

Edelknabe 
Ruhst du in meinen Armen aus? 

Müllerin 
Mitnichten! 
Denn wer die artige Müllerin küßt, 
Auf der Stelle verraten ist. 
Euer schönes dunkles Kleid 
Tät mir leid 
So weiß zu färben. 
Gleich und gleich! so allein ist's recht! 
Darauf will ich leben und sterben. 
Ich liebe mir den Müllerknecht; 
An dem ist nichts zu verderben. 

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