> Gedichte und Zitate für alle: J.W.v.Goethe : Ausg. letzter Hand: An Personen : An Zachariä (225)

2020-07-09

J.W.v.Goethe : Ausg. letzter Hand: An Personen : An Zachariä (225)




  An Zachariä 

Schon wälzen schnelle Räder rasselnd sich und tragen 
Dich von dem unbeklagten Ort, 
Und angekettet fest an deinen Wagen 
Die Freuden mit dir fort. 

Du bist uns kaum entwichen, und schwermütig ziehen 
Aus dumpfen Höhlen (denn dahin 
Flohn sie bei deiner Ankunft, wie vorm Glühen 
Der Sonne Nebel fliehn) 

Verdruß und Langeweile. Wie die Stymphaliden 
Umschwärmen sie den Tisch und sprühn 
Von ihren Fittichen Gift unsrem Frieden 
Auf alle Speisen hin. 

Wo ist, sie zu verscheuchen, unser güt'ger Retter, 
Der Venus vielgeliebter Sohn, 
Apollens Liebling, Liebling aller Götter! 
Lebt er? ist er entflohn? 

O gäb er mir die Stärke, seine mächt'ge Leier 
Zu schlagen, die Apoll ihm gab; 
Ich rührte sie, dann flöhn die Ungeheuer 
Erschreckt zur Höll hinab. 

O leih mir, Sohn der Maja, deiner Fersen Schwingen, 
Die du sonst Sterblichen geliehn, 
Die reißen mich aus diesem Elend, bringen 
Mich zu der Ocker hin; 

Dann folg ich unerwartet ihm am Flusse, 
Allein so wenig staunet er, 
Als ging' ihm, angeheftet seinem Fuße, 
Sein Schatten hinterher. 

Von ihm dann unzertrennlich wärmt den jungen Busen 
Der Glanz, der glorreich ihn umgibt; 
Er liebet mich; dann lieben mich die Musen, 
Weil mich ihr Liebling lebt. 

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