> Gedichte und Zitate für alle: J.W.v.Goethe : Ausg. letzter Hand-Elegien: Das Wiedersehn (139)

2020-07-04

J.W.v.Goethe : Ausg. letzter Hand-Elegien: Das Wiedersehn (139)



Goethe Gedichte



Das Wiedersehn 


Er 

Süße Freundin, noch einen nur einen Kuß noch
gewähre 
Diesen Lippen! Warum bist du mir heute so karg? 
Gestern blühte wie heute der Baum; wir wechselten 
Küsse 
Tausendfältig; dem Schwarm Bienen verglichst du sie 
ja, 
Wie sie den Blüten sich nahn und saugen, schweben 
und wieder 
Saugen, und lieblicher Ton süßen Genusses erschallt. 
Alle noch üben das holde Geschäft. Und wäre der 
Frühling 

Uns vorübergeflohn, eh sich die Blüte zerstreut? 

Sie

Träume, lieblicher Freund, nur immer! rede von 
gestern 
Gerne hör ich dich an, drücke dich redlich ans Herz. 
Gestern, sagst du? - Es war, ich weiß, ein köstliches 
Gestern; 
Worte verklangen im Wort, Küsse verdrängten den 
Kuß. 
Schmerzlich war's, zu scheiden am Abende, traurig 
die lange 
Nacht von gestern auf heut, die den Getrennten gebot. 
Doch der Morgen kehret zurück. Ach! daß mir 
indessen 
Zehnmal, leider! der Baum Blüten und Früchte 

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